SUCHE 
NachrichtenFernsehenRadioInternetPolitikWirtschaftGesellschaftPädagogikJournalismusBücherFilmMusikKommentarVideos
 
Kommentar

Mit Skimasken gegen Machthaber

Dieser nur 40 Sekunden lange Auftritt ging um die Welt: Am 21. Februar traten vier Frauen in grellbunten Kostümen und mit Skimützen vor den Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale und rockten ab. Das Video machte über YouTube weltweit die Runde. Drei Mitglieder der russischen Punkband "Pussy Riot" sitzen seitdem wegen "Rowdytums" und "religiösen Hasses" in Haft. Am heutigen Freitag wird das Urteil erwartet.

Im Westen könnte man denken, die Mädchenband wolle offenbar ein wenig pubertären Rabbatz machen und Popruhm erlangen. In Wirklichkeit handelt es sich um äußerst mutige Frauen, die kurz vor der Präsidentenwahl auf ihre Art Kritik am diktatorischen Regime Vladimir Putins äußerten. Viele bezahlten derartige Regimekritik bereits mit dem Leben.

Es sind erstaunlicherweise vor allem Frauen, die gegen das System aufbegehren. Internationale Bekanntheit erlangte die Journalistin Anna Politkowskaja, die sich für die Freiheit in Russland einsetzte und dafür ermordet wurde. Ihre Kollegin Larissa Arap wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Als die Reporterin Anastassija Baburowa 2009 auf offener Straße ermordet wurde, kritisierte die Organisation "Reporter ohne Grenzen" ein "Klima der Straflosigkeit" in Russland. Die regimekritische Journalistin Natalja Estemirowa wurde am 15. Juli 2009 vor ihrem Wohnhaus entführt und am Nachmittag desselben Tages in einem Waldstreifen mit mehreren Kugeln im Körper tot aufgefunden. Auch in der Ukraine sind es auffällig viele Frauen, die den Mut haben, aufzubegehren gegen gesellschaftliche oder politische Schieflagen. Man muss gar nicht Julia Timoschenko bemühen; ich denke, auch die "Femen-Aktivistinnen", die regelmäßig völlig entblößt in der Öffentlichkeit auftreten, sind ein Zeichen dafür, dass sich gerade unter Frauen Frust über ein unfreies Leben angestaut hat.

Der Auftritt von "Pussy Riot" war auch eine Kritik an der Kirche Russlands. Die duckt sich feige weg, wenn es eigentlich Zeit wäre, gegen die zunehmenden Machtansprüche Putins die Stimme zu erheben. Dem Erzpriester der Russisch-Orthodoxen Kirche und Leiter der Abteilung für Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft, Wsewolod Tschaplin, ist es hauptsächlich wichtig, dass in seiner Kirche Ruhe herrscht. "Ein christliches Land sollte entschieden reagieren, wenn einer seiner heiligen Orte attackiert wird", fiel ihm lediglich zum Thema "Pussy Riot" ein. Die Evangelische Kirche in Deutschland zeigte sich am Donnerstag entsetzt über eine derartige Blauäugigkeit: "Die Haltung der Russisch-Orthodoxen Kirche zu diesem Prozess ist mir völlig unverständlich", sagte der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte. Die "Verletzung religiöser Gefühle" seien durchaus "ernsthafte Störungen des gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens", deshalb solle man das "Punkgebet" in Moskau doch bitteschön nicht einfach übergehen.

