Journalismus | 11.06.2014

Mathias Döpfner lobte Israel als einzige Demokratie im Nahen Osten

Mathias Döpfner lobte Israel als einzige Demokratie im Nahen Osten
Foto: Axel Springer SE

Springer-Chef: Antisemitismus verkleidet sich als Anti-Israelismus

Der Chef der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, ist am Dienstag mit dem jüdischen Award of Merit 2014 ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede warnte der Verlagsleiter vor antisemitischen Tendenzen in Deutschland.

„Der moderne Antisemitismus verkleidet sich immer häufiger als Anti-Israelismus“, sagte Döpfner am Dienstagabend bei der Preisverleihung in Frankfurt. „Daher gilt es heute für uns Deutsche mehr denn je, klarer, eindeutiger und vor allem unbedingter an der Seite Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, zu stehen“, so der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE. „Aus historischer Verantwortung und zugleich purem europäisch-westlichen Eigeninteresse.“ Zudem ging er auf Israel als Wirtschafts- und Forschungsstandort ein – der jüdische Staat könne in Zukunft ein noch wichtigerer Partner für Deutschland sein.

Selbst Bundespräsident Joachim Gauck distanziere sich offenbar von der Unterstützung Israels durch Deutschland, erklärte Döpfner laut einem Bericht der Springer-eigenen Tageszeitung Die Welt. Das sei falsch und beunruhigend. Wie eine Umfrage von 2013 zeigt, halten die Deutschen Israel für eine Gefahr für den Weltfrieden. Der jüdische Staat landete auf Rang sechs hinter Nordkorea und dem Irak, noch vor Russland und China.

Der 51-Jährige wurde mit dem Award of Merit 2014 des Jüdischen Ordens „B‘nai B‘rith“ (Söhne des Bundes) geehrt. Die Auszeichnung ist eine Goldmedaille und wird seit 1991 unregelmäßig Persönlichkeiten verliehen, die couragiert für Toleranz und Humanität eintreten. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Kanzlerin Angela Merkel.

„Mathias Döpfner spricht sich deutlich und in aller Form gegen antisemitische Vorurteile aus. Er unterstützt den Staat Israel und das jüdische Volk mit Wort und Tat“, erklärte der Präsident von B’nai B’rith Europe, Ralph Hofmann. Laut der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine sagte er weiter: „Mit seinem herausragenden Charakter ist er Vorbild und Stimme für alle Menschen in der Welt.“

Schäuble: Einsatz für Israel wegen Medien schwer

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte Döpfners Einsatz für Israel. Er habe „für Israel und für die besonderen Beziehungen Deutschlands zum jüdischen Volk immer wieder deutlich vernehmbar die Stimme erhoben“, sagte Schäuble in seiner Laudatio. „Er hat sich konsequent für Israel stark gemacht, auch in Zeiten, in denen das in der medialen Landschaft Deutschlands immer wieder einmal nicht leicht war.“

Der Orden B‘nai B‘rith wurde 1843 von jüdischen Einwanderern in den USA gegründet und ist inzwischen in mehr als 59 Ländern aktiv, darunter 29 in Europa. Ein berühmtes Mitglied war Sigmund Freud. Es ist der weltweit größte jüdische Orden.

Welt-Essay: „Bin ein nichtjüdischer Zionist“

In einem Essay in der Tageszeitung Die Welt erläutert Döpfner am Donnerstag seine Haltung gegenüber Israel. Er führt darin die Unterschiede an zwischen Israel und der islamischen Welt. Während in Israel sogar ein Staatsoberhaupt wegen Vergewaltigung ins Gefängnis ging, würden unter islamischen Regimen die Opfer als „Ehebrecherinnen“ hingerichtet. „Deshalb ist Äquidistanz zu Palästinensern und Israelis, wie sie ein früherer deutscher Außenminister propagierte, der falsche Weg“, erklärte Döpfner. „Äquidistanz kann es nicht geben zwischen einem Aggressor, der das Mittel der Selbstmordanschläge systematisch einsetzt, und einem demokratischen Verteidiger, der beim Kampf um sein Existenzrecht weltöffentlich militärische Pannen und ungeschickte Geheimdienstaktionen rechtfertigen muss.“

Sehr wohl könne man unter Freunden politische Entscheidungen kritisieren, so auch Entscheidungen Israels, sagte der Medienunternehmer. Aber: „Es wäre zynischer Relativismus, wenn wir sagten: Die Wahrheit liegt in der Mitte. Das tut sie eben nicht.“ (pro)

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