Kirche | 18.06.2014

Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack fordert Christen auf, auf Kritik gegen die Kirche zu reagieren

Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack fordert Christen auf, auf Kritik gegen die Kirche zu reagieren
Foto: Brigitte Heeke, Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster

Öffentlicher Auftritt der EKD „zahnlos und vorsichtig“

Die beiden großen deutschen Kirchen machen alles falsch, laute die öffentliche Meinung. Das findet der Religionssoziologe Detlef Pollack. In einem Beitrag der Wochenzeitung Die Zeit will er dieser Ansicht entgegensteuern.

Einseitigkeit und schlechte Arbeit werfen der Reformationshistoriker und Kurienkardinal Walter Kasper und weitere Theologen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. Streitpunkt ist das Papier „Rechtfertigung und Freiheit“, das die EKD im Mai zur theologischen Bedeutung der Reformation veröffentlicht hat. Die Autoren plädieren dafür, die theologischen Einsichten der Reformationszeit im aktuellen Kontext zu erläutern. Die Kritiker sagen, in dem Grundlagentext bewerte die EKD die Reformation als religiöses Ereignis, herausgelöst aus dem zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Es sei ein „intellektuelles Armutszeugnis“.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack fragt in dem Zeit-Beitrag, warum Kritiker nicht davor zurückschreckten, die Kirche mit unsachlichen Vorwürfen herabzusetzen, und warum „eine solche ungerechte Behandlung“ der Kirche überhaupt im öffentlichen Diskurs stattfinden könne. „Weil die Kirche nur bei Überwindung innerer Hemmnisse in der Lage ist, in der Öffentlichkeit für sich selbst einzutreten“, lautet seine Erklärung. Ihre Botschaft beruhe auf den Prinzipien Demut, Selbstlosigkeit, Feindesliebe und Vergebung. „Wenn sie sich wehrt, wird man ihr dies nur als eine neue Form ihrer Selbstbehauptung und Uneinsichtigkeit, ihrer Selbstgerechtigkeit und ihres Hochmuts auslegen.“

„Widerspruch wagen“

Die Folge dieses „unfairen“ Umgangs mit der Kirche sei paradoxerweise, dass die „angeblich so machtbewusste und raffiniert agierende Kirche in der Öffentlichkeit zuweilen derart zahnlos und vorsichtig auftritt, dass einen das blanke Mitleid“ erfasse, findet Pollack. „Die oft beklagte Profillosigkeit öffentlicher kirchlicher Stellungnahmen hat viel damit zu tun, dass die kirchlichen Repräsentanten meinen, nirgends anecken zu dürfen.“ Was dabei herauskomme, seien „mutlose, weichgespülte und nichtssagende Verlautbarungen“.

Pollack fordert daher Christen auf, dort für die Kirche einzutreten, wo diese selbst wehrlos sei – mutige Christen, „die den Widerspruch wagen, auch wenn er den Anschein von Autoritätshörigkeit“ erwecke.

Detlef Pollack ist Professor für Religionssoziologie an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster. (pro)

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