Kommentar | 23.07.2014

Judenhass ist auch ein Angriff auf Christen, meint unser Kommentator Egmond Prill

Judenhass ist auch ein Angriff auf Christen, meint unser Kommentator Egmond Prill
Foto: pro

Antisemitismus ist Angriff auf Christen!

Gedeiht Hass auf Israel nicht nur in Moscheen, sondern auch in linken Kirchenkreisen? Fest steht: Antisemitismus trifft Christen im Besonderen. Ein Kommentar von Egmond Prill

Wer in diesen Tagen die mediale Berichterstattung verfolgt, wer Augen und Ohren aufmacht, wird hören und sehen: In Paris steckten arabische Demonstranten jüdische Geschäfte an und belagerten eine Synagoge; in Berlin schrieen Hamas-Sympathisanten „Jude, Jude, feiges Schwein“, in Bremen schlug ein Pro-Gaza-Demonstrant einen Mann blutig, der sich schützend vor einen bedrohten Journalisten stellte. Halb Europa scheint auf den Beinen. Und Deutschland geht voran. Eben gab es noch fröhliches Feiern im Siegestaumel der Fußball-WM. Über den Fan-Meilen, in Kleingartenanlagen und auf den Straßen flatterten die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold. Ein Fest der Freude über und mit unseren Fußballern nach dem Sieg in Rio.

Mordaufrufe bei „Friedenskundgebungen“

Und nun? Nun stellen sich viele die Frage: Sind wir schon wieder so weit? Ich stelle diese Frage nicht und halte die Antwort für unwichtig. Mir stellt sich vielmehr die Frage: Wer? Wer steckt hinter diesem Judenhass, der in Paris und London und eben auch in Essen, Frankfurt und Kassel lautstark tönt?

Sogenannte Friedensdemonstrationen wurden allerorten zu Plattformen für Antisemitismus mit Sprüchen wie „Mörderstaat Israel“, „Kindermörder Israel“, „Scheiß Juden“, „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Mit „Palästina“-Flaggen und unter den schwarzen Fahnen der islamistischen Organisation Hizb-ut-Tahir ist solches und schlimmeres zu lesen. Wer formuliert so etwas? Wer schreit das sogar durch einen offiziellen Polizeilautsprecher, wie in Frankfurt geschehen? Noch mehr, der Hass mündete oft in Gewalt gegen Polizisten und Juden hier im Lande. Wie soll ich das meinem Freund Menachem erklären, der aus Israel kommt und wie jedes Jahr im Juli drei Wochen Urlaub in Deutschland macht?

Ich sehe Deutschlands Multikulti in allen Farben und Facetten gegen Israel auf den Straßen und Plätzen. Vereint sind Moslems vieler Schattierungen, Linke, Rechte, Rassisten, Antisemiten. In den Judenhass sind die irgendwie alle integriert. Politiker und Behörden sind überrascht und geschockt. Ich nicht. Das ist jenseits der sicher gut gemeinten millionenteuren Projekte „Deutschland ist bunt“, „Aufstand gegen Rechts“ und ähnlichem die nackte Wahrheit in unserem Lande. Ich frage, ob nicht gerade unter dem Mäntelchen solcher Gruppen und Initiativen eines nie wirklich zur Debatte stand: Der linke und der islamische Hass auf Juden, festgemacht am Staat Israel?

Rasch haben sich namhafte Politiker der im Deutschen Bundestag vertreten Parteien zu Wort gemeldet. Ihr Entsetzen, ihre Abscheu geäußert. Auch die klare Ansage vom Zentralrat der Muslime ist gehört worden, der Antisemitismus eine Absage erteilt. Das ist angekommen und wird hoffentlich so auch in Israel wahrgenommen.

Hass in Kirchenkreisen auf den „kollektiven Juden“?

Und hier müssen sich auch die Kirchen fragen lassen: Was sagen eure „Friedensfreunde“? Gedeiht in links-alternativ-christlichen Gruppen und Gesprächsforen heimlicher und unheimlicher Hass auf Israel, den kollektiven Juden unserer Tage? Verantwortliche in den Kirchen müssen da fortan genauer hinschauen. Es ist gut, dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, die antisemitische Hetze scharf verurteilt hat.

Insgesmt sollten sich alle Christen erinnern, was uns Dietrich Bonhoeffer als bleibendes Vermächtnis hinterlassen hat. Kurz nach der Machtergreifung im Februar 1933 wandte sich Bonhoeffer an die Öffentlichkeit. „Hier, wo Jude und Deutscher zusammen unter Gottes Wort stehen, ist Kirche, hier bewährt es sich, ob Kirche noch Kirche ist oder nicht“. Damit wandte er sich gegen die gottlose Nazi-Ideologie und fügte später hinzu: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“

Antisemitismus ist ein Angriff auf uns alle, auf Christen besonders. Jeder darf Christen kritisieren und Juden und auch die Politik in Israel. Aber wer Christen verfolgt, Juden verleumdet und zum Morden aufruft und mordet, muss mit dem Widerstand der Kirchen rechnen. Darum ist es das Gebot der Stunde: Augen auf, Ohren auf, Mund auf! (pro)

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