Radio | 03.07.2012

Ein veraltetes Medium: Nur noch ganz wenige Jugendliche nutzen das Radio.
Foto: ctd2005/flickr |

Radios und Jugendliche nicht mehr auf einer Wellenlänge?

Schenkt man einer neuen Studie "Klangraum Internet" der Universität Leipzig Glauben, dann sieht es für die Radio-Industrie düster aus. Musik hören Jugendliche fast nur noch mit Computer, Smartphone oder MP3-Player – und besonders auf "YouTube". Demnach nutzen 93 Prozent der 12- bis 19-Jährigen, die Musik im Internet hören, die Videoplattform.

Ein weiterer Befund der Studie: Die Bedeutung von Musikangeboten im Internet hat in den letzten Jahren stark zugenommen, während die Nutzung des Offline-PCs seit 2007 rückläufig ist. Musik im Internet zu hören, heißt für die befragten Jugendlichen vor allem, sie über eine Videoplattform zu rezipieren. Neben "YouTube" nutzt eine Minderheit noch die Portale "Clipfish" oder "MyVideo". Die "YouTube"-Nutzung verteilt sich nahezu identisch auf die Merkmale Geschlecht, Alter und Bildung. Den größten Unterschied gibt es bei der Nutzung von Jungen (91 Prozent) und Mädchen (96 Prozent).



"Weil die Auswahl einfach größer ist"



Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 3.806 Jugendlichen, die einen Online-Fragebogen ausfüllten. Darüber hinaus führten die Leipziger Forscher vertiefende Interviews mit 40 Jugendlichen aus Sachsen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa betont der Medienwissenschaftler Bernd Schorb, der die Studie maßgeblich begleitet hat: "YouTube wird tatsächlich gehört und nicht geguckt." Die Plattform ist 2005 offiziell online gegangen. Seitdem hat sich die Zahl der Videoaufrufe pro Tag auf zwei Milliarden und die der Video-Uploads pro Minute auf 24 Stunden Videomaterial deutlich vervielfacht.



Die Jugendlichen, die in den Interviews zu Wort kamen, begründen ihre Entscheidung für das Internet und die Plattformen wie folgt: "Weil ich mir dann selbst raussuchen kann, was ich dann halt gucken kann", sagte die zwölfjährige Mia. "Weil einfach die Auswahl größer als im Radio ist", ergänzte die 19-jährige Marie. Nur 18 Prozent der befragten Altersgruppe nutzen demnach noch regelmäßig das klassische Radiogerät. 27 Prozent derjenigen, die Musik online hören, klicken sich auf die Webseiten der konventionellen Radiosender. 36 Prozent mögen spezialisierte Webradios, die ihre Lieblingsgenres spielen.



Ein Viertel der Jugendlichen stellt Musik ins Netz



Während Webseiten von Musiksendern besonders die Jüngeren, die Mädchen und Befragte mit niedrigerem Bildungshintergrund nutzen, werden die Portale von Bands und Labels vor allem von Älteren und den Befragten mit höherem Bildungshintergrund aufgerufen. Seiten von Musikmagazinen sind eine Nische für musikbegeisterte ältere Jugendliche.



Erfragt wurde auch der produktiv-gestalterische Umgang von Jugendlichen im Internet. Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche den PC zur Musikproduktion und -bearbeitung nutzen. Allerdings stellt nur knapp ein Viertel der 12- bis 19-Jährigen seine Musik ins Netz (24 Prozent). Jugendliche, die in einer Band spielen, nutzen das Internet allerdings intensiver und dann vor allem als Kommunikations- und Präsentationsraum. Die Studie bilanziert, dass das Internetradio allen Interessen, Jugendszenen und Subkulturen durch das differenzierte Musik-Angebot ein Medium biete. Von daher verdränge das Internetradio nicht das klassische Radio, sondern ergänze es.



Anzahl der Geräte verringert sich



Kaum eine Rolle in der Lebenswelt der Jugendlichen spielten dagegen die Podcasts, also Radiosendungen, die auch unabhängig von den Sendezeiten angehört werden können. Nur ein Prozent der Gesamtstichprobe wirke hier produktiv-gestaltend. "Jugendliche schauen fern, sie hören Radio und sie hören noch mehr Musik – aber sie machen das alles online", bilanziert Schorb. So habe sich die Anzahl der Geräte zur Mediennutzung verringert: "Den Computer im Kinderzimmer und das Smartphone in der Hosentasche."



Drei von vier jungen Leuten haben laut Studie ein internetfähiges Mobiltelefon. Weil vielen Jugendlichen die Probleme wie Urheberrechtsverletzungen und Datenfang nicht gegenwärtig seien, fordert der Wissenschaftler eine stärkere Beschäftigung mit diesen Themen im Unterricht. In einigen Schulen liefen schon erfolgreich solche Projekte, in denen erfahrene Schüler den anderen die Gefahren zeigen. "Das nehmen die Jugendlichen deutlich ernster als den erhobenen Zeigefinger des Lehrers", wird der Forscher auf "heise.de" zitiert. (pro)

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