Nachrichten | 29.04.2011

Ruhe und Besinnung soll der christliche Garten in Marzahn bringen.
Foto: pro |

Er ist die neue Attraktion des Erholungsparks "Gärten der Welt".
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Attraktion: Berliner schlendern durch Bibelverse

Ein christlicher Garten soll künftig Besucher in den Berliner Erholungspark "Gärten der Welt" locken. Die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), hat die 1.000 Quadratmeter große Anlage am Freitag eröffnet und die Besucher dazu eingeladen, über die Religion "ins Nachdenken zu kommen".

Die "Gärten der Welt" sind eine grüne Oase im Berliner Plattenbauviertel Marzahn. Wer mit der S-Bahn anreist, wird kaum erwarten, dass sich zwischen Hochhausblöcken und Schnellstraßen eines der schönsten Erholungsgebiete der Stadt befindet. Bisher konnten Besucher unter anderem durch einen japanischen, chinesischen oder orientalischen Garten schlendern. Seit Freitag ist der Park um eine Attraktion reicher. Knapp zwei Jahre dauerte die Realisierung des christlichen Gartens. Was das Architekturbüro "relais" entworfen hat, stellt weniger den christlichen Glauben als die Kultur des Christentums dar.

Besucher der Anlage treten zunächst in einen goldenen Wandelgang. Die Wände und die Decke bestehen aus Buchstaben – und bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Architektur zeigt Bibelverse des Alten und Neuen Testaments, aber auch Zitate des Theologen Dietrich Bonhoeffer oder Johann Wolfgang Goethes. Auch der Begriff "Wind of Change" verbirgt sich im glänzenden Buchstaben-Wirrwarr.

"Am Anfang war das Wort"

"Es geht in diesem Garten nicht um Religion, sondern um die 2.000-jährige Geschichte des christlichen Kulturkreises", erklärt Architektin Marianne Mommsen. Da hätten auch Goethe und der "Wind of Change" eine Rolle gespielt, schließlich habe sich erster in seinen Werken ausführlich mit dem Glauben auseinandergesetzt. Letzter, der Begriff des Wandels, gehe auf die innerdeutsche Wende zurück, bei der die Kirchen eine maßgebliche Rolle gespielt hätten. Dennoch nehmen die Bibelworte im Konzept den meisten Platz ein. Bei der Deutung und architektonischen Umsetzung des christlichen Inhalts waren Theologen behilflich. Warum gerade Buchstaben den größten Raum des christlichen Gartens ausmachen, erklärt der Vorsitzende des Kuratoriums der Allianz Umweltstiftung, Dieter Stolte: "In der Bibel steht 'Am Anfang war das Wort'. Das spiegelt auch diese Anlage wider." Seine Stiftung hat das 3,18 Millionen teure Projekt gemeinsam mit dem Land Berlin finanziert.

In der Mitte des quadratischen Wandelgangs finden Besucher einen Garten aus grünen und weißen Pflanzen. Wie eine Lichtung im Buchstabenwald soll er Ruhe und Frieden darstellen. Er ist in Kreuzform angelegt und erinnert an einen klösterlichen Kreuzgang. Ein Brunnen in Form eines überquellenden Steins säumt den Wegrand – ein Symbol für die Quelle des Lebens.

Ursprung 9/11

Die Idee des christlichen Gartens ist schon viele Jahre alt. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers sei der Gedanke aufgekommen, in den "Gärten der Welt" ein Symbol für das Miteinander der Kulturen und Religionen zu errichten, erklärt Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung. So entstand bereits im Jahr 2005 der orientalische Garten, der den Islam symbolisieren soll. Es sei quasi ein Muss gewesen, darauf einen christlichen Garten folgen zu lassen. Spandau findet, die ähnliche Architektur beider Gärten zeige: Zumindest in der Gartenkultur seien Islam und Christentum versöhnt.

Kritik an der christlichen Ausrichtung des Gartens wurde unterdessen im Verein "Freunde der Gärten der Welt" laut. Der Gründungsvorsitzende Heinrich Niemann erklärte in der Zeitung "Neues Deutschland": Es sei nicht nur seine Auffassung, dass mit dem dezidiert "christlichen" Garten das Prinzip des Erholungsparks auf der Strecke bleibe. Er solle "nicht als Zielpunkte für religiöse Gruppen oder Zeremonielle wirken oder gar zu einem Ort eines Panoptikums angeblicher oder tatsächlicher Gärten weiterer Glaubensrichtungen werden." Senatorin Junge-Reyer misst der Anlage dennoch eine "besondere Bedeutung" bei: "Der Garten soll eine Anregung zur Auseinandersetzung sein – mit uns selbst und mit der Religion." (pro)

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