Gesellschaft | 20.04.2012

Die Idee der Kulturolympiade ist es den Austausch der deutschen und türkischen Kultur zu fördern. Diskrepanzen gibt es über die Herkunft und den Hintergrund des Veranstalters.
Foto: Kulturolympiade.de / por |

Kulturolympiade entfacht Debatte über den Veranstalter

In Hessen ist eine Kontroverse um die deutsch-türkische "Kulturolympiade" entstanden. Die interkulturelle Veranstaltung soll Ende April fast 8.000 Menschen nach Frankfurt locken. Wie der "Hessische Rundfunk" (HR) recherchiert hat, gehört das islamische "Gülen-Netzwerk" zu den Veranstaltern. Damit gerät auch Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) in die Kritik, der die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Bei der Veranstaltung treten deutsche Jugendliche in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. In den Wettbewerben sollen Jugendliche türkische Gedichte oder Lieder vortragen und auf diese Weise Gemeinsamkeiten der Kulturen entdecken und ihren Blickwinkel erweitern, so die Zielrichtung der Veranstalter. Die Gewinner des Wettbewerbs in Frankfurt qualifizieren sich anschließend für die Kulturolympiade in der Türkei.



Soweit so gut. Ärger gibt es allerdings um den Veranstalter, den Bildungsverein "Academy". Dieser soll Bestandteil des islamisch-konservativen Netzwerks um den türkischen Prediger Fethullah Gülen sein. Das Netzwerk, zu dem Schulen, Unternehmen und ein türkisches Medienimperium gehören, gilt als eine der einflussreichsten Organisationen in der Türkei. Auch Nachhilfevereine in vielen größeren deutschen Städten gehören zu dem Netzwerk.



Dialogabsichten oder islamischer Staat?



Teile der Islamwissenschaft sehen in Gülen einen wichtigen islamischen Gelehrten mit interreligiösen Dialogabsichten. Kritiker werfen ihm vor, die laizistische türkische Republik zu unterminieren und durch einen islamischen Staat ersetzen zu wollen. Seine Gegner sehen in dem vermögenden Geschäftsmann einen Verfechter des Islamismus und Neofundamentalismus, der sein Vermögen vor allem in den vielen Organisationen seiner Bewegung angelegt hat.

Die amerikanische Soziologin Helen Rose Ebaugh beziffert, dass bis zu 15 Prozent der türkischen Bevölkerung der Organisation nahestehen oder ihr angehören. Weltweit schätzt sie die Zahl auf über 1.000 Schulen, hunderte von Wohnheimen für Schüler und Studenten und zahlreiche Nachhilfeinstitute in über 100 Ländern. Kritiker der Bewegung sehen eine eindeutige Strategie, dass sich das Netzwerk "weltoffen und ohne jeden Religionsbezug" gibt. Trotzdem sollen sich Studenten in den Wohnheimen immer wieder intensiv mit der Auslegung des Korans beschäftigen.



"Eine sehr konservative Koran-Auslegung"



Gülen und seinen Anhängern gehe es um eine sehr konservative Koran-Auslegung sagen Kritiker. In einem "HR Info"-Beitrag betont Friedemann Eißler von der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), dass die Gülen-Bewegung islamisches Recht in letzter Instanz über Staat und Gesellschaft stelle. Es gehe darum, junge und fitte Menschen für das "Anliegen der Gülen-Bewegung ansprechbar" zu machen. Um die Bewegung im Auge zu behalten, werde der Dialog mit ihren Akteuren "auch auf hoher politischer Ebene" gebraucht.

Dass hinter dem Bildungsverein "Academy" ein mögliches Engagement der Gülen-Bewegung für die Kulturolympiade verschleiert wird, ruft die hessische Landespolitik auf den Plan. Mürvet Öztürk, integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, plädiert im Gespräch mit "HR Info" für Offenheit. Die jungen Menschen müssten klar nachvollziehen können, wer sich hinter der Veranstaltung verberge.



Kritik zurückgewiesen



Kritik an seiner Schirmherrschaft weist das Ministerium von Jörg Uwe Hahn zurück. Auf Nachfrage von "HR info" heißt es: "Es geht bei der Veranstaltung nicht um Weltanschauung, sondern um ein freundliches Miteinander." Es lägen keine Erkenntnisse vor, dass an der Kulturolympiade Organisationen oder Gruppierungen beteiligt seien, die von Sicherheitsbehörden als kritisch eingestuft würden. (pro)

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