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Gesellschaft

Homeschooler erhalten Asyl in den USA

Die Familie Romeike aus Bietigheim-Bissingen wohnt bereits seit April vergangenen Jahres im US-Bundesstaat Tennessee. Und das aus einem besonderen Grund: Die Eltern unterrichten ihre Kinder zu Hause, ein Umstand, der in Deutschland der Schulpflicht widerspricht. Jetzt gewährte ein US-Gericht der Familie Asyl.

Das Urteil von Richter Lawrence O. Burman vom US-Gericht in Memphis (Tennessee) könnte weitreichende Folgen haben – und zwar für alle Familien in Deutschland, die ihre Kinder zu Hause unterrichten. Genaue Angaben zu Zahlen gibt es nicht, Experten gehen von etwa 500 Kindern aus, die in Deutschland aus unterschiedlichen Gründen zu Hause unterrichtet werden.

Nach Angaben der "School Legal Defense Association" (HSLDA www.hslda.org), eines Verbandes, der "Homeschooling"-Familien vertritt, begründete Richter Burman seine Entscheidung, der aus Deutschland stammenden Familie Romeike Asyl in den USA zu gewähren, unter anderem mit dem Hinweis auf die Situation der Familie in ihrem Heimatland. 

"Gut begründete Furcht vor Verfolgung"

Die HSLDA zitierte den Juristen auf ihrer Internetseite mit den Worten: "Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, sind eine besondere soziale Gruppe, die die deutsche Regierung zu unterdrücken versucht. Diese Familie hat eine gut begründete Furcht vor Verfolgung. (...) Daher steht ihr Asyl zu, und das Gericht wird ihr Asyl gewähren." Zwar könne sein Land nicht von jedem Staat erwarten, dass dieser die US-Verfassung befolgt, so der Richter weiter. "Aber die Welt wäre ein besserer Ort, wenn dem so wäre."

Mike Donnelly, Jurist und Experte in Fragen von Homeschooling, begrüßte das Urteil. "Es ist beschämend für Deutschland, denn ein westlicher Staat sollte die grundlegenden Menschenrechte anerkennen, zu denen die Erlaubnis für Eltern gehört, ihre eigenen Kinder zu betreuen und zu unterrichten", sagte Donnelly.

Das Elternpaar hatte sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, mit seinen fünf Kindern in die USA auszureisen, nachdem der Druck auf sie zu groß wurde, ihre Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken. Uwe und Hannelore Romeike sind Christen. Anders als in den USA oder zahlreichen europäischen Staaten ist der Unterricht zu Hause in Deutschland verboten. Der Grund: In Deutschland besteht für Kinder Schulpflicht – in anderen Staaten Unterrichtspflicht.

In Deutschland stand die Familie viele Jahre im Konflikt mit den Behörden. Als sich die Romeikes 2006 weigerten, die Kinder wieder zur Schule zu schicken, erhielten sie zunächst einen Brief vom Bürgermeister, laut dem sie 30 Euro Strafe für jedes Kind zahlen müssten. Als die Eltern sich weigerten, stand die Polizei vor der Tür.

"Wir wollten die Tür nicht aufmachen, aber die Polizisten haben 20 Minuten lang an der Tür geklingelt", berichtete der Familienvater im Frühjahr gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Sie riefen uns an, sprachen auf den Anrufbeantworter und sagten, sie würden die Tür aufbrechen, wenn wir sie nicht öffnen würden. Dann öffnete ich schließlich." Die Polizisten nahmen die weinenden Kinder mit und brachten sie zur Schule. Die Eltern mussten mehrere hundert Euro Strafe zahlen. Nachdem die Familie 2007 ein Gerichtsverfahren verloren hatte, entschlossen sie sich zur Ausreise in die USA.

In den USA werden etwa 1,5 Millionen Kinder zu Hause unterrichtet. In Deutschland lediglich 500, schätzen Experten. Eltern, die ihre Kinder nicht in eine staatlich anerkannte Schule schicken, drohen Strafen, die bis zu einer Haft reichen können.

VON: AD | 27.01.2010

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Kommentare [17] >>>

  • js176806 | 12.02.2010 13:03:22

    @S. Wie Sie sich Mission vorstellen, haben Sie bereits in einem anderen Strang eindrucksvoll dargelegt. Ich habe nicht über Sie gerichtet, ich habe Sie beim Wort genommen. Wenn Sie später über Ihre eigenen Aussagen stolpern, ist das Ihr Problem. Die von Ihnen angesprochene Gesetzmäßigkeit fällt ebenso auf Sie selbst mit Ihrer Obrigkeitshörigkeit zurück. Sie verstehen (oder interpretieren) hier irgendwas genau anders rum, als es gemeint ist: Es geht um das Recht, um die freie Entscheidung zum Homeschooling. Sie tun so als ob es darum ginge, staatliche Schulen abzuschaffen. Ihr 11. Gebot lautet "Der Staat hat immer Recht". Was die alte Integrationsleier angeht, glauben Sie im Ernst, dass Staatliche Einrichtung das Integrationsproblem besser lösen können? Haben Sie es bisher geschafft? Mißerfolg als Modell?

