Gesellschaft | 19.05.2012

Die Salafisten seien deswegen erfolgreich, weil sie die Sprache der Jugend sprächen. Dies war eine der Thesen des integrationspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion Ismail Tipi bei seinem Vortrag im mittelhessischen Heuchelheim.
Foto: pro |

"Extremisten sprechen die Sprache der Jugend"

Über "Salafismus und den religiösen Extremismus in Deutschland" referierte der integrationspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Ismail Tipi am Freitag in einem Vortrag in Heuchelheim. Eingeladen dazu hatte die Junge Union (JU) des Gleiberger Landes.

Tipi betonte, dass er laizistisch in einer klaren Trennung von Gottes- und Staatsangelegenheiten aufgewachsen sei. Auf der anderen Seite gebe es auch genügend Muslime, die westliche Werte und die Rechtsstaatlichkeit ablehnten. Bei der Beurteilung von Extremismus sei es ausgesprochen wichtig zu prüfen, welche Entwicklungen sich rund um die Moscheen abspielten. Er selbst habe drei Menschen aus seinem beruflichen und persönlichen Umfeld durch Taten von radikalen Fundamentalisten und Hasspredigern. Aus Sicht des CDU-Politikers gehe die Gefahr nicht vom Koran aus, sondern von den Hasspredigern und fundamentalistischen Gruppierungen.

Vor allem Pierre Vogel, der immer wieder in den Medien auftauche, und den der Verfassungsschutz beobachte, sei mit allergrößter Vorsicht zu genießen. Sein Ziel sei es so viele Dawa-Zentren zu errichten, wie möglich. "Aber warum hat er so viel Aufmerksamkeit?", fragte Tipi. Bei vielen jungen Menschen sei es die Neugier. Vogel spreche die Sprache der Straße und die der Jugend. Aber auch die Gesellschaft sei nicht schuldlos, dass viele sich dem "Seelenverkäufer" zuwendeten.

Gesellschaftliche Werte wieder stärken

"Wenn Kirchengebäude zum Verkauf stehen, sträuben sich mir die Nackenhaare", bekannte Tipi. Man dürfe Kinder und Jugendliche nicht alleinlassen. Aus seiner Sicht fehlten die Werte, die Deutschen zu Deutschen machen, wie Heimatliebe, Vaterlandsliebe, Werte und Tugenden: "Wir müssen gesellschaftliche Werte und Gebräuche wieder stärken, sonst haben wir in 10 bis 15 Jahren massive Probleme. Wir werden in unserer Gesellschaft älter, weniger und bunter."

Hinter der Verteilung von 25 Millionen in Deutschland stehe aus Tipis Sicht ein hinterlistiges Ziel: "Diejenigen, die Korane verteilen, haben die Hoffnung darauf, dass irgendwo öffentlich der Koran verbrannt wird. Und sie möchten diejenigen auf ihrer Seite haben, die sich selbst verabscheuten." Auf juristischer Ebene dürfe man nicht vor einer fremden Rechtskultur wie der Scharia kapitulieren. Tipi mahnte in allerschärfster Form vor der Entstehung einer Parallelgesellschaft: "Wir müssen uns politisch, gesellschaftlich und juristisch für ein friedliches Zusammenleben einsetzen und mit offen Augen durch die Gesellschaft laufen."

Schlüsselerlebnisse eines Migrantenlebens


Zuvor hatte Tipi erzählt, wie sich ein Migrant in einem neuen Land fühlt. Er selbst war Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland gekommen, nachdem sein Vater die Türkei bereits einige Jahre zuvor verlassen hatte. Tipi wuchs in dieser Zeit bei Großvater und Großmutter auf. Tipi berichtete von drei Schlüsselerlebnissen seines "Migrationslebens". Der erste sei gewesen, als sich sein Vater entschieden habe, nach Deutschland zu gehen und er sich von ihm in der Türkei verabschieden musste. Bei seinem zweiten Schlüsselerlebnis, seiner eigenen Ankunft mit 14 Jahren in Deutschland, habe er den Wunsch verspürt, sofort wieder in die Türkei zurück zu kehren. "Es war ein Fehlen von Heimat." Als drittes Erlebnis könne er davon berichten, wie er seinen ersten Deutsch-Aufsatz haben schreiben müssen, ohne ein Wort Deutsch zu können: "Für Migranten ist es schlimm in der Fremde zu sein, wenn er die Sprache und das alltägliche Leben nicht kennt." Deutschland, so Tipi, habe eine so hoch entwickelte Willkommenskultur wie kein anderes Land der Welt: "Aber es fehlt die Dankbarkeitskultur von Einheimischen und Migranten. Wir klagen und kritisieren auf allerhöchstem Niveau."

Als Voraussetzung für eine gelungene Integration sah Tipi die Sprache, eine gute schulische und berufliche Qualifikation sowie die Teilnahme und Teilhabe an der Gesellschaft. "Für eine gute Integration müssen die Menschen auch bereit sein Ehrenämter anzunehmen." Bis zur Erringung seines Landtagsmandats war der 53-jährige Familienvater 29 Jahre lang als Journalist und Redakteur bei der auflagenstärksten türkischen Tageszeitung "Hürryiet" tätig und hinterher als Redakteur bei einem türkischen Fernsehsender. (pro)

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