SUCHE 
NachrichtenFernsehenRadioInternetPolitikWirtschaftGesellschaftPädagogikJournalismusBücherFilmMusikKommentarVideos
 
Gesellschaft

Sind Evangelikale "extrem diskriminierend"?

Für die Journalistin Oda Lambrecht sind alle Evanglikalen Fundamentalisten. Der Vorsitzende des evangelikalen Dachverbandes "Deutsche Evangelische Allianz", Jürgen Werth, sieht es gerne, wenn Christen in seinem Netzwerk schlicht "intensiv evangelisch" genannt werden. Auf dem Kirchentag in Dresden debattierten beide über den Unterschied zwischen Evangelikalen und Landeskirchlern. Im Mittelpunkt stand wie so oft die Frage nach der Bewertung von Homosexualität.

Bild 1 von 3

"Nicht alle Evangelikalen sind Fundamentalisten – aber alle Fundamentalisten bezeichnen sich als Evangelikale." Mit diesen Worten eröffnete Annette Kick, Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Württembergischen Landeskirche, am Freitag eine Debatte um die Frage "Sind Evangelikale Fundamentalisten?". Werth bemerkte, dass die Begriffe in den letzten Jahren "durcheinander geworfen wurden", etwa im Zusammenhang mit der Koranverbrennung des Pastors Terry Jones in den USA, der laut Werth "offen als evangelikal tituliert" worden, in Wahrheit aber "einfach nur durchgeknallt" sei.

Für Lambrecht, Mitautorin des Buchs "Mission Gottesreich", sind Evangelikale ohne wenn und aber Fundamentalisten, teilten die Welt in Schwarz und Weiß, seien der Meinung, dass Homosexuelle gerettet werden müssten, wollten Muslime missionieren, erkannten die Naturwissenschaften in Teilen nicht an und seien somit "extrem diskriminierend". "Ich denke als Christin auch, dass ich die richtige Religion habe", verteidigte Landeskirchlerin Kick die Evangelikalen daraufhin, und weiter: "Wenn Sie alle in einen Topf werfen, bin ich auch in dem Topf."

Werth entschuldigt sich bei Homosexuellen

Werth betonte, es sei die Pflicht jedes Christen, Respekt vor den Menschen zu haben. In diesem Sinne entschuldigte er sich im Namen der Allianz bei Homosexuellen, die Diskriminierungen erfahren hätten. "Ich persönlich bin der Meinung, dass Homosexualität nicht dem Schöpfungsgedanken Gottes entspricht, aber ganz vieles, was wir heute tun, entspricht dem nicht", erklärte er weiter. Werth wies aber auch auf eine "unglaubliche Aggressivität" hin, mit der Schwulen- und Lesbenverbände gegen evangelikale Christen vorgingen. Für Lambrecht ist das ein "unauflösbarer Widerspruch". Werth könne sich nicht entschuldigen, zugleich aber die Lebensweise Schwuler und Lesben als nicht gottgewollt darstellen.

Kick warb am Ende der Debatte für eine Annäherung von Landeskirche und Allianz. Die "Grabenkämpfe der 60er und 70er Jahre" seien zu beenden. Vielmehr sollten Christen "Verbündete für ein lebendiges Umgehen mit der Bibel" sein. Dem stimmte Werth zu: Landeskirche und Allianz sollten "zusammenstehen und Unterschiede aushalten", erklärte er. (pro)


VON: aw | 03.06.2011

Kommentar
Name
E-Mail
Name
E-Mail
Kommentar
 

Kommentare [11] >>>

  • Charly | 03.06.2011 15:03:34

    Wenn ich die nun reichlich erfolgten Publikationen und Äußerungen von Oda Lambrecht verfolge, komme ich nicht umhin, in ihr eine Fanatikerin zu sehen die in ihrer Weltsicht extrem eingeschränkt ist. Immer wieder beweist sie, dass sie anscheinend nicht in der Lage ist komplexere Strukturen zu erfassen und sich lieber in einfache Erklärungsmuster flüchtet. Ihre sogenannte "Sachkenntnis" über Evangelikale ist in meinen Augen schlicht nur albernes Geschwätz. Ich finde es albern, einen solchen Menschen dann auch noch zu Diskussionen einzuladen. Das dabei nur Murks herauskommen kann, liegt auf der Hand. Ich frage mich aber auch, warum bestimmte Evangelikale den Eindruck vermitteln, als stünden sie unter den Zwang sich der vermeintlichen Gesellschaftsmeinung anzubiedern. Ich finde es nicht konstruktiv zu lesen, wie Jürgen Werth mit alternativen Begriffen hantiert und letztlich damit nur unglaubwürdig wird. Warum sollten wir Christen uns darum schämen Christen zu sein? Warum solche abenteuerlichen Bezeichnungen suchen um sie morgen wieder durch neue zu ersetzen? Wenn ich nicht zu dem stehen kann was ich bin, sollte ich nicht vertreten zu sein, was ich vorgebe zu sein. Jürgen Werth ist auf jeden Fall keiner, der mich und meine Art zu glauben vertritt. Warum sollten wir Christen uns schämen Meinungen zu haben und sie zu vertreten? Nur weil eine populäre "political correktnes" das angeblich erfordert, die morgen wieder ganz anderes fordert? Die Vertreter der "political correktnes" hingegen sind in ihrem Auftreten dominant und übergriffig. Wie naiv solchen etwas zuzugestehen, weil wir nicht bereit sind zu uns zu stehen. Wer besonders laut, unverschämt und unreflektiert auftritt hat damit dann auch schon Recht und wir entschuldigen uns dafür, eine Meinung zu haben? Geht es noch?

  • 1
  • 2
Musik

"Songtalent"-Gewinner im Interview

Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...

Nachrichten

Kirchentag in 3 Minuten

Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...

Internet

Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower

Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...



PRO Medienmagazin PRO Kompakt PRO WerteBibliothek

© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de