"Kein Sex, keine Demokratie, keine Quote"
"Ich bin der Meinung, dass der
Glaube aus dem Alltag verschwunden ist", sagte Matussek am
Donnerstag. Im öffentlichen Raum spreche man kaum mehr darüber. Im
Umgang mit der katholischen Kirche gelte das journalistische Prinzip:
"Kein Sex, keine Demokratie, keine Quote". Die deutsche
Presse konzentriere sich demnach in ihrer Berichterstattung auf
Themen wie Missbrauch, Zölibat oder einem vermeintlichen
Papstfürstentum, erklärte er im Rahmen seines Vortrags "Der
Gott der Talkshows – Religion und öffentliches Gerede".
Katholiken müssten in der Gesellschaft geradezu "zickzack
laufen, wenn sie heil durch das öffentliche Sperrfeuer" kommen
wollten. Protestanten hingegen seien
akzeptierter.
"Spektakel-Christentum" und einseitige
Presse
Ein wahres "Spektakel-Christentum" habe
Matussek während des Papstbesuchs in Deutschland erlebt. Sogar ihn
selbst habe der Hype um den Pontifex überrascht. Die Zeiten der "Wir
sind Papst"-Rufe seien ja eigentlich vorbei. Wahrgenommen habe
er aber auch eine immense journalistische Kritik im Vorfeld und nach
dem Papstbesuch sowie einen "aggressiven Staatsliberalismus".
"Man zitierte unzufriedene Katholiken oder Gegenpäpste wie Hans
Küng", erklärte Matussek. Dennoch hätten sich während des
Papstbesuches Zehntausende andächtig im Gebet versammelt. Die
Journaille habe aber statt dies zu würdigen kritisiert, der Papst
sage nichts zum Thema Missbrauch. Als er sich dann mit Opfern
getroffen habe, seien die Medien sich einig gewesen, er tue dies nur
aus taktischen Gründen. Eine ungerechtfertigte Einseitigkeit, findet
Matussek. Für ihn ist klar: "Der Papst stellte Gott in den
öffentlichen Raum, er lud ein zur Anbetung." Das sei vielen bei
all der Kritik entgangen.
Viele hätten so getan, "als
sei die Kirche in einer Art permanenter Tarifverhandlung mit dem
lieben Gott" und vor allem die Rede des Papstes in Freiburg
deshalb kritisiert. Er hingegen habe die Aussagen des Pontifex als
geradezu "revolutionär" empfunden. Die Freiburger Rede sei
eine Absage an oberflächliche Wünsche gewesen. Benedikt XVI. habe
nicht weniger als die Nachfolge Christi von seinen Hörern verlangt.
Daher fühle Matussek sich vom Papst in seinem "katholischen
Abenteuer" bestätigt. Er werte die Papstreise entgegen dem Gros
der deutschen Presse als Erfolg, stelle aber fest, dass die "deutsche
katholische Kirche" sich "erheblich weit vom Strom der
Weltkirche entfernt" habe. Gerade aus Kirchenkreisen habe es
Kritik am Pontifex gegeben, und auch sein eigenes positives Feedback
dazu sei negativ bewertet worden.
"Religion nicht
verheimlichen"
Matussek wünsche sich mehr katholische
Bekenntnisse in der Öffentlichkeit, stattdessen erlebe er Kollegen,
die den Glauben als Privatsache behandelten. "Religion ist doch
nichts, was man verheimlichen sollte", sagte Matussek, und
weiter: "Das Beten haben wir verlernt, aber nicht das Streiten."
Dieser Tage gebe es zum Debattieren nichts Reizhafteres als die
Religion. So bedauerte Matussek, dass der Glaube nicht mehr wie in
seiner Kindheit das Leben regle. An diese Stelle seien knapp besuchte
Kirchen getreten. Lediglich an Weihnachten, bei Beerdigungen,
Hochzeiten, Taufen oder in den Kirchenprogrammen der
öffentlich-rechtlichen Sender sei Religion noch präsent. Vielfach
verkomme sie aber auch dort zu einem reinen "Society-Event".
(pro)
Kommentare [2] >>>
Warum eigentlich noch heiraten?
Liebe Evangelische Kirche in
Deutschland,
natürlich werden sich evangelikale
Christen über Deine neue Orientierungshilfe zum Thema Familie
aufregen, das ist so absehbar wie die Regenbogenfahne auf dem
Christopher Street Day. Als gläubige Frischverheiratete stört mich etwas ganz anderes an der Art, wie Du Familie "neu denkst".
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Profireader | 08.10.2011 12:16:23
Warum bekommt dieser Einfaltspinsel derart mediale Aufmerksamkeit?
Rita Ecker | 07.10.2011 17:20:40
Danke Herr Matussek, sie sprechen mir ganz aus der Seele! Danke für Ihr Buch" Das katholische Abenteuer"Ich lese es gerade mit grossem Genuss. Gott sei Dank, leider verstecken viele Katholiken ihren Glauben und schhämen sich sogar dafür. Dabei haben wir den schönsten Glauben den man sich überhaupt vorstellen kann; Danke!!!!!!!!!!!!!!!!