Konsum-Kalender im Advent
Das Versandhaus "Amazon" hat einen, genauso wie
der Kosmetik-Anbieter "Yves Rocher" oder das Online-Computermagazin
"Chip". Die Rede ist von Adventskalendern. In der eigentlich
besinnlichen Jahreszeit kommen die täglichen Überraschungen oft so gar nicht
christlich daher: Sie dienen vielmehr der Kundenbindung, wie die
"Tageszeitung" (taz) in einem Artikel anmahnt. Potenzielle Käufer
werden durch den Anreiz täglicher Gewinnchancen auf die Internetseiten der
Anbieter gelockt, die Daten der Zocker oft gespeichert und nicht selten zu
Werbezwecken weiterverwendet.
Ein vermarkteter Advent
Mittlerweile gibt es sogar Anbieter, die sich auf die
Vermarktung von Online-Adventskalendern spezialisiert haben: "Steigern Sie
die Kundenbindung oder generieren Sie neue Kunden mit unseren animierten
Online-Adventskalendern", zitiert die "taz" etwa von der Internetseite
"Online Adventskalender". 350 Euro koste es Firmen, wenn sie diesen
Anbieter damit beauftragen, auch ihre Homepage mit dem weihnachtlichen Werbegag
auszustatten - Weihnachtsmusik, Weihnachtsrätsel und Weihnachtsanimationen
inklusive.
"Nutzen Sie einen interaktiven Adventskalender
Online, um Ihre Besucher in der Vorweihnachtszeit täglich auf Ihre Seite zu
locken!", fordern die Anbieter. Die "taz" kommentiert: "Gelockt werden,
das gehört zur Advents- und Weihnachtszeit. Doch die Verführung entpuppt sich
als eine, die nicht der Besinnung dienlich ist, sondern besinnungslosem Konsum."
Auch das Unternehmen "Pluspol Interactive" bietet seinen Kunden
Online-Adventskalender an und wirbt: "Die Besucher verbinden durch den
Adventskalender weihnachtliche Vorfreude, Spaß und Unterhaltung mit Ihrem
Internetangebot. Machen Sie die Vorweihnachtszeit zu einem Erfolgserlebnis –
für sich und Ihre Kunden."
Digitale Grüße von der EKD
Doch es gibt auch Adventskalender, die nicht auf Konsum
ausgerichtet sind und die Vorweihnachtszeit tatsächlich besinnlicher machen sollen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verschickt im Advent
täglich digitale Grüße. Dazu müssen Interessierte nur ihre E-Mail-Adresse
hinterlassen. Die Aktion "Alles hat seine Zeit - Advent ist im
Dezember" bietet einen elektronischen Adventskalender, der mit eigenen
Bildern und Texten gestaltet und dann per E-Mail verschickt werden kann. Wer
andere also überraschen möchte, braucht dazu nur ein paar Bilddateien und Ideen
für kurze Texte, die per Mausklick in den Kalender eingefügt werden. Wer keine
Zeit oder keine Lust zum digitalen Basteln hat, kann die Version des
Adventskalenders verschicken, die die EKD-Internetarbeit vorbereitet hat. (pro)
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