Weltweit | 19.05.2015

Saeed Abedini auf einem Poster der IGFM, danaben seine Frau Naghmeh: Wann die beiden sich wiedersehen, ist noch unklar

Saeed Abedini auf einem Poster der IGFM, danaben seine Frau Naghmeh: Wann die beiden sich wiedersehen, ist noch unklar
Foto: pro

„Deutschland soll inhaftiertem Pastor helfen“

Politiker aus Deutschland sollen sich stärker für den im Iran inhaftierten Pastor Saeed Abedini einsetzen. Darum bat dessen Ehefrau Naghmeh Abedini in Frankfurt, und berichtete auch von ihrem Treffen mit US-Präsident Barack Obama.

Naghmeh Abedini erzählte am Dienstag auf einer Pressekonferenz der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) von ihren Bemühungen, Unterstützung für ihren seit 2012 im Iran gefangenen Ehemann Saeed Abedini zu mobilisieren. „Deutschland spielt eine wichtige Rolle als Handelspartner für den Iran“, sagte sie. „Die deutsche Regierung könnte diese Beziehungen nutzen, um abertausenden Menschen zu helfen, die im Gefängnis sitzen oder in Angst leben müssen.“ Es sei an der Zeit, die Stimme zu erheben für diejenigen im Iran, die es selbst nicht können. Saeed Abedini wurde dort verhaftet und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich vom Islam zum Christentum bekehrt und dutzende Hauskirchen gegründet hatte. Seine Frau und seine beiden Kinder haben seitdem nicht mehr mit ihm sprechen dürfen.

„Ich wurde in das Leben einer alleinerziehenden Mutter gestoßen, die gezwungen ist, Feiertage und Geburtstage zu begehen, obwohl ihr gar nicht danach zu Mute ist“, sagte Naghmeh Abedini in Frankfurt. In den kommenden Tagen wird sie beim Europäischen Parlament in Straßburg und beim Auswärtigen Amt in Berlin vorsprechen, um über die Situation ihrer Familie und der Christen im Iran zu informieren. Dabei sind auch Treffen mit dem Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sowie dem Abgeordneten Stefan Heck (CDU) geplant. Heck hat bei der IGFM eine politische Patenschaft für Saeed Abedini übernommen.

Ihre vielen Reisen seien eine zusätzliche Belastung für ihre Kinder Rebekka und Jacob, erklärte Naghmeh Abedini. „Es ist schwer für mich, zu entscheiden, wie viel ich wo investiere – ich will mich für meinen Mann einsetzen, und gleichzeitig brauchen mich meine Kinder“, bekannte die alleinerziehende Mutter. Sie verbringe viel Zeit an Flughäfen und in Hotels, ihre Kinder weinten fast jede Nacht. Für die Familie gebe es keinen Tag ohne Schmerz und die Sorge um Saeed.

Treffen mit Obama ein „Wunder Gottes“

Als ein „Wunder Gottes“ bezeichnete Naghmeh Abedini auf Nachfrage von pro ihr kurzes Treffen mit US-Präsident Barack Obama Ende Januar. Nachdem es bei Besuchen in Washington keine Gelegenheit gegeben habe, den Präsidenten zu treffen, habe sie gebetet und gefastet – und schließlich sei Obama in ihr Heimatstädtchen Boise im US-Bundesstaat Idaho gereist, und sich dort neben anderen Terminen auch Zeit für sie genommen. „Obama hatte gezögert, mich zu treffen, weil er den Iran nicht verstimmen wollte“, sagte sie. Schließlich habe der Präsident sich aber mit ihr zusammengesetzt und erklärt, für ihn sei die Freilassung ihres Mannes „Chefsache“. Naghmeh Abedini beklagte, dass es für die US-Regierung derzeit wichtiger sei, das Nuklearabkommen mit dem Iran zu verabschieden, als ihren Mann freizubekommen.

Auf die diplomatischen Schwierigkeiten mit der iranischen Regierung ging auch der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, ein. „So wichtig eine Lösung im Atomstreit auch ist: Es darf nicht sein, dass ein Staat seine Menschenrechtsverletzungen nicht mehr vorgehalten bekommt, weil er mit noch Schlimmerem droht“, erklärte er. Der Iran verweise gerne auf die armenischen Christen, die ungestört ihre Gottesdienste in der Islamischen Republik abhalten könnten. Das gehe aber nur deswegen, weil diese Christen keine ehemaligen Muslime seien. Die Hauskirchen hingegen stünden im Fokus der Verfolger.

Saeed Abedini hatte im Iran unter anderem mit Behörden gemeinsam an der Eröffnung eines nicht-konfessionellen Waisenhauses im Norden des Landes gearbeitet. Seine Verhaftung sei unerwartet und entgegen früherer Versprechen der Regierung erfolgt. Naghmeh Abedini berichtete: „In einem Brief aus dem Gefängnis an unsere 8-jährige Tochter schrieb Saeed, es sei herzzerreißend für ihn, dass seine Arbeit für das Waisenhaus dazu geführt habe, dass seine Kinder ohne Vater leben müssten.“

Gründung von etwa 100 Hauskirchen

Saeed Abendi konvertierte im Jahr 2000 vom Islam zum Christentum. 2004 heiratete er seine Frau Naghmeh, eine amerikanische Staatsbürgerin. Das Paar engagierte sich in der iranischen Hauskirchen-Szene, die zeitweise von der Regierung toleriert wurde. Saeed Abendi soll an der Gründung von etwa 100 Hauskirchen in 30 iranischen Städten beteiligt gewesen sein. Seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad zum iranischen Präsidenten gewählt wurde, wurden die Hausgemeinden von den Behörden verfolgt, und die Abedinis zogen in die USA. Saeed Abedini reiste seitdem neun Mal in den Iran, 2012 wurde er verhaftet. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen braucht Saeed Abedini nach Misshandlungen dringend medizinische Versorgung; sein Vater kann ihn regelmäßig im Gefängnis besuchen.

„Wenn jemand, den du liebst, im Gefängnis ist, ist das immer schmerzvoll“, erklärte Naghmeh Abedini. „Mein Mann ist nicht im Gefängnis, weil er ein Krimineller ist, sondern nur, weil er an Jesus Christus glaubt.“ (pro)

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