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Gesellschaft

Steht ein Manager vor der Himmelspforte...

Die Chance von Managern in den Himmel zu kommen, die Höhe ihrer Gehälter und die Frage, ob der Staat Untergrenzen für menschenwürdige Arbeit ziehen muss, erörtert der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in einem sechsseitigen Interview in der aktuellen Ausgabe des "Handelsblatts". Hauptkritikpunkt des Theologen ist der "wild gewordene Kapitalismus".

Damit hat es der Bestseller-Autor auch auf das Titelbild der Wirtschafts- und Finanzzeitung geschafft. Der 58-Jährige plädiert dafür, sich als Kirche nicht zurückzuziehen, sondern sich allein schon mit dem Verweis auf das Evangelium zu engagieren: "Der Glaube an einen Gott, der die Welt unbedingt liebt, stört den selbstzufriedenen Weltenlauf, stört Selbstgenügsamkeit und die Versuchung, sich über andere zu erheben und womöglich selbst als Mittelpunkt der besten aller Welten zu sehen." Bei den aktuellen europäischen Problemen fordert Marx eine europäische Solidargemeinschaft: Die Länder müssten verbindlich zusammenstehen und im Sinne der katholischen Soziallehre eindeutig das Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" umsetzen.



Reich werden mit einem "entfesselten kapitalistischen System"



Ein weiterer Schlüssel zur Lösung der globalen Probleme liegt aus Marx Sicht in der Rückkehr von Vertrauen. Es sei gesellschaftlich problematisch, dass man mittlerweile ohne große Anstrengungen in einem "entfesselten kapitalistischen System" reich werden könne. Auch die Fixierung auf die Aktienkurse heißt der Theologe nicht gut. Dies führe einerseits zu einer zu engen Sicht der Dinge und zum anderen liege auch viel Kreativität in Mittelstand und Handwerk.



Im Hinblick auf die voranschreitende Globalisierung wünscht sich Marx, dass sich die "Ideen von Menschenwürde" auch im Arbeitsverhältnis und in der Art und Weise, "wie wir Handel miteinander treiben" durchsetzten. Managern und Bankern müsse man folgendes klar machen: "Es wird nicht reichen, wenn sie in den Himmel kommen und sagen: 'Ich war nie vorbestraft, ich habe also hier Zutritt.'" Dies reiche für keinen Menschen aus, um ein moralisches Subjekt zu sein.



Am Ende seines Lebens Verantwortung für etwas abzulegen, bedeute auch, sein Leben als Gottes Gabe zu begreifen, "die ich gestalten muss. Das ist ein riesiger Impuls, der das Abendland geprägt hat, es angespornt hat, besser zu werden, nach vorne zu gehen." Bei den Menschen bestünde allerdings häufig die Gefahr, diese Verantwortung zu vernachlässigen, weil sie auf den braven Gott verwiesen, der all ihr Tun brav abnicke.



Familie und Religion schützen



In dem Interview formuliert Marx auch seine Erwartungen an den Staat. Dieser könne zwar keine Werte produzieren, aber sie zumindest wertschätzen: "Das heißt, der Staat sollte die Orte schützen und wertschätzen, wo Werte entstehen, wo sie gelebt werden, wo Solidarität, Mitgefühl, auch Scham und Ehrgefühl heranwachsen. Das sind vor allem Familie und Religion", so der Theologe. Zudem müsse der Staat eine Untergrenze für menschenwürdige Arbeit ziehen. Kritisch sieht Marx die unverhältnismäßigen Abstände der Gehälter von Arbeitnehmern und Managern: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Marktwirtschaft Schaden nimmt, wenn wir hier ein wenig mehr schauen, dass die Proportionalität angemessener wird." Trotzdem seien die Menschen durch das achte Gebot gefordert, nicht die Reichtümer anderer zu begehren, "selbst zur Ruhe zu kommen und nicht das haben zu wollen, was den anderen gehört".



Auch zur Diskussion um das Betreuungsgeld bezieht Marx Stellung: "Wir brauchen auf der einen Seite schon Möglichkeiten, dass Eltern Arbeit und Familie verbinden können. Wir brauchen aber auch einen sehr sorgsamen Blick auf die ersten Lebensjahre des Kindes." In der Debatte müsse deutlich werden, dass "die Familie und ihre Leistung nicht ersetzt werden können". Das Leitbild der Kirche werde die "verlässliche Verbindung von Mann und Frau mit der Offenheit für Kinder bleiben". Der Staat könne kein Ersatz für die Familie sein.



Ein Plädoyer für den Menschen


Reinhard Marx wurde 1953 im westfälischen Geseke geboren. Sein Studium absolvierte er unter anderem in Paris und Paderborn. Nach seiner Station als Weihbischof in Paderborn wurde er später Bischof von Trier. 2007 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von München und Freising, im November 2010 zum Kardinal. Als Theologe beschäftigte er sich immer wieder mit sozialpolitischen Fragen. Sein 2008 veröffentlichtes Buch trägt den Titel "Das Kapital: Ein Plädoyer für den Menschen", in dem er mit dem "wild gewordenen Kapitalismus" abrechnet. (pro)

VON: jw | 18.05.2012

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Kommentare [1] >>>

  • Günter Ossa | 20.05.2012 00:52:21

    Das einzige Evangelium, das dieser Mann kennt ist das der Sozialisierung. Ich habe ihn noch nie klare Worte aus der Schrift sprechen hören. Das was er sagt kann von jedem x-beliebigen Ethiker auch hervorgebracht werden. Dieser Mann ist gefährlich, weil er das Evangelium auf das Wohltätige reduziert, aber was sagt Jesus "Arme werdet ihr immer haben". Er spricht hundertprozentig die Sprache eines christlichen Sozialisten. Damit will er sich als Gutmensch darstellen und ist doch nichts anderes als ein Pharisäer im modernen Gewand. Er gehörte mit zum Ethikrat nach dem Fukushima Unglück und ist mit verantwortlich für die verfehlte Energiepolitik in Deutschland, die keine Sicherheit bringt und immer teurer wird. Noch nie habe ich ihn reden hören zur Abtreibungspolitik in Deutschland. Noch nie hat er etwas zum Werteverfall in Deutschland gesagt. Noch nie habe ich ihn klare Worte zum Islam reden hören, eine Religion, die sich in der ganzen Welt unter dem Schutz von Sozialisten aggressiv ausweiten kann. Was für ein Mensch.

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