Gesellschaft | 10.02.2016

Zwei Drittel der Deutschen würden, wenn sie fasteten, auf Alkohol verzichten

Zwei Drittel der Deutschen würden, wenn sie fasteten, auf Alkohol verzichten
Foto: Martin Krolikowski, flickr | CC BY 2.0

Fasten: Lieber ohne Alkohol als ohne Internet

Die sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern sind laut Kirchenjahr Fastenzeit. Eine Studie der DAK-Krankenkasse ergab: Vor allem Jüngere finden fasten sinnvoll. Aber auf das Internet wollen immer weniger verzichten.

Alkohol und Süßigkeiten – darauf könnten die Deutschen am ehesten verzichten, wenn sie für mehrere Wochen fasten würden. Das gaben zwei Drittel der Fasten-Symphatisanten an, die das Forsa-Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit dazu befragte. Für ein Drittel der Deutschen kommt Fasten laut der repräsentativen Studie jedoch gar nicht infrage.

Besonders junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren halten es für sinnvoll, einmal für mehrere Wochen auf ein Luxus- oder Konsumgut zu verzichten: Von ihnen sprachen sich zwei von dreien dafür aus. Bei den über 60-Jährigen war es nur gut jeder Zweite. Allerdings gibt es je nach Alter auch unterschiedliche Präferenzen des Verzichts: Fleisch können beispielsweise diese beiden Altersgruppen eher weglassen als die 30- bis 59-Jährigen. Wer über 60 Jahre alt ist, verzichtet dafür am wenigsten gern auf das Fernsehen.

Das Internet – sei es über Smartphone, Spielekonsolenoder den Computer genutzt – ist privat nur für jeden Fünften für mehrere Wochen verzichtbar. Das werden seit den zurückliegenden Jahren immer weniger: 2014 gaben noch 31 Prozent der Befragten an, sich davon vorübergehend verabschieden zu können, im vergangenen Jahr waren es 27, in diesem nur noch 21 Prozent. Vor allem für die junge Generation zwischen 14 und 29 Jahren ist der Verzicht auf digitale Medien offenbar schwierig. Nur 12 Prozent von ihnen wären dazu bereit.

Fasten ist vom religiösen Sinn entleert

Von denen, die eine Auszeit vom Internet nehmen würden, gaben die meisten – 59 Prozent – als Motiv an, weniger Stress haben zu wollen. Mehr als die Hälfte versprach sich davon mehr Zeit für sich selbst, für Freunde oder zum Schlafen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte dazu fest: „Das hat nichts mehr mit dem klassischen Fastenziel (ab in die Wüste, Gott suchen und dem Teufel begegnen) zu tun, sondern ist pure Sorge um sich selbst.“

Auch die Süddeutsche Zeitung thematisierte die Studie am Mittwoch in einem Kommentar. Dabei bemerkte sie, dass dem Fasten zum Teil Ähnliches widerfahren sei wie auch „manch anderer kirchlichen Institution, die von einem schleichenden Prozess der Säkularisierung erfasst wurde“. Statt um Frömmigkeit gehe es eher um sportlichen Ehrgeiz. „Man berichtet einander von Erfolgen, die eigentlich der Intimsphäre angehören“ – schließlich habe Jesus darauf hingewiesen, dass Fasten im Verborgenen geschehen solle. Alles andere sei Heuchelei.

Obwohl das Fasten während der Passionszeit eine christliche Tradition ist, tauchen religiöse Motive in der Studie nicht auf. Die Krankenkasse sowie das Forsa-Institut haben bis Redaktionsschluss nicht auf eine pro-Anfrage dazu geantwortet.

Dass auch Online-Fasten gut sei für die persönliche Ausrichtung auf Gott, darauf wies der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick beim Aschermittwoch der Künstler in Nürnberg hin: „Wer ständig online ist für alles und jeden, der ist offline für Gott und betrügt sich damit um die beste aller Kommunikationen.“ Es sei wichtig, sich Zeit zur Besinnung zu nehmen, um besser auf Gott zu hören und dadurch die Wahrheit zu erkennen. Der Katholik ermutigte dazu, einmal auf Smartphone, Tablet oder Computer zu verzichten. Die Fastenzeit wolle „entstauben, damit das, was wirklich Wert hat, umso mehr glänzt“. Mit Gott komme die Hoffnung nicht abhanden. Die Beziehung zu ihm mache das Leben heil. (pro)

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