Pädagogik | 15.02.2011

Bundesfamilienministerin Schröder will Jugendlichen Hilfe zur Selbsthilfe geben.
Foto: pro |

Schröder: "Internet nicht einseitig als Gefahrenzone sehen"

"Jugendliche sind am besten geschützt, wenn sie sich selbst schützen", erklärte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Thema Jugendschutz im Internet. Deshalb wolle sie künftig verstärkt auf die Förderung von Medienkompetenz statt auf Kontrolle setzen.

Das Internet lehrt Jugendliche Demokratie. Diese These vertrat Schröder am Dienstag in Berlin beim "Medienimpuls" der Vereine "Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen" (FSF) und "Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter" (FSM). Bei der Veranstaltung in der Bertelsmann Repräsentanz diskutierten Fachleute gemeinsam mit der Ministerin über adäquate Wege zum Jugendschutz in der modernen Mediengesellschaft. Sie wolle lieber auf mündige Nutzer setzen, als sie zu bevormunden, sagte Schröder. Das Internet sei ein Ort der Bildung, in dem weitgehend demokratische Prinzipien herrschten. Deshalb seien die sogenannten "Netzgeborenen", also jene Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, möglicherweise mündigere Bürger als ihre Eltern. Wenn Jüngere sich engagieren wollten, träten sie heutzutage keiner Partei mehr bei, sondern sie nutzten das Netz, um mitzugestalten. Schröder plädierte deshalb dafür, das Internet nicht einseitig als Gefahrenzone zu betrachten. "Das wird dem neuen Leitmedium nicht gerecht", sagte sie weiter.

Das Netz: Ort der Bildung und der Intoleranz


Weil das Netz aber sowohl ein Ort der Bildung, als auch ein Ort der Intoleranz sein könne, betonte sie dennoch die Wichtigkeit von Jugendschutzprogrammen. Diese hätten aber häufig noch zu große Schwachstellen. Sie hätte sich auch über ein Zustandekommen des Jugendschutzstaatsvertrages gefreut, er sei aber zum einen an der Darstellung in der Öffentlichkeit, zum anderen an seinen eigenen Schwächen gescheitert. Der Staatsvertrag zum Jugendschutz im Internet war im Dezember vom nordrhein-westfälischen Landtag gekippt worden. Wäre der Staatsvertrag beschlossen worden, hätten Betreiber ihre Internetseiten ab Januar 2011 auf Altersfreigaben hin überprüfen und kennzeichnen müssen. Technische Schutzlösungen müssten in jedem Fall durch rechtliche Regelungen für das Internet ergänzt werden, sagte Schröder. Am wichtigsten sei es jedoch, die Medienkompetenz der Jugendlichen und Kinder zu fördern, und zwar "im Vertrauen darauf, dass Jugendliche dann am besten geschützt sind, wenn sie sich selbst schützen".

Zuvor hatte der Geschäftsführer der FSF, Joachim von Gottberg, erklärt: "Im Internet ist Kontrolle faktisch nicht möglich." Im Gegensatz zum Kino oder der Videothek, wo das Alter der Kunden überprüft werden könne, biete das Internet unbegrenzten Zugang zu Filmen aller Art. "Die Realität im Internet geht ziemlich an dem vorbei, was wir Jugendschützer versuchen", sagte er und erklärte, es sei "relativ unlogisch", dass Jugendschutz im Internet auf Ablehnung stoße, er im Kino oder Fernsehen jedoch erwartet werde. Der Rechtsanwalt Marc Liesching sagte: "Wir müssen hinnehmen, dass Medien online allgegenwärtig und allzeit verfügbar sind", auch jenseits der elterlichen Kontrolle. So sei es für Jugendliche etwa möglich, "pornografische Inhalt jeder Couleur zu bekommen". Es gelte: "Alles was irgendwo offline verfügbar ist, ist in der Regel auch online verfügbar." (pro)

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