Pädagogik | 17.12.2010

Jürgen Werth: "Ich kenne keine Gemeindegruppierung, die das körperliche Züchtigen von Kindern lehrt."
Foto: Rühl/ERF |

Werth in der "Süddeutschen": "Gott ist ein liebender Vater"

"Ich glaube, dass es kaum eine andere Bevölkerungsgruppe gibt, in der Kinder so wertgeschätzt werden und wo so viel für sie getan wird wie bei den Evangelikalen."  In einem ausführlichen Interview mit dem Wissenschaftsjournalisten Markus Schulte von Drach in der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" hat sich der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Jürgen Werth, am Freitag zu Erziehungsmethoden evangelikaler Eltern geäußert.

Ein Anlass für das Interview war eine Studie des Kriminologischen Instituts in Hannover unter der Leitung von Christian Pfeiffer. Deren Ergebnisse besagten, dass Jugendliche aus Familien evangelikaler Gemeinden in Deutschland häufiger von ihren Eltern "gezüchtigt", also geschlagen werden, als der Nachwuchs von Katholiken, Protestanten oder Muslimen. Auslöser für die Studie war laut Pfeiffer ein Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" über die beiden christlichen Bücher "Wie man einen Knaben gewöhnt" und "Eltern – Hirten der Herzen", die sich für die körperliche Züchtigung von Kindern aussprechen.

Werth machte in dem Interview darauf aufmerksam, dass Pfeiffer selbst gesagt habe, dass die Befragung an dieser Stelle zu undifferenziert gewesen sei und er in einer neuen Studie präziser vorgehen wolle.  Die beiden zitierten Bücher stammten aus einem Verlag, der nicht mit der Evangelischen Allianz zusammenarbeitet. "Ich persönlich kenne keine Gemeindegruppierung, die das körperliche Züchtigen von Kindern lehrt", fügte Werth hinzu. "Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung. Vor allem nicht zwischen Eltern und Kindern." Und weiter: "Ich kann Kindern den Glauben nicht per Prügelstrafe einbläuen. Was ziehe ich denn dadurch für unselbständige Individuen heran?" Die Botschaft der Bibel sei zusammengefasst doch eindeutig: Liebe Gott und liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Schulte von Drach wies darauf hin, dass man Kinder auch anders unter Druck setzen könne. So zum Beispiel mit Drohungen, sie kämen in die Hölle. Werth entgegnete: "Wenn so etwas vorkommt, dann distanziere ich mich davon genauso deutlich wie von der körperlichen Züchtigung. Da wird Kindern ja das Bild vermittelt, Gott sei der große Oberpolizist. Aber Gott ist unser liebender Vater im Himmel." Der warte nicht darauf, uns einen Strafzettel zu verpassen oder noch schlimmere Strafen zu verhängen.  "Glauben heißt doch: Ich weiß, ich bin geliebt und gehalten. Wir als Evangelikale predigen, dass Christus für unsere Schuld gestorben ist. 'Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten!' heißt es schon im Alten Testament. Man kommt in den Himmel, wenn man sich das gefallen lässt."

"Es geht um die Beziehung zum dreieinigen Gott."

Wie bibeltreu Werth eigentlich sei, wollte Schulte von Drach schließlich wissen. "Für mich ist das Christentum keine Buchreligion", antwortete Werth. "Es ist eine Beziehungsreligion. Es geht um die Beziehung zum dreieinigen Gott. Die Bibel ist das Buch, in dem sich dieser Gott vorstellt. Sie ist kein Bürgerliches Gesetzbuch oder so etwas. Aber sie hilft uns, zu hinterfragen, was man tut, denkt und glaubt." Auf die Frage, ob er mit seiner Überzeugung für die Mehrheit der Evangelikalen in Deutschland stehe, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Allianz: "Davon gehe ich aus." Aber das sei in einer Bewegung schwer zu belegen. Es sei immer wieder neu nötig, Christen miteinander ins Gespräch zu bringen. "Paulus sagt: Unser Erkennen ist Stückwerk. Jeder erkennt ein Stückchen. Zu behaupten, jenes Stück, das ich erkannt habe, sei das Ganze, ist anmaßend." (pro)

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