Kirche | 04.03.2016

Papst Franziskus ist um deutliche Worte nicht verlegen. Journalisten freut's, denn was er sagt, macht sich dann als Schlagzeile gut.

Papst Franziskus ist um deutliche Worte nicht verlegen. Journalisten freut's, denn was er sagt, macht sich dann als Schlagzeile gut.
Foto: US Papal Visit/flickr | CC BY-NC 2.0

Der Papst, die Medien und die „arabische Invasion“

Papst Franziskus ist für seine deutliche Wortwahl bekannt – und die ist vielen Medien eine Schlagzeile wert. Auch als er diese Woche im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise das Stichwort „arabische Invasion“ fallen ließ.

„Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen“, sagte Papst Franziskus, „das ist ein sozialer Fakt.“ Geäußert hat er das am Mittwoch bei einer Audienz mit Vertretern der französischen christlich-linken Sozialbewegung „Poissons roses“ (Pinke Fische). Am Freitag zitierte ihn die italienische Tageszeitung L‘Osservatore Romano in einem ganzseitigen Artikel über die Begegnung.

Der Papst und seine Formulierung „arabische Invasion“ im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation in Europa wurde zur Schlagzeile zahlreicher deutsch- und französischsprachiger Medien. So widmeten sich unter anderem die Bild-Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, die Welt, Spiegel Online und tagesschau.de auf ihren Online-Portalen dem Pontifex. Dabei zeigt sich, dass eine Schlagzeile ohne Kontext leicht missverstanden werden kann. So stellen die Berichte ebenso heraus, dass Franziskus neben dieser militärischen Metapher auch von Chancen sprach: Europa habe schon mehrere Invasionen kennengelernt. „Aber es hat immer gewusst, sich selbst zu übertreffen, weiterzumachen und sich dann selbst am Austausch zwischen den Kulturen wachsen zu sehen.“

Möglicher Übersetzungsfehler

Die Huffington Post wies darauf hin, dass sich „rechte Hetzer“ durch die Aussage des Papstes bestätigt fühlten. So habe die Initiative „Jihad Watch“ die Nachricht darüber auf seiner Facebook-Seite verlinkt, dabei aber im Teaser die positive Wendung seiner Aussage verschwiegen. Das Online-Magazin zitierte den Journalisten Jean-Pierre Denis, der bei dem Treffen mit dem Papst dabei war und der französischen Tageszeitung Le Monde sagte: „Ich finde es skandalös, dass einige es so darstellen, als hätte der Papst von einem Kampf der Kulturen gesprochen. Die ganze Begegnung sagt eigentlich das Gegenteil.“ Der Tagesspiegel gab zu bedenken, dass es sich bei der Schlagzeile auch um einen Übersetzungsfehler handeln könnte, da das italienische „invasione“ auch „Völkerwanderung“ bedeute.

Der Papst sagte zudem, Europa brauche neuen Schwung auf dem Weg zur Einheit, und warnte davor, in „nationale Egoismen“ zurückzufallen. Verhandlungen seien notwendig, mahnte er an. Europa müsse Familien wieder stärker fördern, da die Geburtenrate in mehreren Ländern wie Italien und Spanien gegen Null tendiere. Außerdem brauche es ein stärkeres Bewusstsein für die eigenen kulturellen Wurzeln. „Wenn es seine Geschichte vergisst, schwächt sich Europa. Dann wird es zu einem leeren Ort“, gibt die Franfurter Allgemeine Zeitung den Papst wieder. (pro)

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