Gesellschaft | 27.01.2012

Ob Werbung für Abtreibungskliniken in Großbritanninen gezeigt werden darf, ist eine öffentliche Debatte entfacht.
Foto: Trevor Bair (CC-BY-NC-SA) |

Abtreibungswerbung bald im britischen Fernsehen



Ein neues Gesetz in Großbritannien erlaubt es Abtreibungskliniken bald, Werbespots im Fernsehen und im Radio zu senden. Dies ruft die Lebensrechtler auf den Plan – und führt zu heftigen öffentlichen Kontroversen.



Bisher war es den Abtreibungskliniken lediglich erlaubt, in Zeitschriften oder auf Plakatwänden für ihre Praktiken zu werben. Mit der Entscheidung des britischen Werberates (BCAP) ist ihnen dies ab dem 30. April auch in Radio und Fernsehen erlaubt. Aus BCAP-Sicht gebe es keinen Grund die Werbung zu verhindern, "so lange die Spots nicht anstößig, gesundheitsschädigend oder missverständlich seien", meldet das amerikanische Magazin "Christian Post".



In der Online-Ausgabe der "Christian Post" kommen zahlreiche Lebensrechtler zu Wort. Sie kritisieren vor allem, dass es den Kliniken mit den Spots möglich sei, aus dem Töten von Menschen Kapital zu schlagen: "Im Gegensatz dazu, was die meisten Menschen glauben, wurde die Abtreibung nie durch britische Gesetze legalisiert und ist immer noch ein krimineller Akt", schreibt Olivia Darby, Projektleiterin der "ProLife Alliance" Großbritanniens in einer Mail an die "Christian Post". Genau wie in Deutschland ist Abtreibung offiziell unter Strafe gestellt, es gibt aber zahlreiche Ausnahmeregelungen.



"Heuchlerische Entscheidung"



Anthony Ozimic, Pressesprecher der britischen "Gesellschaft zum Schutz des ungeborenen Lebens", bemängelt die einseitige Positionierung des BCAP in der Abtreibungsfrage. Ihm zufolge habe der Werberat selbst anerkannt, dass die Anordnung mit der Unterstützung des britischen Gesundheitsministeriums und der Gesellschaft der britischen Geburtshelfer und Gynäkologen erfolgt sei, die er als Abtreibungsbefürworter einstuft. "Diese heuchlerische Entscheidung ist eine offensichtliche Diskriminierung aller Einrichtungen, die sich für das Lebensrecht der Menschen einsetzen und ist auf Geheiß der Lobbyisten, die für die Abtreibung sind, entstanden", wird Ozimic zitiert.



Etwas anders sieht dies Naomi Phillips, Öffentlichkeitsreferentin der Britischen Humanistischen Union, die in dem Artikel ebenso zu Wort kommt: "Viele Menschen werden überrascht sein, dass private Abtreibungskliniken bis jetzt noch nicht in der Lage waren, Frauen Informationen über ihre Optionen bei einer ungewollten Schwangerschaft zu geben. Es ist unerlässlich, dass die Frauen in diesem Fall fehlerfreie und objektive Information über die Optionen erhalten, die ihnen zur Verfügung stehen. Das Fernsehen könnte ein effektiver Weg sein, Tausende dieser Frauen zu erreichen", erklärt sie.



Legitimes Mittel



"Jede dritte Frau in Großbritannien lässt in ihrem Leben eine Abtreibung vornehmen. Genau wie Einrichtungen zur Familienplanung unterstützen auch die Abtreibungskliniken das Recht der Frauen zu entscheiden, wie viele Kinder sie bekommen möchten. Dies ist ein legitimes Mittel des Gesundheitssystems", sagte die Redakteurin des "Reproductive Health Matters", Marge Berer. "Aus unserer Sicht haben die Frauen einen klaren Anspruch auf die Informationen darüber, was die Abtreibungskliniken anbieten. Wir sehen die möglichen Werbespots nicht als ein zu vermarktendes oder zu verkaufenden Produkt."



Das Magazin verweist zudem auf eine Studie des Gesundheitsministeriums. Danach ist die Zahl der Abtreibungen in Großbritannien seit zehn Jahren um acht Prozent gestiegen. Waren es im Jahr 2000 circa 176.000 Abtreibungen, liegt die offizielle Zahl 2010 bei 189.574 Abtreibungen. Eine weitere Studie legt dar, dass Großbritannien verglichen mit 25 anderen europäischen Ländern bei den 13- bis 19-jährigen Mädchen die zweithöchste Abtreibungsrate hat. Ein Viertel aller Abtreibungen wird von Teenagern durchgeführt. (pro)

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