Gesellschaft | 04.01.2016

Die katholischen Priester verpflichten sich zum zölibatären Leben

Die katholischen Priester verpflichten sich zum zölibatären Leben
Foto: Leszek Szymanski

Katholischer Theologe: „Lockert den Zölibat“

Wunibald Müller kümmert sich um Ordensleute und Priester, die in seelische Nöte geraten sind. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung berichtet er über seine Erfahrungen in der therapeutischen Hilfe der vergangenen 25 Jahre, warum er gegen den Pflichtzölibat ist und sich Priester unbedingt einmal verlieben sollten.

Wunibald Müller ist katholischer Theologe und Psychologe. Der 65-Jährige leitet eine Einrichtung der katholischen Kirche in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Sie soll Priestern Beistand in seelischen Nöten geben. Vor kurzem hat Müller Papst Franziskus einen Brief geschrieben und um die Lockerung des Zölibats gebeten. Aus seiner Sicht soll es verheiratete und unverheiratete Priester geben dürfen, genauso wie homosexuelle und heterosexuelle.

„Es gibt den gelingenden Zölibat“

Er bemängelt, dass viele Priester ihre Sexualität nie angeschaut hätten: Gerade sie „müssten wissen, was es heißt, wenn die Lust über einen kommt“. Viele Priester hätten das Charisma und die Berufung zum Zölibat: „Nicht, weil sie keine sexuellen Bedürfnisse haben. Sondern weil sie bewusst auf ihre Sexualität verzichten.“ Leider gelinge aber auch viel zu häufig das zölibatäre Leben nicht. Viele Priester könnten in Wahrheit nicht zölibatär leben, andere gingen durch die Liebe zu einer Frau für den Beruf verloren.

Als Müller das Recollectio-Haus vor 25 Jahren gründete, habe es viele Vorbehalte innerhalb der Kirche gegeben. Die (dort angewendete) Psychoanalyse und Psychotherapie sei kritisch beäugt worden. Viele (geweihte) Männer hätten auch Schwierigkeiten gehabt, Schwächen einzugestehen: „Anfangs gab es auch Misstrauen, dass wir Priester dazu bringen, den Zölibat aufzugeben.“ Dies sei bis heute nicht geschehen. Viele Geistliche könnten einen reflektierten und versöhnten Rückzug vom zölibatären Leben besser akzeptieren.

Schwierigkeiten nicht mit dem Glauben zukleistern

Müller stellt klar, dass die Beziehung zu Gott nicht einfach Probleme beseitige: „Wer den Glauben wie einen Zuckerguss über alle Schwierigkeiten kleistert, vergrößert sie nur.“ In seiner Arbeit versuche er die Unterschiede zwischen innerer und äußerer Person herauszuarbeiten. Die innere Person mit deren Bedürfnissen, Sehnsüchten und Trieben komme häufig zu kurz. Diese gelte es aber auch zu entdecken.

Müller findet, dass es gerade beim Thema Zölibat zu viele Kompromisse in den Diözesen gebe. Das mache die Kirche unglaubwürdig. Auch aufgrund der Missbrauchsskandale müsse man sich mit dem Thema Sexualität realistisch befassen: „Der Zölibat ist nicht schuld am Missbrauch. Aber dass Priester kaum Möglichkeit haben, ihre Sexualität auf eine verantwortbare Weise zu leben, kann sie anfällig machen. Auch dass homosexuelle Menschen abgewertet würden, könne nicht Gottes Wille sein. Deswegen gehe es in seiner Arbeit darum, für die Menschen da zu sein, aber auch einige Diskussionen über die Strukturen einzuleiten und ein Klima der Barmherzigkeit zu schaffen. (pro)

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