Journalismus | 16.01.2016

Christoph Irion, Jörg Bollmann und Ulrich Parzany diskutierten über die Frage der Wahrheit.

Christoph Irion, Jörg Bollmann und Ulrich Parzany diskutierten über die Frage der Wahrheit.
Foto: pro

„Informieren gehört zum Grundprogramm der Demokratie“

Die Sehnsucht nach Wahrheit ist groß – auch in den Medien. Das betonte der Evangelist Ulrich Parzany bei einer Podiumsdiskussion auf dem Christlichen Medienkongress. Der Journalist Jörg Bollmann warnte hingegen vor zu hohen Ansprüchen an Medien.

Ulrich Parazany hat sich in den vergangen Wochen oft und wortgewaltig zum Thema Wahrheit geäußert. Er betonte in seinem Impulsreferat, dass Pfarrern und Journalisten gemein sei, dass man sie der Lüge verdächtige. Viele Menschen liebten die Wahrheit, solange sie angenehm sei: „Ansonsten halten wir die Wahrheit gerne für entbehrlich.“ Maßstäbe zur Orientierung fänden sich in den Zehn Geboten und der Bergpredigt.

Hilfreiche Positionierung anbieten

„Treten wir Lawinen los oder helfen wir beim Aufbau? Muss jede Wahrheit in die Öffentlichkeit?“, fragte Parzany. Er habe mit seinen öffentlichen Äußerungen einige Fehlentwicklungen in der Evangelischen Kirche aufzeigen wollen. Hier werde die Bedeutung der Bibel und des gekreuzigten und auferstandenen Christus in Frage gestellt. Diese Meinung habe er bewusst den Medien mitgeteilt, um eine hilfreiche Positionierung anzubieten.

Parzany fragte auch, ob das Evangelium einen Nachrichtenwert habe. Die großen Taten Gottes seien nach modernen Maßstäben gar keine Fakten mehr. Berichtet werde häufig über Nebensätze oder nebensächliche kirchenpolitische Sachverhalte. Häufig sei man sich aber nicht einig über die zu verkündende Wahrheit: „Die Chance und Sehnsucht ist riesengroß: Wir brauchen Wahrheit und Klarheit auf allen Kanälen in den Medien“, wünschte sich Parzany.

Brauchen kompetente Mediennutzer

Jörg Bollmann vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) fragte, welche Mittel zur Verfügung stehen, um einen Wahrheitsanspruch zu erreichen. Nutzer sollten die Medien nicht mit dem absolutem Wahrheitsanspruch überziehen. „Wir brauchen kompetente Mediennutzer, die sich aktiv informieren.“ Den Medien schrieb er ins Stammbuch: „Es gibt Situationen, in denen sie schweigen dürfen und es gibt Situationen, in denen die Medien schweigen müssen.“

In der folgenden Diskussion verdeutlichte Parzany, dass er als Nutzer hoffe, dass die Medien helfen, die Wahrheit zu verstehen. Er habe auch erlebt, dass Medienschaffende nicht immer objektiv und neutral berichten. Bollmann betonte, dass er keine Redaktion kenne, die bestimmte Themen aus weltanschaulichen Gründen systematisch ausblende. Andere Länder beneideten Deutschland um ihre Medienpluralität. Die Redaktionen müssten entscheiden, ob es den Leser interessiere oder nicht. Eine sehr bewusste Entscheidung gegen „fromme Berichterstattung“ seien absolute Einzelfälle. Zudem habe Deutschland mündige Medienrezipienten. (pro)

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