Weltweit | 05.08.2015

Eine der Abtreibungskliniken von Planned Parenthood in dem am Dienstag veröffentlichten, mit versteckter Kamera aufgenommenen Video

Eine der Abtreibungskliniken von Planned Parenthood in dem am Dienstag veröffentlichten, mit versteckter Kamera aufgenommenen Video
Foto: Center for Medical Progress

Hillary Clinton verteidigt in einem Video die Organisation Planned Parenthood. PP sei wichtig für die Entscheidungsfreiheit in medizinischen Fragen

Hillary Clinton verteidigt in einem Video die Organisation Planned Parenthood. PP sei wichtig für die Entscheidungsfreiheit in medizinischen Fragen
Foto: Hillary for America

Undercover in der Abtreibungsklinik: „Wie in der Hölle“

Die amerikanische Organisation Planned Parenthood verkauft Organe abgetriebener Babys. Das Thema hat den Präsidentschaftswahlkampf erreicht: Republikaner sprechen von einem Skandal, Hillary Clinton verteidigt das „Recht auf Abtreibung“.

Planned Parenthood (PP) ist in Deutschland als Dachverband der Organisation „Pro Familia“ bekannt, die Beratungen zur Sexualpädagogik anbietet und medizinische Zentren betreibt, in denen Abtreibungen vorgenommen werden. In den USA bietet der Verein ärztliche Betreuung insbesondere in der Gynäkologie, Verhütungsberatung, Krebsvorsorge – und Abtreibungen. 327.653 Kinder wurden 2013 in den amerikanischen Kliniken des gemeinnützigen Vereins abgetrieben, 528 Millionen Dollar an Steuergeld hat er im gleichen Jahr erhalten. Die Politik streitet über diese Förderung, die ausdrücklich nicht zur Finanzierung von Abtreibungen genutzt werden darf, schon lange – Konservative wollen sie abschaffen, Linksliberale ausweiten. PP ist der größte Anbieter von Abtreibungen in den Vereinigten Staaten.

Seit Wochen nun diskutiert nicht nur Amerika über mit versteckter Kamera aufgenommene Gespräche mit PP-Mitarbeitern, in denen der Verkauf von Körperteilen und Organen der abgetriebenen Babys verhandelt wird. „Immer mehr Leute wollen intakte Lebern“, erklärt da beispielsweise Deborah Nucatola, die Leiterin der medizinischen Dienste des Vereins, bei einem Geschäftsessen im Restaurant. „Wir sind sehr gut darin geworden, Herz, Lunge und Leber zu bekommen, weil wir das wissen, und dann zerquetsche ich diesen Teil nicht, ich zerquetsche dann sozusagen eher unten, und ich zerquetsche oben, und ich schaue, ob ich das intakt rausbekomme.“ Die Videos wurden von der konservativen Gruppe „Center for Medical Progress“ aufgenommen und veröffentlicht. Die Aktivisten hatten sich als Mitarbeiter einer jungen Firma ausgegeben, die Teile abgetriebener Embryos an Forschungslabore weiterverkaufen will.

In einem am Dienstag online gestellten Video ist zu sehen, wie die angeblichen Interessenten mit der Forschungsdirektorin einer PP-Klinik aus Texas über den Kauf ganzer, intakter Babyleichen verhandeln. Die PP-Mitarbeiterin erklärt, dass hierbei nur die Frage sei, unter welchem Posten man dies verbuche. Einige Abtreibungsärzte hätten bereits Erfahrung darin gesammelt, die Prozeduren so durchzuführen, dass möglichst geeignete Proben für Forschungsvorhaben gewonnen werden könnten. In einem anderen Video werden die Aktivisten mit versteckter Kamera durch eine Klinik geführt und werden Zeuge, wie in Petrischalen mit Teilen abgetriebener Babys nach Organen gesucht wird. Das Video ist bei YouTube wegen seiner Brutalität nur für Volljährige abrufbar.

„Ein brutaler Ort wie in der Hölle“

Die Filmaufnahmen zu diesem Video waren der schwierigste Teil der heimlichen Dreharbeiten, erklärte David Daleiden, Sprecher des „Center for Medical Prograss“, am Dienstag im TV-Sender The Blaze. „Es war absolut brutal“ erinnert er sich und beschreibt, wie die einzelnen Körperteile der toten Babys begutachtet wurden. „Dieser Ort war wirklich wie ein Stück Hölle.“

Längst hat der Streit um die Organisation Planned Parenthood die amerikanische Politik erreicht: Am Montag versuchten republikanische Kongressabgeordnete, die staatliche Subvention für PP zu beenden, eine Abstimmung dazu wurde aber von den Demokraten im Senat blockiert. Im anlaufenden Präsidentschaftswahlkampf spielt der Skandal eine große Rolle. Republikanische Kandidaten für die Präsidentschaft nannten das Vorgehen von PP skandalös. „Der nächste US-Präsident sollte Planned Parenthod finanziell trockenlegen“, erklärte Jeb Bush, sein Kollege und parteiinterner Konkurrent Scott Walker stimmte ihm zu.

Die aussichtsreichste demokratische Bewerberin, Hillary Clinton, greift beide deswegen in einem neuen Werbespot direkt an: „Politiker, die so etwas fordern, fordern damit, Millionen Frauen, Männer und junge Leute von lebensrettenden präventiven Behandlungen fernzuhalten.“ Die ehemalige First Lady nannte die Videos „verstörend“, kündigte aber an, für Planned Parenthood und die „Entscheidungsfreiheit aller Frauen“ zu kämpfen. Die Online-Zeitung Politico berichtet von zahlreichen Verbindungen zwischen dem Clinton-Lager und PP.

Am Donnerstag findet die erste Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten statt. Beobachter rechnen damit, dass es in der Diskussionsrunde ausführlich um den Skandal gehen wird. Planned Parenthood hatte im letzten Präsidentschaftswahlkampf für Barack Obama geworben. Anhänger der Republikaner verbreiten derzeit ein Foto von 2012 im Internet, auf dem der US-Präsident PP-Chefin Cecile Richards umarmt.

PP: Verfahren ist nicht illegal

Planned Parenthood selbst äußerte sich mehrfach zu den Vorwürfen. Zwar bedauere die Organisation den Tonfall der heimlich gefilmten Mitarbeiter. Die gezeigte Praxis, Gewebe abgetriebener Embryonen zu Forschungszwecken zu verwenden, sei jedoch nicht illegal. PP erwirtschafte damit keinen Gewinn, die Preise würden lediglich den Verwaltungsaufwand decken. Viele Frauen entschieden sich freiwillig dazu, das Gewebe der abgetriebenen Embryonen der Wissenschaft zu spenden. „So haben sie wenigstens das Gefühl, dass aus einer schweren Zeit ihres Lebens noch etwas Positives hervorgeht“, erklärt auch eine der heimlich gefilmten PP-Mitarbeiterinnen.

Schauspielerinnen wie Scarlett Johansson, Lena Dunham und Julianne Moore bekundeten auf Twitter ihre Solidarität mit Planned Parenthood. Die Unternehmen Coca Cola, Ford und Xerox baten PP indes, sie von einer öffentlichen Unterstützerliste zu streichen, die bisher auf der Webseite von PP zu sehen gewesen war. Sie seien nie Geldgeber von PP gewesen, teilten die Unternehmen mit. Planned Parenthood entfernte daraufhin die komplette Liste von ihrer Homepage. (pro)

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