Gesellschaft | 11.08.2011

Ulrich Parzany ist der prominenteste Unterzeichner eines Aufrufs an die Kirchenleitung, theologisch klare und biblische Positionen zu beziehen.
Foto: privat |

Positionspapier gegen die tiefe Bekenntnisnot

Eine Reihe prominenter Theologen hat sich in einem Positionspapier gegen die aktuellen Entwicklungen in der evangelischen Kirche ausgesprochen. Zu ihnen gehört auch der ProChrist-Redner Ulrich Parzany, der selbst ordinierter Pfarrer der Rheinischen Kirche ist. Parzany begründet die Initiative in einem Brief an den Präses der Rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider.

Aus Sorge um die Entwicklung der evangelischen

Kirche habe er sich entschlossen, den Aufruf zu unterstützen: "Es mangelt

den evangelischen Kirchen gegenwärtig an Eindeutigkeit und Klarheit im

Bekenntnis zu Person und Werk unseres Herrn Jesus Christus und in der

Anerkennung der Autorität der Heiligen Schrift." Die Unterzeichner kritisieren, dass die Bekenntnisse des christlichen

Glaubens nicht ernsthaft umgesetzt werden und dadurch die Einheit der

Kirche auf dem Spiel stehe.

In seinem Verkündigungsdienst und der damit verbundenen Seelsorge werde er immer wieder mit den verheerenden Folgen dieses Mangels konfrontiert. "Nicht um theologischer Rechthaberei, sondern um des ewigen Heils der Menschen willen, brauchen wir in den evangelischen Kirchen Umkehr zur Wahrheit der Heiligen Schrift. Ich bitte Sie flehentlich, in Ihrem geistlichen Leitungsdienst darauf hinzuwirken und dem gemeinsamen Zeugnis Unterstützung zu geben."

Wahrnehmung des kirchlichen Auftrags ist gestört


Thematisch beschäftigt sich das Papier mit sieben aktuellen Grundaussagen des christlichen Glaubens. "Die neueren Diskussionen und Beschlüsse zum landeskirchlichen Pfarrdienstrecht haben nämlich offenkundig gemacht, wie tief die Bekenntnisnot in unseren Kirchen und Gemeinden geworden ist", heißt es in dem Papier. Der entstandene Zwiespalt lähme das kirchliche Leben, fördere Misstrauen unter den Gläubigen und bewirke schlimme Resignation.

Es gehe keineswegs nur um theologische Richtungen und kirchenpolitische Entscheidungen, sondern um die Wahrheit der Heiligen Schrift und um ihre Autorität für Glauben und Leben aller Christen. "Die Wahrnehmung des kirchlichen Auftrags ist gestört, auf Dauer sogar bedroht. Im Auftrag der Kirche gründet aber ihre Freiheit", so die Unterzeichner.

Kaum ein Bischof hat sich zur Wehr gesetzt


Seit langem werde in den Kirchen und Gemeinden die zentrale Heilsbedeutung des Todes Christi und seiner Auferstehung bestritten und behauptet, sie seien für heutige Christen unannehmbar. Die unterzeichnenden Theologen vermissen, dass sich dagegen bisher kaum ein Bischof oder eine Synode zur Wehr gesetzt hat: "Aber diese Grundaussagen der Heiligen Schrift sind auch heute die entscheidende Mitte des christlichen Glaubens und der tragende Grund der Bekenntnisse der Kirche". In der Diskussion seien nicht synodale Mehrheits- oder Verwaltungsentscheidungen wichtig: "Vielmehr müssen die geltenden Bekenntnisse neu ernst genommen werden."

Die Theologen greifen weitere aktuelle Streitfragen auf und beziehen dabei klar Stellung. "Wenn die Ehe nur als eine 'Lebensform' neben anderen zu beliebiger Wahl behauptet wird, dann ist das falsche Lehre." Auch beim Thema  Homosexualität gehe es für Christen nicht einfach nur um Sexualprobleme, sondern vielmehr um die Struktur der Gottesbeziehung, also um das Verhältnis zu Gott schlechthin: "Die Behauptung, eine eingetragene Lebenspartnerschaft sei gleichwertig mit der Ehe, ist Irrlehre. Für viele Menschen in- und außerhalb der Kirche ist es unbegreiflich, dass die EKD-Synode diese Dimension nicht wahrgenommen hat."

Provokant sei, dass etwa beim Christopher-Street-Day 2011 höherrangige Amtsträger der Landeskirche gepredigt hätten, während die Kirchenleitung selbst jedes kritische Wort schuldig geblieben sei. Die Theologen befürchten: "Religion wandert aus den Kirchen aus und sucht sich neue Freiräume, wenn die Bekenntnisse in der theologischen Arbeit vernachlässigt werden."

Nie an gesellschaftlichen Tendenzen ausrichten

Darüber hinaus äußern sich die Unterzeichner noch zu ihrem Verständnis der Bibelauslegung: "Selbst ungläubige Menschen erwarten, dass die Kirche die Dokumente ernst nimmt, die ihre Existenz begründen und ihre Arbeit verlässlich sichern sollen." Kritik üben sie auch am "Aussortieren" unbequemer Bibeltexte. Die Kirche Jesu Christi dürfe ihre Lehre zudem nie nach den Vorstellungen und Gewohnheiten einzelner Kirchenmitglieder oder von gesellschaftlichen Tendenzen ausrichten.

Die Theologen bemängeln in den Schlussbemerkungen, dass viele Gemeindeglieder von ihren Kirchenleitungen nicht zureichend informiert wurden. "Kirchlich Engagierte sehen sich ihrer geistlichen Heimat in den Landeskirchen beraubt, viele kirchlich Distanzierte verstehen unsere Kirche jetzt noch weniger als bisher. Der Abstand zwischen Kirchenleitungen und Basis hat weiter zugenommen", weisen sie auf ein Manko hin.

Gemeinsames Bekennen als Plattform für gemeinsames Handeln

Der Aufruf endet mit den Worten: "Im gemeinsamen aktuellen Bekennen haben die verschiedenen Strömungen der Kirche immer wieder zusammengefunden. Das kann auch jetzt so sein. Das gemeinsame Bekennen wäre dann eine Plattform für gemeinsames Handeln in der gegenwärtigen Not und darüber hinaus in der Zukunft" - und mit einem Verweis auf die Theologische Erklärung von Barmen. Zu den Unterzeichnern gehören neben Parzany unter anderem auch der Theologieprofessor Rainer Mayer (Stuttgart) sowie der Lübecker Bischof i.R. und Professor Ulrich Wilckens und Oberkirchenrat Klaus Baschang (Karlsruhe). (pro)

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