Zum Glück haben die "Pussy Riots" viele prominente Unterstützer in der ganzen Welt bekommen. Popstar Madonna solidarisiert sich auf ihren Konzerten mit den jungen Frauen, die Sängerin Peaches veröffentlichte ein Video für die Punkrockerinnen und initiierte eine Petition zu deren Freilassung, die bereits 95.000 Menschen unterzeichnet haben. Musiker wie Pete Townshend von "The Who" oder Neil Tennant von den "Pet Shop Boys" fordern in der "Times" die Freilassung der Russinnen. Auch deutsche Musiker wie Udo Jürgens, Peter Maffay, Udo Lindenberg oder Nina Hagen tun Ähnliches. In vielen europäischen Städten demonstrieren Menschen in bunten Masken für die Freilassung der Frauenband. Die deutsche Polizei machte da sogar eine Ausnahme in Sachen Vermummungsverbot. Dass die Medien ein Segen sein können, wird an dieser Geschichte deutlich. Die Frauenband reagierte auf die internationalen Reaktionen: "Wir müssen noch stärker werden, vielleicht auch noch dreister." (pro)

VON: js | 17.08.2012

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Kommentar
Kommentar
 

Kommentare [5] >>>

  • str | 23.08.2012 20:34:57

    "Ein absolut gewaltfreier ... Protest" soll wohl ein Witz sein. Wenn jemand in ihre Wohnung eindringt und dort sie, ihre Familie etc. beleidigt, würden Sie das dann auch gewaltfrei nennen? Das Strafmaß mag zu hoch sein, aber Strafe ist angebracht, wäre es auch nach deutschem Recht. Der Artikel hier dagegen klingt mehr nach Werbung denn nach Berichterstattung. Und nein, Pussy Riot rief nicht nur "verjage Putin" Warum verschweigt man den Rest?

  • Raddy | 20.08.2012 19:54:07

    1. Jesus hat Leute, die eine Kirche entweihten, aus der Kirche geprügelt, und zwar mit einer Peitsche. 2. Die "Pussys" haben schon vielen tolle Aktionen gemacht, zum Beispiel "Pussy in der Muschi" und "öffentlich ficken gegen die Kirche" : http://www.youtube.com/watch?v=eVWcoD0ljfY 3. So einen Artikel hätte ich in einer kommunistischen Zeitung erwartet, aber nicht auf einer christlichen Webseite. 4. Die Hure Madonna, die Millionen Jugendliche zu Unzucht und Drogen motiviert, wird von einer christlichen Seite wie idea geputscht? 5. In Deutschland wird man dafür mit 5 Jahren Haft bestraft. 6. Versucht es doch in einer Moschee!

  • Christ | 20.08.2012 00:15:36

    An den Autor: Ich kann diesen positiven Artkel nicht ganz nachvollziehen: Klar ist das Urteil sehr hart und wir als Christen müssen diese Aktivistinnen ztotz aller Aktionen verzeihen. Und das ist auch gut so. Aber: solche Ziate machen mich doch nachdenklich "Anführerin Inna posiert oben ohne vor einem Kreuz, das sie zusammengezimmert hatten" (ob sich das jetzt auf diese aktion betrifft weiß ich nicht; dennoch posieren die Frauen idR oft oben ohne) Ich würde die Redaktion bitten daher die gesamte Realität widerzugeben und solche Details nicht zu verschweigen. Bitte in Zukunft um bessere, vollkommenere Recherche. God bless u.

  • chrissi | 18.08.2012 20:11:12

    Ein absolut gewaltfreier (und m.E. auch kreativer) Protest in einer der Hauptkirchen Moskaus wird mit 2 Jahren Straflager für Pussy Riot beantwortet. Das zeigt: die Gerichte in Russland sind nicht unabhängig, das wiederum zeigt, es ist kein demokratisches Regime. Aber wartet's ab: Dieser Schuss geht nach hinten los...

  • Werner | 18.08.2012 10:36:55

    Dass die Medien eine Bürde sein kann, wird an dieser Geschichte deutlich. Scheuert zuerst den Dreck vor der eigenen Tür und lasst die Russen Russen sein. Hat die Hure Madonna auf ihre Gage verzichtet ? Alles nur Eigenreklame, dazu noch gratis. Uebrigens stösst diese Geschichte in Russland auf wesentlich weniger Interesse als im " Westen ".

Musik

"Songtalent"-Gewinner im Interview

Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...

Nachrichten

Kirchentag in 3 Minuten

Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...

Internet

Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower

Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...



PRO Medienmagazin PRO Kompakt PRO WerteBibliothek

© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de