"Liebe wird oft überbewertet"
"Nicht so wichtig, wie man denkt"
"Die Liebe ist nicht so wichtig, wie man denkt. Die Liebe bläht sich auf. Die Liebe hört oft einfach auf. Sie ist zur Ersatzreligion geworden", provoziert die Schriftstellerin und Sängerin Christiane Rösinger mit ihrer Aussage.
Der Text selbst könne nichts dafür. "Er sagt uns ja nicht, welche Art von Liebe er meint." Aber heute werde er auf die Paarbeziehung reduziert. Daraus werde abgeleitet, dass man ohne Partner nichts sei. "Schon Kinder werden aufeinander gehetzt, schon 13-Jährige haben es verinnerlicht: Ohne Freund oder Freundin bist du nichts." Dass das mit der Zweierbeziehung nicht funktioniere, sehe man dagegen an den Scheidungsraten. "Und wer sich nicht trennt, ist meistens noch schlimmer dran", vermutet sie.
Für Christiane Rösinger ist die "Liebeshelferindustrie", die "ganzen Geschäftszweige, die uns fit für die Liebe machen sollen", ein Produkt des "Systems voller Fehler", ein Produkt der Liebe. "Liebe ist nur ein Teilaspekt des Lebens. Und die anderen Teile sind auch nicht schlecht", bilanziert sie.
Hochaktuelles Thema, das auch die Politik betrifft
Die stellvertretende Vorsitzende der Partei "Die Linke", Sahra Wagenknecht, meint, es scheine ungewöhnlich, vielleicht anmaßend, dass eine Atheistin und Sozialistin über einen Bibeltext schreibt. Aber das Thema sei "hochaktuell" und betreffe auch die Politik.
Die Liebe ist für die Politikerin der Richter des Kapitalismus und das Fundament des Sozialismus. Wer die Liebe anerkenne, müsse mit Unbehagen sehen, dass "nur noch zählt, was sich rechnet", dass "Habsucht, Egoismus, Gier, Geiz, soziale Ignoranz – am stärksten kultiviert werden". Liebe sei wegen "McDonald's – Ich liebe es", Facebook-Freundschaften und der kitschigen Romantik der Medien, ein "leeres Füllwort".
Der Sozialismus sei hingegen "eine Widerstandsbewegung gegen die Zerstörung der Liebe in der gesellschaftlichen Wirklichkeit", zitiert Wagenknecht den Theologen Paul Tillich. Dass "Menschen nach Nützlichkeitskriterien bewertet" werden, anstatt "sich darum zu kümmern, dass alte Menschen liebevoll versorgt werden", sei "des Menschen nicht würdig. Wir haben etwas besseres verdient", fordert sie.
Nur begrenzt zur Liebe fähig
"Die Liebe ist mehr als Gefühl", schreibt dagegen der Benediktinermönch und Bestsellerautor Anselm Grün. Er übernimmt die "christliche" der drei Antworten. Paulus schreibe nicht von begehrender oder von Freundesliebe, sondern von der "agape"-Liebe. Sie sei eine göttliche Kraft, die uns geschenkt ist. Diese Liebe sei keine Forderung, kein Sollen. Im Gegenteil: "In wem diese Liebe ist, der ist einfach fähig, gütig zu sein." Gleichzeitig seien wir aber nur begrenzt zur Liebe fähig, denn wir sind Menschen. Damit sollen wir uns "aussöhnen und uns von der begrenzten Liebe auf die unbegrenzte Liebe auf den Grund unserer Seele verweisen lassen." Und dieser Grund sei Gott. (pro)
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Frankenwälder | 27.07.2012 10:06:24
»Die Liebe ist ... das Fundament des Sozialismus.« Ach so! Und aus dieser "Liebe" heraus werden dann Menschen bevormundet, Andersdenkende verfolgt und ihrer Grundrechte beraubt. Sozialistische "Liebe" ist, seit es sie gibt, der Anlass, Menschen zu unterdrücken, die Meinungs- und Religionsfreiheit außer Kraft zu setzen, das freie Reisen zu verbieten. Man muss sie ja vor ihrem freien Willen "schützen"! Auch, wenn ich Herrn Grün nicht immer in allem zustimmen kann: Im Bezug auf die Liebe hat er vollkommen Recht!