Blasphemie-Debatte: Man darf, aber muss nicht alles sagen
Kunst muss riskant sein (dürfen)
"Der Grund, warum wir diese Diskussion führen müssen, ist, dass Meinungs-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit, die von nationaler Gesetzgebung geschützt (oder eingeschränkt) wird, durch Migration und Telekommunikation heute per se in einem transnationalen Kontext stehen, den Mosebach übersieht." Einig sind sich Mosebach und Leggewie aber darin, dass Kunst riskant sein müsse: "Aber daraus zu folgern, die Einschränkung der künstlerischen Freiheit täte der Kunst per se gut, wäre frivol." Dann hätte Vaclav Havel seine Briefe als Dissident weder schreiben noch den Bürgeraufstand anzetteln dürfen.
Mosebachs Aussage, dass das Grundgesetz auf einem christlichen Gott fußt, widerspricht Leggewie, "selbst wenn Passagen des Grundgesetzes erkennbar in christlicher Tradition formuliert worden sind": Die Gottesformel in modernen Verfassungen beziehe sich definitiv nicht auf einen bestimmten Gott, "und wenn die Urheber des Grundgesetzes von Gott geredet haben, ist aus die invocatio Dei nachträglich keinerlei Schutz- und Förderpflicht für das Christentum zu konstruieren".
Nicht schützend vor Überzeugungen, sondern vor Personen stellen
Der Staat habe keine Möglichkeit, sich juristisch schützend vor Überzeugungen zu stellen, denn er könne und dürfe "nicht definieren, was daran (richtig) religiös ist". Dagegen könne er sich schützend vor Personen stellen, "denen einflussreiche Gruppen zur Bekämpfung einer Häresie oder Gotteslästerung den Mob auf den Hals hetzen". Jede Verschärfung des Blasphemie-Verbots würde aus Leggewies Sicht neues Öl ins Feuer gießen: "Hier in einer klammheimlichen oder offenen Wiederkehr der Blasphemie nach dem Strafrecht zu rufen, wie es Mosebach tue, wäre eine fatale Entwicklung, die zur inneren "Zensur oder zur offenen Unterdrückung der in Artikel 19 dargelegten Meinungsfreiheit führen kann". Hilfreicher sei eine zivilgesellschaftliche Debatte, wie sie gerade stattfinde, bilanziert der Politikwissenschaftler, der als Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen tätig ist. (pro)
Kommentare [2] >>>
Warum eigentlich noch heiraten?
Liebe Evangelische Kirche in
Deutschland,
natürlich werden sich evangelikale
Christen über Deine neue Orientierungshilfe zum Thema Familie
aufregen, das ist so absehbar wie die Regenbogenfahne auf dem
Christopher Street Day. Als gläubige Frischverheiratete stört mich etwas ganz anderes an der Art, wie Du Familie "neu denkst".
Probleme inklusive
Seit vier Jahren hat jedes behinderte Kind in Deutschland ein Recht darauf, eine Regelschule zu besuchen. Doch die Umsetzung der Bildungsinklusion verläuft schleppend. Schüler und Lehrer bemängeln, es fehlten Finanzen und pädagogische Konzepte. Hubert Hüppe (CDU) ist Beauftragter der Bundesregierung für die Belange Behinderter und ein Kämpfer für die Inklusion. Im pro-Interview stellt er sich der Kritik. mehr ...
Watergate hoch zehn
Wie fänden Sie es, wenn jemand Ihr E-Mail-Passwort herausbekommen hätte? Oder Ihren Facebook-Account gehackt hätte? Es ist ein seltsames Gefühl, wenn jemand so in die Privatsphäre eindringt. Genau das - nur in millionenfacher Ausführung - ist passiert. Die amerikanische Regierung kann alle Ihre E-Mails lesen, Ihre Online-Fotos einsehen, Ihre Chats nachverfolgen und Ihre Skype-Gespräche mithören. Das steht seit letzter Woche fest. mehr ...
Getötet, weil sie Christen waren
Die Ehemänner von Damaris und Esther aus Nigeria wurden 2010 ermordet. Anhänger der islamistischen Gruppe "Boko Haram" erschossen sie, weil sie Christen waren. Mit pro sprachen ihre Witwen über die Hilfe, die sie durch die christliche Hilfsorganisation "Open Doors" erfuhren. mehr ...
Vom Waisenkind zum Top-Manager
Als Kind wurde er in ein Waisenhaus gesteckt, weil seine Mutter psychisch krank war und Drogen nahm. Sein Vater versuchte sich selbst umzubringen. Nichts deutete darauf hin, dass der heute 59 Jahre alte Rob Mitchell einmal eine Karriere als Wertpapierhändler machen würde. Mit pro sprach der Amerikaner über die Schwierigkeit zu vergeben und was man gegen Einsamkeit tun kann. mehr ...
© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de



























Sommer Jürgen | 08.07.2012 17:51:37
Die Männer und Frauen des Grundgesetzes waren alle Christen. Für sie waren Allah usw. Götzen. Wenn Sie von Gott sprechen, sprechen sie vom Vater Jesu Christi. Wenn sie von Ehe sprechen, dann nur zwischen Mann und Frau. Wir müssen das Grundgesetz im Verständnis der Schreiber lesen und nicht in unserem heutigen Verständnis der Worte umdeuten.
beobachter | 03.07.2012 05:38:03
das sind ja alles nette worte, aber total am thema vorbei. in der praxis darf mit meinem christlichen gott gemacht werden was gerade in den kram passt. die äusserrungen beim papstbesuch sind da ein bsp. was ich unter blasphemie subsummieren würde ist was anderes, kritik an linken positionen und das eintreten für klassische familie, wenn eltern selber ihre kinder betreuen wollen wird das politisch immer unmöglicher gemacht. die wortwahl beim thema betreuungsgeld macht das deutlich. nebenbei bemerkt wenn ein fraunbild geschaffen wird in dem es nur um beruf und geldverdienen geht und kinder keinen platz mehr haben, wundert es da noch wen das die gesellschaft insgesamt genau das macht eben keine kinder mehr bekommt? oder kritik an zuwanderrung bzw dem umgang damit. srazin hat das deutlich gezeigt das kritik an einigen gesellschaftlichen aspekten schlicht unter strafe stehen. zuletzt sei noch kritik am islam genannt. im gegensatz zu kritik gegenüber dem christentum wird das ja schon mit dem kunst begriff islamophobie belegt und gesellschaftlich verteufelt.