Gesellschaft | 02.02.2015

Heidi Mund, hier im US-Fernsehen, organisiert Pegida in Frankfurt am Main

Heidi Mund, hier im US-Fernsehen, organisiert Pegida in Frankfurt am Main
Foto: CBN News / YouTube

Frau Mund, würde Jesus bei Pegida laufen?

Die Christin Heidi Mund organisiert Pegida-Kundgebungen in Frankfurt – zum Verdruss der dortigen Evangelischen Allianz. In pro erklärt sie, welche Flüchtlinge sie in Deutschland möchte und was sie ihren Feinden wünscht.

pro: Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, hat im pro-Interview erklärt, dass Christen nicht bei Pegida demonstrieren sollten. Sie sind Christin und organisieren Pegida in Frankfurt.

Heidi Mund: Michael Diener hat nicht das Recht, Christen eine solche Anweisung auszusprechen. Jeder Christ muss das einzeln für sich entscheiden. In Dresden demonstrieren bei Pegida größtenteils normale Leute. Christen sollten dabei sein, um sich einzumischen und dem Ganzen eine positive Richtung zu geben. Die Themen von Pegida sind für Christen relevant.

Viele Christen setzten sich aus christlicher Überzeugung gegen Pegida ein. Können Sie deren Perspektive verstehen?

Die Frau eines bekannten Pastors hat gegen unsere Kundgebung demonstriert und mich dabei als „Nazi“ beschimpft. Das ist kein geschwisterlicher Umgang miteinander, vielmehr sollte das persönliche Gespräch gesucht werden. Bei vielen der Pegida-Gegner frage ich mich, ob sich diese Menschen ernsthaft mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Einige glauben, Pegida sei rechtsextrem oder nationalsozialistisch. Das ist auch teilweise die Schuld der Medien, die sehr einseitig berichten. Ich rate allen Christen, sich auch jenseits der Massenmedien zu informieren. Es ist wie beim Thema Israel: Wenn ich nur das wüsste, was die deutschen Medien über Israel behaupten, wäre ich möglicherweise keine Freundin Israels. Die Realität ist aber eine andere.

Haben christliche Pegida-Gegner nicht Recht, wenn sie an die biblische Forderung erinnern, sich der Flüchtlinge anzunehmen?

Aus den Grundsätzen der Pegida-Bewegung geht eindeutig hervor, dass es uns nicht um Fremdenfeindlichkeit geht. Wir sagen Ja zum Asyl von Flüchtlingen, aber nur für solche, die auch wirklich in Not sind, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Ein Großteil der Menschen, die hier aufgenommen werden, sind junge Männer, die sich teils problematisch verhalten. Sie werden mit Geldern und Pädagogen versorgt, die dann nicht mehr für diejenigen zur Verfügung stehen, die wirklich Hilfe brauchen und diese auch annehmen wollen. Nochmal ganz deutlich: Jeder, der wirklich Hilfe braucht, ist in Deutschland willkommen, und das soll auch so bleiben. Dafür müssen wir sorgen.

In Frankfurt leben viel mehr Muslime als in Dresden, radikale Muslime zeigen missionarische Präsenz. Trotzdem sollen weniger als hundert Menschen zu Ihrer Pegida-Kundgebung gekommen sein.

Einige wurden schon am Bahnhof von der Polizei aufgehalten, andere hatten wegen der gewalttätigen Gegendemo keinen Zugang zu unserer Versammlung. Einige unserer Leute wurden von Gegendemonstranten und durch die Straßen gejagt. Das hat auch Menschen abgeschreckt. Aber es stimmt, in Ostdeutschland sind es mehr Demonstranten. Meiner Ansicht nach schreiben die Leute im Westen lieber einen Leserbrief, als auf die Straße zu gehen. In Ostdeutschland, wo ich aufgewachsen bin, ist das aus historischen Gründen anders. Wir wissen, was eine Diktatur ist und auch wie Menschen darunter leiden.

Glauben Sie, dass Jesus bei Pegida demonstriert hätte?

