updateGesellschaft | 09.09.2014

Das Bistum Limburg – hier mit dem Dom – wurde aufgrund der Verschwendung beim Bau des Bischofssitzes zum Synonym für die Verschwendung in der Katholischen Kirche

Das Bistum Limburg – hier mit dem Dom – wurde aufgrund der Verschwendung beim Bau des Bischofssitzes zum Synonym für die Verschwendung in der Katholischen Kirche
Foto: Mylius Wikipedia | CC-BY-NC-ND 2.0

Sag mir erst, wie reich Du bist

Viele katholische Kirchen bestechen durch prunkvolle Architektur und prachtvolle Ausstattung. Wie reich die Katholische Kirche wirklich ist, hat die ARD in einer Reportage untersucht – und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen.

Die ARD-Redakteure bemängeln in der Sendung „Vergelt‘s Gott – Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche“ vor allem die „gegen Null“ gehende Transparenz in den Bistümern. Insgesamt erhalte die Kirche vom Staat 5,5 Milliarden Euro Kirchensteuer. Dazu kämen noch historisch bedingte staatliche Zuwendungen sowie die Finanzierung von kirchlichen Einrichtungen, wie Krankenhäusern und Kindertagesstätten. Aber auch daraus ergebe sich nicht die offizielle Summe.

Fragwürdige Finanzpolitik

Als erstes Beispiel für eine fragwürdige Finanzpolitik nennt der Beitrag das Erzbistum Köln. Deren Vertreter, Stefan Heße, möchte vor der Kamera keine konkreten Zahlen nennen. Der Beitrag zeigt, dass die Katholische Kirche über viele Immobilien verfügt. Die Redakteure stoßen auf eine Firma in den Niederlanden, die die Immobilien der Kirche verwaltet und ihr damit Steuern spart. Heße sieht darin nichts Illegales. Jesus selbst habe gesagt, dass die Menschen klug wie Geschäftsleute agieren sollen.

Der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Hans-Peter Schwintowski rechnet vor, dass 46 Millionen aus Zinsen und Pachten mindestens auf ein Gesamtvermögen von einer Milliarde Euro schließen lassen. Bei der Berechnung fehle der Kölner Dom, den ein Dombauverein verwaltet. Hinzu kämen Bürokomplexe, Banken sowie Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Schwintowski fordert von der Kirche eine Bilanz wie bei einem Konzern: „Kirche ist zur Nächstenliebe verpflichtet und hat hier einen Vorbild-Charakter“, meint er.

Umlernen im kirchlichen Bereich

Natürlich thematisiert der Beitrag auch den Skandal um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Der Neubau seines Bischofssitzes hatte 31 Millionen Euro gekostet. Das Bistum habe als Folge zum Teil seine Zahlen offen gelegt. Im Geflecht von Bistum, Bischöflichem Stuhl und Domkapitel verschwimme aber immer noch vieles und eine genaue Kontrolle sei schwierig, weil selbständige Klöster, Kliniken und selbständige Pfarreien darin nicht vorkämen. Schwintowski wünscht sich ein Umlernen im kirchlichen Bereich, „damit die Gläubigen erfahren, was mit ihrem Geld passiert“.

Einer, der gegen die aktuellen Missstände ankämpft, ist Johannes Grabmeier von der Bewegung „Wir sind Kirche“: „Je höher die Strukturen, desto intransparenter ist alles“, moniert er. Es gelte, „reinen Tisch“ zu machen. „Jeder Gläubige hat das Recht, das zu wissen. Wir haben eine Kirche, die nicht bei den Menschen ist.“ So werde etwa im Bistum München eine Armenhilfe geschlossen, stattdessen aber in ein Museum investiert. Laut Generalvikar Peter Beer arbeite das Bistum noch an einer Aufstellung über das eigene Vermögen.

Die letzte Station der ARD-Redakteure ist der Vatikan selbst. Der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hatte herausgefunden, dass es viele Stiftungen in den Kirchenbüchern gibt, die in der Realität gar nicht existierten. Die Hinwendung zu den Bedürftigen, die der neue Papst proklamiert, sieht Nuzzi skeptisch: „Viele Konten blieben unangetastet“ und darüber hinaus bleibe mancher Immobilienbesitz verborgen.

Für Bernd Hagenkord von Radio Vatikan mache der Papst Schritte, die bis vor zwei Jahren niemand für möglich gehalten habe. Auch hier bleiben konkrete Zahlen Mangelware. In der Vergangenheit diente die abgeschlossen Kultur dem Selbstschutz, meint Hagenkord: „Das zu überwinden, braucht ‚Schubs‘!“

Wirkliche Transparenz Mangelware

Die Deutschen finanzierten mit der Kirchensteuer die kirchlichen Würdenträger, erklären die ARD-Journalisten. Historisch gewachsen sind zudem alte Entschädigungen, welche die Kirche seit dem 19. Jahrhundert vom Staat erhalte, und mit denen sich Fürsten erhofften, weiter Einfluss auf die Kirche zu nehmen. Von den Geldern profitierten die Kirchen bis heute. Schwintowski stuft dies als verfassungswidrig ein.

Die Dokumentation kommt zu dem Schluss, dass es in den Bistümern an effektiver Kontrolle und Transparenz mangelt. Obwohl die Kirche buchstäblich eine steinreiche Institution sei, mauere sie beim Thema Finanzen. Mit dem neuem Papst sei nur ein wenig davon gelüftet worden. Wirkliche Transparenz bleibe Mangelware.

Das Bistum Limburg plant ebenso wie das Erzbistum Köln keine Stellungnahme zur Sendung, wie die Pressesprecher auf Anfrage von pro mitteilten. Eine „etwas einseitige Darstellung“ wirft das Erzbistum München-Freising den Machern der Sendung vor. Für den Beitrag sei auch ein Vertreter des Katholischen Männerfürsorgevereins interviewt worden, der gar nicht zu Wort komme. Auslöser für die Schließung des Obdachlosenheimes sei die Kündigung des Mietvertrages durch den Mieter gewesen. Das Erzbistum stelle jährlich 30 Millionen Euro für alle Einrichtungen und Verbände zur Verfügung, die unterfinanziert sind. Einen Antrag der Armenhilfe habe die Verwaltung nicht erhalten.

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, hat im Nachgang zur Sendung zahlreiche Fehler in der Dokumentation kritisiert und die Sendung als „sehr tendenziös“ bezeichnet. Er verhehlt aber auch nicht, dass dort ein paar „wunde Punkte“ angesprochen wurden. Vieles sei vereinfacht dargestellt worden. „Die Wahl der Hintergrundmusik, die Bildinszenierung und auch der Stil des Sprechers erweckten bei mir den Eindruck, dass da Stimmung gegen die katholische Kirche gemacht werden sollte“, sagt Pfeffer gegenüber dem Onlineportal katholisch.de.

Die komplexe Struktur der katholische Kirche mache es unmöglich, den Reichtum der Kirche genau zu beziffern. In Bezug auf Transparenz sei schon einiges erreicht, aber der weitere Prozess benötige noch etwas Zeit. In Bezug auf die Transparenz habe Kirche „einen hohen Nachholbedarf“. Dabei sei ganz „viel Kommunikation das Allerwichtigste“. „Wir dürfen keine Angst vor mehr Kontrolle haben oder davor, dass mir irgendjemand etwas wegnehmen möchte“, ergänzt er.

(pro)

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