Politik | 18.12.2008


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Rick Warren spricht Gebet bei Obamas Vereidigung

Wenn am 20. Januar 2009 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wird, wird ein bekanntes Gesicht aus der evangelikalen Szene zu sehen sein. Barack Obama hat den Bestsellerautor und Pastor der Saddleback Community Church, Rick Warren, eingeladen, das Gebet zur Vereidigungszeremonie zu sprechen.

Im August hatte Warren weltweit für Schlagzeilen gesorgt, als er Obama und seinen republikanischen Herausforderer, Senator John McCain, einlud und ihnen hintereinander Fragen stellte, die besonders die christlich-konservative Wählerschaft interessieren. Die Interviews wurden im Fernsehen übertragen. Warren ist Autor des Buches "The Purpose Driven Life" ("Leben mit Vision") und Pastor der 22.000 Mitglieder zählenden Gemeinde Saddleback im kalifornischen Lake Forrest. Sein Buch gilt als das am meisten verkaufte Sachbuch der Welt.

Wie eine Sprecherin der Gemeinde laut "Los Angeles Times" mitteilte, nahm Warren die Einladung Obamas an. Die Vereidigung des neuen Präsidenten findet am Mittag des 20. Januars an der Westseite des Washingtoner Kapitols statt. Die US-Verfassung sieht vor, dass die Präsidentschaft des vorherigen Amtsinhabers am 20. Januar um 12 Uhr endet.

Amerikaner reißen sich um Karten

Um Tickets für die Zeremonie reißen sich derzeit Millionen von US-Bürger. Der bisherige Zuschauerrekord lag der "Washington Post" zufolge bei 1,2 Millionen Menschen - so viele Besucher kamen 1965 zur Amtseinführung von Lyndon B. Johnson. Für 2009 erwartet die amerikanische Hauptstadt bis zu vier Millionen Besucher. Bekannte Persönlichkeiten, Hollywood-Stars, Modeschöpfer und Sponsoren wollen viel Geld dafür zahlen, um bei der Vereidigung des ersten schwarzen Präsidenten der USA dabei zu sein. Laut Programmablauf soll Warren das Gebet nach der Eröffnungsrede durch Senatorin Dianne Feinstein sprechen.

Die Einladung Warrens für das Vereidigungsgebet hat indes nicht alle begeistert. Schwulen- und Lesben-Verbände protestieren, weil Warren erklärter Gegner der gesetzlich gesicherten Homosexuellen-Ehe ist. Vor einigen Monaten unterstützte der Pastor öffentlich die Initiative "Proposition 8". Diese forderte einen Passus in der Verfassung, nach der nur die Ehe zwischen Mann und Frau erlaubt sei. Seitdem der Gesetzesvorschlag im November angenommen wurde, gab es zahlreiche Demonstrationen gegen diese Haltung.

Schwule werfen Obama Vertrauensbruch vor

Der Direktor der Schwulen-Organisation "Equality California", Geoff Kors, die gegen "Proposition 8" agierte, nannte die Entscheidung, Warren in die Vereidigungszeremonie mit einzubinden, einen "Schlag ins Gesicht von Millionen von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen, die dafür gestimmt und gearbeitet haben, dass Barack Obama Präsident wird". Die amerikanische Schwulen und Lesben-Vereinigung "Human Rights Campaign" veröffentlichte einen Brief, in dem sie die Einladung Warrens als einen "echten Schlag" gegen ihre Klientel verurteilen.

Vor einigen Wochen antwortete Obama auf die Frage der "Los Angeles Times", welche geistlichen Leiter er sich als Berater an seine Seite wünsche, dass er einen "Gebetskreis" mit einigen kirchlichen Leitern gegründet habe. Darin seien Bischof T.D. Jakes von der Megakirche "Potter's House" in Dallas, der Bürgerrechtler Joseph Lowery und Warren.

Im Jahr 2005 hatte der Atheist Michael Newdow versucht, mit einer Klage zu verhindern, dass ein Gebet bei der Vereidigung des Präsidenten gesprochen wird. Der Oberste Gerichtshof lehnte die Klage ab. Damals sprach der bekannte Evangelist Billy Graham das Gebet, wie bereits 1997 für Bill Clinton und 1969 für Richard Nixon. Der bekannte Prediger nahm seit 1953 mehrmals an Präsidentschaftsvereidigung teil, hielt bei der Zeremonie Predigten oder sprach das Gebet.

Bei der ersten Vereidigung von Präsident George W. Bush im Jahr 2001 sprach Grahams Sohn Franklin das Gebet, weil sein Vater wegen seiner Krankheit zu sehr geschwächt war. Graham beendete sein Gebet damals mit den Worten "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Herrn Jesus Christus, und des Heiligen Geistes", worauf zahlreiche Medien protestierten, damit sperre Graham andere Religionen aus. (PRO)

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