Gesellschaft | 16.05.2013

In den USA ist es Forschern gelungen, Stammzellen aus einem geklonten Embryo zu gewinnen.
Foto: sebastianreuter/fotolia |

Kritik am Klonen: Mensch ist mehr als Rohstoff

Forscher in den USA haben erstmals Stammzellen aus einem geklonten Embryo gewonnen. Was die Wissenschaftler als Erfolg feiern, stößt hierzulande auf Unmut in den Kirchen und der Politik.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es Forschern an der Oregon Health & Science University gelungen ist, Stammzellen aus einem geklonten Embryo zu gewinnen. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen nach Angaben der Tageszeitung Die Welt in der jüngsten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Cell. Demnach haben der russischstämmige Stammzellforscher Shoukhrat Mitalipov und sein Team mit derselben Methode, mit der vor 16 Jahren auch das Klonschaf Dolly erzeugt wurde, menschliche Embryonen geschaffen. Ziel soll die Gewinnung menschlicher Embryonalzellen für therapeutische Zwecke sein und nicht die Erzeugung geklonter Menschen.

Ebenfalls gegenüber der Welt zeigte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, entrüstet über die Nachricht. Auch um hochrangiger Ziele willen sei es nicht statthaft, „dass Embryonen ausschließlich mit dem Ziel erzeugt werden, als medizinischer Rohstoff bereitzustehen.” Die Menschenwürde verbiete es, „menschliche Embryonen ausschließlich als Mittel den Zwecken anderer Menschen zu unterwerfen”, sagte Schneider der Welt. Das gelte selbst, wenn dadurch anderen Menschen geholfen werden könne. Die Vernichtung eines Embryo dürfe nicht „Voraussetzung für Gesundheit, Überlebensfähigkeit oder verbesserte Therapiechancen von anderem menschlichen Leben” werden.

Am Freitag veröffentlichte der Berliner Tagesspiegel ein Interview mit Altbischof Wolfgang Huber, der darin "energische Schritte zum weltweiten Verbot des Klonens von Menschen" fordert. Stammzellenforschung sei vertretbar als Grundlagenforschung, bei der die therapeutischen Zwecke als einzige im Vordergrund stünden. "Außerdem dürfen menschliche Embryonen niemals als Mittel zu anderen Zwecken hergestellt werden, sondern ausschließlich zu Zwecken der menschlichen Reproduktion", sagte Huber.

Ebenfalls am Freitag teilte die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) mit: "Tötungen von Menschen, selbst wenn das eines Tages anderen Menschen helfen und deren Lebensqualität steigern würde, ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit und bedarf der weltweiten Ächtung. Deshalb stellen auch wir uns mit Überzeugung zu den klaren Vorbehalten, die erfreulicherweise auch deutsche Kirchen und ihre Vertreter geäußert haben." Nicht erst die Tötung menschlicher Leben sei inakzeptabel, sondern auch die für Forschungszwecke und die Herstellung von Embryonen notwendigen Eizellspenden von Frauen. "Auch deshalb müssen solche Forschungsvorhaben als ethisch unverantwortlich verworfen und verboten werden", erklärte der Generalsekretär der DEA, Hartmut Steeb.

„Schreckenerregende prinzipielle Möglichkeit”

Erzbischof Robert Zollitsch teilte am Donnerstag mit, er sei tief besorgt, vor allem im Blick auf die ethische Problematik. Seine Kirche habe vielfach eine weltweite Ächtung des reproduktiven Klonens gefordert. Dass am Ende ein Mensch geklont werden könnte, nannte er eine „schreckenerregende prinzipielle Möglichkeit”. Er gab auch zu bedenken, dass zum Zwecke der Wissenschaft „zweifellos viele Embryonen erzeugt und zerstört” würden. „Die Gewinnung der benötigten Eizellen setzt die beteiligten Frauen nicht nur einer höchst fragwürdigen Instrumentalisierung, sondern auch gefährlichen und schädlichen Nebenwirkungen aus. Die Sorge wächst, auch unter den Wissenschaftlern selbst, dass hier Grenzen überschritten werden, was dem Menschen aus grundlegenden ethischen Gründen nicht erlaubt ist.“

Auch Politiker der SPD und der Union drückten gleichermaßen ihre Ablehnung dieser Art von Forschung aus. Die Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht und Jens Spahn, erklärten, Versuche, menschliches Leben zu klonen, seien nicht mit der Menschenwürde vereinbar. Letztere habe „Vorrang vor der Freiheit der Forschung und der Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit”. René Röspel (SPD) teilte mit: „Weder in unserer Gesellschaft noch im Bundestag gibt es eine Mehrheit, die sich dafür ausspricht, dass menschliche Embryonen allein zu Forschungszwecken hergestellt werden dürfen sollten.” Kritik übte er auch an der aktuellen Medienberichterstattung zum Thema. „In kaum einem Bericht fehlt der Hinweis, dass nun die Entwicklung von Therapien gegen Alzheimer und Parkinson näher rücken würde. So reizvoll Berichte über angebliche medizinische Durchbrüche jedoch auch sein mögen, von Therapien ist die embryonale Stammzellforschung derzeit meilenweit entfernt.” (pro)

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