Kirche | 12.01.2016

Ulrich Parzany wünscht sich eine Ergänzung des Aufrufs „Zeit zum Aufstehen”. In dem Dokument von 2014 wird die Rückbesinnung auf evangelische Glaubensgrundlagen gefordert.

Ulrich Parzany wünscht sich eine Ergänzung des Aufrufs „Zeit zum Aufstehen”. In dem Dokument von 2014 wird die Rückbesinnung auf evangelische Glaubensgrundlagen gefordert.
Foto: SCM Hänssler

„Keine Konkurrenz zur Evangelischen Allianz“

Der bekannte Theologe Ulrich Parzany will eine Bewegung „Bibel und Bekenntnis“ gründen. Im Gespräch mit pro betont der ProChrist-Referent, wie wichtig die Einheit der Christen ist.

Für den 23. Januar hat Ulrich Parzany 60 Wortführer aus der evangelikalen Bewegung zu einem Treffen nach Kassel eingeladen. Zuvor hatte er in einem offenen Brief zwei Interviews des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, kritisiert. Darin hatte Diener unter anderem erklärt, auch praktizierende Homosexuelle könnten in evangelikalen Gemeinden Mitglied und Mitarbeiter sein. Parzany brachte die Gründung eines Netzwerks „Bibel und Bekenntnis“ ins Spiel.

pro: Herr Parzany, über Ihre Einladung zum 23. Januar wird viel spekuliert. Was genau soll dort besprochen werden?

Ulrich Parzany: Gesprächsgrundlage ist mein Memorandum, in dem ich den Ruf zur Mitte bekräftige, aber gleichzeitig daran erinnere, dass zum Bekennen auch das Verwerfen falscher Lehre gehört. Ich wünsche mir eine minimale Präzisierung des Aufrufes „Zeit zum Aufstehen“ in dieser Hinsicht. Es geht um grundlegende Fragen, um die wir jetzt ringen, und wir werden sehen, ob wir in diesem Kreis Einmütigkeit gewinnen. Ich möchte den Anstoß zum Gespräch geben.

Haben Sie auch Vertreter der Deutschen Evangelischen Allianz dazu eingeladen?

Auf meinen offenen Brief an Michael Diener habe ich zahlreiche Reaktionen bekommen. Aus dem Kreis derer, die mit mir der Meinung sind, dass wir als Evangelikale Klärungsbedarf haben, habe ich eingeladen. Diejenigen, die kommen, sind mehr oder weniger bekannt in der evangelikalen Szene, aber Namen nenne ich an dieser Stelle nicht.

In den Sozialen Netzwerken wird die Befürchtung laut, die evangelikale Bewegung in Deutschland könne sich spalten.

Das ist überhaupt nicht meine Intention. Ich glaube, dass wir die evangelikale Bewegung dadurch stärken, dass wir uns gemeinsam in größtmöglicher Einigkeit öffentlich äußern. In der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz, die auf deren Homepage einsehbar ist, heißt es: „Wir bekennen uns zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.“ Besser kann man es nicht sagen! Lasst uns das, was seit langem selbstverständlich gilt, als wirklich heute gültig sehen.

Wird das denn nicht mehr für gültig erachtet?

Wir sollten bekräftigen, dass wir auch in den aktuellen Auseinandersetzungen daran festhalten. Das ist offensichtlich nötig. Damit ist keine Spaltung verbunden, sondern eine Bestätigung der größtmöglichen Einheit der evangelikalen Bewegung, die wir in der Evangelischen Allianz haben.

Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Michael Diener, scheint das insofern anders zu sehen, als dass er bei manchen Fragen mehr Pluralität zulassen will, als Sie dies tun.

Das ist nicht mein Problem. Das muss die Allianz klären.

Sie haben Michael Diener in einem offenen Brief kritisiert. Wünschen Sie sich einen Wechsel an der Spitze der Allianz?

Ich habe überhaupt kein Interesse daran, mich in Personalfragen der Allianz einzumischen. Ich habe mit Michael Diener auch nach meinem offenen Brief gesprochen, und wir haben persönlich ein geklärtes Verhältnis. Ich habe keinerlei Absicht, mich in irgendwelche Personaldebatten einzumischen.

Obwohl Sie mit dem Vorsitzenden der Allianz in manchen Fragen uneins sind, vertrauen Sie der Allianz als Institution aber weiterhin?

Die Allianz hat ja selbst in einer Presseerklärung auf die Interviews von Michael Diener reagiert und gesagt, dass sie beim Thema Homosexualität weiterhin zu ihrer Position steht. Wie auch die Allianz sage ich, dass ich Michael Diener in einer Reihe von Punkten zustimme, etwa bei der Mission. Mit ihm zusammen stehe ich in der Kirche dafür ein, dass Jesus Christus allein der Retter ist und dass auch den Juden das Evangelium von dem Messias Jesus gilt.

Man könnte dennoch auf die Idee kommen, Sie positionierten sich als Konkurrenz zur Evangelischen Allianz.

Ich will keine Konkurrenz zur Evangelischen Allianz. Ich habe meine Stimme erhoben, sie hat mehr Resonanz hervorgerufen, als ich je gehofft oder erwartet habe. Jetzt ist meine Aufgabe nur, dass ich vielleicht einen Prozess moderiere, der hoffentlich zur Klarheit und größtmöglichen Gemeinsamkeit in der evangelikalen Bewegung führt. Das ist mein ganzes Interesse.

Was ist Ihr Wunsch für Ihr Treffen am 23. Januar?

Ich bin da sehr pragmatisch. Ich habe den persönlichen Wunsch, dass wir im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 am 3. Oktober einen Christus-Bekenntnis-Tag haben. Dort kann herausgestellt werden, dass Jesus Christus und die Bibel allein unser Fundament sind. Aber damit das geschieht – dafür muss es die größtmögliche Einmütigkeit der Verantwortlichen geben, und wir werden sehen, ob die zu gewinnen ist. Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz kann unsere gemeinsame Bekenntnisgrundlage sein. Und wenn wir uns mit den Initiatoren von „Zeit zum Aufstehen“ auf eine Konkretion des Aufrufes in zwei, drei Punkten einigen könnten, hätten wir nach meiner Auffassung einen starken Impuls für gemeinsames Handeln in den nächsten Jahren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Moritz Breckner. (pro)

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