Pädagogik | 03.05.2012

Wie könnte es anders sein: Auch bei "DSDS Kids" sitzt Dieter Bohlen in der Jury. Der 58-Jährige hat fünf eigene Kinder.
Foto: RTL / Stefan Gregorowius |

"Das Problematische an Castingshows ist, dass mit Träumen und Emotionen gespielt wird", sagen Medienexperten.
Foto: RTL / Stephan Pick |

Kinder-Castingshow – nichts für Kinder!

Am kommenden Samstag startet RTL mit einer neuen Castingshow für Kinder. Bei "Deutschland sucht den Superstar Kids", kurz "DSDS Kids", präsentieren sich Kinder zwischen 4 und 14 Jahren vor einem Millionenpublikum. Viele Eltern und Experten sehen die Vermarktung der Jüngsten mit Skepsis.

"DSDS Kids" ist eine Kinder-Version der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Nach Auskunft des Senders gab es für das Format mehr Bewerbungen als für das Original. Aus über 38.000 Bewerbern wurden 30 Kinder ausgewählt. Sie treten verteilt auf drei Shows auf – zur Primetime am Samstagabend.

"Das Betrachten der eigenen Generation verspricht Anregung, Schadenfreude, vielleicht auch Sensation und wahrscheinlich auch Gesprächsstoff im Freundeskreis“, erklärt Bernd Schorb, Professor für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig, gegenüber dem Internetportal für Medienerziehung "Schau-Hin". Für Schorb ist "DSDS" kein kindgerechtes Format. Erlebensräume von Kindern, in denen sie ihre Erfahrungen machen und verarbeiten könnten, seien Familie, Kindergarten, Schule und ihre Nachbarschaft, nicht die komplexe und komplizierte Welt der Medien und des Medienkommerzes.

Kinder durchschauen Inszenierung nicht


Castingsendungen seien auch deshalb nicht für Kinder geeignet, weil diese glauben, dass hier echte Geschehnisse dokumentarisch gezeigt werden: "Jüngeren Kindern fällt es schwer zu erkennen, dass es sich bei Castingshows um inszenierte Sendungen handelt", heißt es auf der Internetseite von "Schau-Hin". Ältere Kinder nähmen Castingshows zwar reflektierter wahr, jedoch seien auch bei ihnen die Wertevorstellungen noch nicht gefestigt.

Castingshows wie "DSDS Kids" könnten den Wunsch bei Kindern verstärken, sich zur Geltung zu bringen und auch öffentlich zu präsentieren, erklärt Schorb. "Kinder wollen insgesamt gerne wahrgenommen werden und Anerkennung für ihre Talente und ihr Können erfahren. Aber bei Formaten wie 'DSDS Kids' werden sie als mediale Objekte vermarktet. Das ist bedenklich und höchst problematisch, wenn der Wunsch der Kinder hier in die falsche Richtung gelenkt wird."

Dennoch plädiert Medienwissenschaftler Schorb nicht dafür, Kindern das Ansehen der Sendung zu verbieten. Er rät Eltern, deren Kinder sich für die Sendung interessieren, sich zusammen vor "DSDS Kids" zu setzen. "Denn mit Verboten werden sie nicht viel erreichen. Das gemeinsame Anschauen bietet die Chance zur Auseinandersetzung mit dem Sendungskonzept und seiner Problematik."

Ähnlich sehen das auch die Fachleute des Programmratgebers "Flimmo":  "Wenn Gleichaltrige auf der Bühne stehen, fiebern Kinder noch mehr mit und es fällt ihnen schwer, sich zu distanzieren. Das Problematische an Castingshows ist, dass mit Träumen und Emotionen gespielt wird." Eltern sollten darauf achten, dass die Kinder "keine falschen Vorstellungen von Ruhm, einer Sängerkarriere oder einem Fernsehauftritt bekommen", so die Flimmo-Experten.

"Kinder werden als mediale Objekte vermarktet"


Für die teilnehmenden Kinder sei es nicht leicht zu verkraften, öffentlich als Verlierer dargestellt zu werden. Wenn die Jury Kinder in einer zynischen Art eines Dieter Bohlen vor einem Millionenpublikum bloßstelle, könne dies bei den Kindern "bleibende psychische Schäden" nach sich ziehen. Dieter Bohlen konnte sich bereits die aufgezeichneten Auftritte der Mini-Stars ansehen und zeigte sich auf der Internetseite berührt: "Kinder sind einfach toll, Kinder sind ehrlich, Kinder sind für die ganz großen Emotionen und das hat Papa Dieter oft sehr stark berührt." Ihm sei wichtig, dass Kinder aus eigenem Antrieb auf der Bühne stehen, nicht von den Eltern dazu gedrängt werden.

In der Jury von "DSDS Kids" sitzen Michelle Hunziker, Dana Schweiger und Dieter Bohlen. Sie alle sind Eltern und haben zusammengerechnet zehn eigene Kinder.  Laut Ankündigung von RTL werden sie den Kleinen ein "kindgerechtes und empathisches Feedback" geben. Wie das konkret aussehen wird, werden nicht nur Medienwissenschaftler kritisch beobachten. Auch die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die geplante "DSDS Kids"-Staffel im Visier: "Wir werden die Sendung, wenn sie an den Start geht, nach den Jugendschutzkriterien überprüfen und uns zu Wort melden, falls es Verstöße geben sollte", erklärt eine Sprecherin der KJM auf Anfrage von pro. (pro)

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