SZ kritisiert "westlichen Fundamentalismus"
"Je länger die
Debatte um den Islam und den Islamismus, um die Meinungsfreiheit und den
Respekt vor einer Religion währt, desto mehr gleichen sich die Gegner",
meint die "Süddeutsche Zeitung" und nennt gleich zwei Vertreter eines
"westlichen Fundamentalismus": den Journalisten Henryk M. Broder und
die Soziologin Necla Kelek. Broder etwa fordere in seinem Buch "Hurra, wir
kapitulieren", es müsse Schluss sein mit dem Gerede, nun müsse gekämpft
werden. Ähnlich sehe es Kelek, wenn sie jüngst in einem Interview gefordert
habe: "Die Muslime müssen sich von der Scharia lösen, sie müssen den
politischen Islam ächten und sich vorbehaltlos zur Bürgergesellschaft und (zu)
deren Rechten und Pflichten bekennen." Dies alles weise darauf hin, dass
der Westen einen Fundamentalismus entwickelt habe, der dem islamistischen
ähnele.
Westen bringt Hassprediger
hervor
Die SZ schreibt weiter:
"Zu den fatalen Folgen der nun schon mindestens ein Jahrzehnt währenden
Auseinandersetzung um den wahren Charakter des Islams gehört, dass die
Beschwörung der 'westlichen Werte' ihre eigenen Hassprediger hervorbringt."
Zu Kelek
heißt es: "Sie bemerkt offenbar nicht, dass die Forderung, die Muslime
hätten dem Vertrauen in ihre religiösen Autoritäten und Führer abzuschwören,
schon die Konfrontation ist, mit der sie erst droht. Es herrscht Kulturkampf,
und wie immer, wenn gekämpft wird, erscheint, wer nachdenken will, als
'Duckmäuser' (Necla Kelek), und bereits der Versuch eines Abwägens und
Begründens gilt als Schwäche."
Selbstgerecht seien
diese "Kulturkämpfe". Wenn man aber mit den "westlichen Werten"
ebenso kämpferisch umgehe, wie es der radikale Islam mit seinen Schriften tue,
dann verhalte man sich wie derjenige, den man sich zum Feind erkoren habe. Man
zerstöre sogar die sozialen und moralischen Einrichtungen des Westens: "Wer
auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein
anderer nicht tolerant sein will."
"Westliche Siegerreligion"
Wenn jemand, in
diesem Falle spricht die SZ von Broder, den westlichen Lebensstil als
überlegenes "Fundament" behandle, sei er selbst ein Fundamentalist. So jemand suche den Krieg, "und zwar nicht, weil er etwas Wertvolles - die
Freiheit, den Propheten Mohammed zu karikieren, zum Beispiel - erhalten möchte.
Nein, all diese Werte hat er ja selbst zerstört. Wo sie waren, ist nichts mehr.
Sondern es geht ihm darum, alle Debatten, alle Argumente, alle Zweifel,
womöglich auch die an sich selbst, zu ersticken. Und zwar durch die Tat."
Dem Islam drohe nun
die Zwangsmodernisierung, wie einst der Türkei durch Kemal Atatürk. "Westliche Fundamentalisten" wollten
gewaltsam modernistische Regimes errichten. So aber entstehe erst Islamismus – "als
Versuch, sich mit allen Mitteln dieser Modernisierung zu entledigen". Die SZ schließt
ihren Kommentar mit der Feststellung: "Gewiss, der Islam ist, anders als
das Christentum, entstanden als eine Religion von Siegern, in einer Parallele
von religiöser und politischer Macht. Aber auch das ist kein Grund, eine
Siegerreligion der westlichen Werte zu gründen." (pro)
Kommentare [1] >>>
Weiterführende Links zu dem Thema
- Zum Kommentar der [Süddeutschen Zeitung]
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Jochen Weiland | 21.01.2010 12:42:00
Es ist unglaublich, mit welchen intellektuellen Bocksprüngen sich Medien wie die "Süddeutsche" die Islamkritiker vom Halse schaffen wollen. Ein differenziertes Gespräch über den Umgang mit Muslimen (und dieses Gespräch ist überfällig) ist unter der Fuchtel der meisten Mainstreammedien ja überhaupt nicht möglich. Fast schon reflexhaft links - so möchte ich die Haltung der "Süddeutschen" beschreiben. Nicht "fast schon reflexhaft islamophob" oder "fast schon reflexhaft imperialistisch" dagegen die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam, wie sie endlich vereinzelt geführt wird.