Kirche | 16.07.2014

Anne und Nikolaus Schneider wollen auch in schweren Zeiten zusammenstehen

Anne und Nikolaus Schneider wollen auch in schweren Zeiten zusammenstehen
Foto: Steffen Roth

Schneiders öffentliches Leiden

In zwei großen Interviews spricht der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider gemeinsam mit seiner Frau Anne über deren Krebsbserkrankung und die Möglichkeit der Sterbehilfe. Mit dieser schonungslosen Offenheit will das Paar Zeugnis für den Glauben ablegen.

„Mich hat es kalt erwischt“, sagt Nikolaus Schneider im Magazin Stern über den Moment, als er von der Brustkrebserkrankung seiner Frau erfuhr. Ende Juni hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland den Rückzug von seinem Amt angekündigt. Er wolle sich nun intensiv um seine kranke Frau kümmern, erklärte er in Berlin. Wenige Tage zuvor war die Krebsdiagnose gestellt worden. Anne Schneider befindet sich nun in Chemotherapie.

Sie hadere nicht mit Gott oder ihrem Schicksal, sagt die 65-Jährige im Interview: „Es ist doch auch noch so – verglichen zum Beispiel mit den armen Menschen im Sudan oder im Gazastreifen –, dass es mir unheimlich gut geht.“ Sie glaube weiterhin „an den menschennahen Gott, der mich begleitet“. Eine Absage erteilt Nikolaus Schneider theologischen Erklärungen, wie: „Gott prüft uns durch solche Schicksalsschläge.“ Mit dieser Art „göttlicher Pädagogik“ könne er nichts anfangen.

„Sie hat mir schon gesagt, wer sie beerdigen soll“

Die Möglichkeit, dass Anne Schneider das Jahr nicht überlebt, haben die Eheleute einkalkuliert. „Sie hat mir sogar schon gesagt, wer sie beerdigen soll“, berichtet Nikolaus Schneider. Und wo: Neben ihrer Tochter Meike, die mit 22 Jahren an Leukämie starb. Dass das Paar relativ gelassen mit der Nachricht der Erkrankung umgehen kann, habe mit dem Glauben zu tun: „Ich habe das Gefühl, dass ich begleitet werde von Gott, auch wenn ich mich von Nikolaus trennen muss. Ich falle nicht ins Nichts“, sagt Anne Schneider. Dennoch sei sie froh, dass ihr Mann ihr im Zweifel beistehen würde, wenn sie Sterbehilfe in Anspruch nehmen wolle. „Für Anne würde ich auch etwas gegen meine Überzeugung tun. Aber ich würde alles versuchen, Anne für einen anderen Wege zu gewinnen“, sagt Nikolaus Schneider, der ein entschiedener Gegner organisierter Sterbehilfe ist.

In der Zeit erklärt Anne Schneider, warum sie im Gegensatz zu ihm für eine organisierte Sterbehilfe plädiert: „‚Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden‘: Diese biblische Bitte heißt für mich auch, dass ich mein Ende aktiv gestalten kann in der Verantwortung vor Gott.“ Sie hoffe, dass ihr Mann sie in die Schweiz begleite, wenn sie einmal selbst an den Punkt kommen sollte.

Gottesbeziehung in Turbulenzen

Im Gespräch erklärt Anne Schneider auch, warum die beiden öffentlich über ihr Leid sprechen: „Wir sagen, wie es um uns steht. So war es schon beim Sterben unserer Tochter. Über Theologie zu reden, ohne über sich selbst zu reden, das geht bei uns nicht.“ Ihr Mann fügt hinzu: „Ich denke, das tut der Kirche gut, wenn wir offen miteinander umgehen. Was ich tue, ist immer ein Zeugnis meines Glaubens. Das betrifft auch unsere Liebe und Partnerschaft.“

Doch Nikolaus Schneider gibt auch zu: „Meine Gottesbeziehung käme in Turbulenzen, wenn Anne jetzt sterben sollte.“ Seine Frau erklärt: „Gottvertrauen über den Tod hinaus bedeutet, dass Gott die Tränen abwischen wird von dem Säugling, der an Hunger stirbt, von der Frau, die von einer Bombe zerfetzt wird. Ich glaube, dass es ein unzerstörbares Leben gibt, das unser irdisches weit überschreitet. Aber ich nehme mir die Freiheit, jetzt bei unserem morgendlichen Gebet darum zu bitten, dass ich die Krankheit gut überstehe.“ (pro)

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