Ich glaube, er ist in uns und mit uns. Wäre er das nicht, würde ich es nicht machen. Ich habe vor der Anmeldung unserer Demo intensiv gebetet. Wir müssen natürlich sensibel bleiben und genau auf ihn hören. Wir können uns nicht mit Schlechtem verbinden, mit jemandem, der böse Absichten hat. Das Beste, was der Bewegung geschehen kann, ist, wenn sich noch mehr Christen anschließen würden.

Viele christliche Gegendemonstranten glauben auch an Jesus. Demonstriert dann quasi Jesus gegen Jesus?

Ich denke nicht, dass Jesus bei denen ist, von denen Gewalt ausgeht. Wenn man sich zum Beispiel mit den Linken verbündet, darunter der SED-Nachfolgeorganisation, der so genannten „Mauermörderpartei“, wie die Evangelische Allianz das gemacht hat – dann müssen sie sich das selbst fragen, ob Jesus dabei ist. Von Pegida geht keine Gewalt aus, von den Gegendemonstrationen schon.

Sie können friedliche Pegida-Gegner nicht mit gewalttätigen Autonomen in einen Topf werfen.

Viele Christen, die beim friedlichen Teil der Gegendemo in Frankfurt mitgemacht haben, waren Mitläufer. Sie haben gedacht, etwas Gutes zu tun, nämlich friedlich für Asyl zu demonstrieren. Aber genau das hat Pegida auch getan. Die gewalttätige Demo, die unsere Kundgebung verhindern sollte, war ein Ableger der Großkundgebung am Römerberg.

Fakt ist also, dass die große Anti-Pegida-Demo am Römerberg friedlich war. Die linksautonomen Gewalttäter hingegen, die Sie am demonstrieren hindern wollten, wurden sogar von der Frankfurter Rundschau als „Lynchmob“ und „Schande“ bezeichnet.

Es war wirklich erschreckend. Wir haben nur ein paar Eier und Tomaten abbekommen, doch die Polizei hat uns zu Regenschirmen geraten, damit uns keine Böller ins Gesicht fliegen. Aber auch diesen Demonstranten habe ich hinterher auf YouTube Gottes Segen gewünscht. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes und bete für alle Menschen in Frankfurt. Ich denke einfach, dass sie verblendet sind und nicht verstehen, in welchem Zustand sich unser Land befindet.

Enttäuscht Sie das Verhalten der Evangelischen Allianz, die angegeben hat, „entsetzt“ von Ihnen zu sein?

Nein. Wir haben nie den Wunsch gehabt, uns der Allianz Frankfurt anzuschließen. Hätte Gott uns das aufs Herz gelegt, hätten wir es gemacht. Ich habe die Allianz oft als lähmend empfunden, es wird vieles auf die lange Bank geschoben und ewig diskutiert. Ich will hier aber nicht pauschal verurteilen, wir haben viele liebe Geschwister in Allianz-Gemeinden, auch Pastoren.

Sind Sie mit Vertretern der Evangelischen Allianz Frankfurt im Gespräch?

Nein. Ich habe aus den Medien erfahren, dass sich die Allianz von mir distanziert hat. Es ist schade, dass es kein persönliches Gespräch gab. Die Bibel sagt, dass wir unsere Unstimmigkeiten direkt besprechen und nicht vor der weltlichen Öffentlichkeit austragen sollten.

Demonstrieren Sie in Zukunft weiter?

Ja, solange wir keinen anderen inneren Eindruck haben. Wir haben den Namen Pegida Frankfurt-Rhein-Main gewählt, weil er national und international zu einem Markennamen geworden ist. Ob wir diesen beibehalten können, wird sich anhand der aktuellen Entwicklungen in Dresden und anderswo zeigen. Auch wenn die einzelnen Ableger der Pegida selbstständig sind, müssen wir immer wieder prüfen, ob wir richtig liegen. Hier heißt es, sensibel zu sein. Wir begrüßen ausdrücklich die neue Initiative der Gebetsgruppe der Evangelischen Allianz Frankfurt. Das ist vorbildlich und die richtige Reaktion auf die Ereignisse der vergangen Woche. Möge unser Herr Jesus Christus aus diesen und den kommenden Veränderungen eine Erweckung für unser Land entstehen lassen, die wir so dringend brauchen.

Frau Mund, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Moritz Breckner. (pro)

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