  • js176086 | 03.02.2010 14:30:54

    @Michael S. Wie Sie sich Mission vorstellen, haben Sie bereits in einem anderen Strang eindrucksvoll dargelegt. Ich habe nicht über Sie gerichtet, ich habe Sie beim Wort genommen. Wenn Sie später über Ihre eigenen Worte stolpern, ist das Ihre Sache. Die von Ihnen angesprochene Gesetzmäßigkeit fällt ebenso auf Sie selbst mit Ihrer Obrigkeitshörigkeit zurück. Sie verstehen (oder interpretieren) hier irgendwas genau anders rum, als es gemeint ist: Es geht um das Recht, um die freie Entscheidung zum Homeschooling. Sie tun so als ob es darum ginge, als ob das Recht auf staatliche Schulen abgesprochen werden soll. Ihr 11. Gebot lautet "Der Staat hat immer Recht". Was die alte Integrationsleier angeht, glauben Sie im Ernst, dass Staatliche Einrichtung das Integrationsproblem besser lösen können? Haben Sie es bisher geschafft? Mißerfolg als Modell?

  • Michael S. | 01.02.2010 10:11:39

    Ich glaube wir sollten hier nochmal etwas Struktur reinbringen: ich trenne zwischen "weltlichen" und "geistigen" Gründen. Aus "weltlicher Sicht" teile ich viele Bedenken gegen die schulische Ausbildung in diesem Land. Wenn bei meinen Kindern die Schulfrage sich stellt, werde auch ich mir Privatschulen anschauen. Dies stammt aus dem Bedürfnis, den Kindern die beste Bildung mit auf den Weg zu geben. Allein aus "geistiger Sicht" sehe ich dazu keinen Grund. Paulus hat in 1.Röm 13, 1ff. geschrieben, wir sollen die Gesetze der Welt halten und nicht unter Berufung auf den Glauben staatliche Gesetze ablehnen. Und das gilt erst einmal. Das Argument der "Versuchung" der Kinder finde ich fadenscheinig. Auch die Freunde aus dem Fußballverein zeigen den Kindern schnell, wie die "normale Welt" aussieht.

  • Meier-Müller | 31.01.2010 08:24:45

    Einfaches Thema, aber nur für die an Jesus Gläubigen. Die staatliche Schule möchte zwar neutral sein, aber eine wirkliche Neutralität gibt es nicht. Der Unterricht bereitet die Schüler lediglich darauf vor, einen Beruf ausüben zu können-nicht mehr, nicht weniger. Alle anderen ethisch moralischen Fragen, die die Kinder haben, werden bestenfalls auf "zeitgeist" Niveau bearbeitet, aber nicht beantwortet. Das spüren die Menschen heute immer mehr, ohne es wirklich benennen zu können. Die Wahrheit, wie sie die Heilige Schrift als einzige vermittelt, bleibt den Kindern vorenthalten, damit auch die Möglichkeit, ein sinnerfülltes Leben zu leben. Nur Jesus Christus ist die Wahrheit, der Weg und das LEBEN! Nur mit Jesus in meinem Herzen gelingt es mir, gute Entscheidungen zu treffen. Kein Wunder, dass sich die Eltern gegen dieses System entschieden haben.

  • Michael S. | 29.01.2010 10:40:21

    @js176806: vielen Dank, dass Sie nicht nur über das Thema mit mir diskutieren, sondern auch direkt über meine Person richten. Ich nehme an, Sie kennen mich besser, um zu beurteilen, ob und welche Mission ich habe. Mir geht es in dieser Diskussion allein darum, den Glauben getrennt zu sehen. In der Gesetzmäßigkeit, wie ihn manche hier darstellen, "zwingt" der Glaube nicht zum Homeschooling. Wenn man manche hier liest könnte man ja auf die Idee kommen, Sie hätten das Gebot zum Homeschooling als ihr persönliches 11. Gebot gefasst. Liebe Birgit, Ihr Bericht zeigt, dass Sie Ihrem Sohn pädagogisch gut weiterentwickelt haben. Ihr Sohn ist aber auch gut integriert. Wenn ich hingegen an 7 Mio Türken denke, die auf einmal nicht mehr in staatliche Schulen, sondern in Koranschulen gehen, dann graust es mir vor dem Deutschland in 10 Jahren...

  • js176806 | 29.01.2010 07:50:32

    @Birgit B. Danke für Ihren Beitrag. Präziser und unwiderlegbarer, da auf eigene Erfahrungen und Fakten basierend, kann man es nicht ausdrücken. Sie werden aber noch feststellen, dass Herr S. sich von Tatsachen nicht beeindrucken lässt. Das zeigt sich allein an seinem letzten "Argument" für Homeschooling: "Jesus ist zu den Ausgestoßenen gegangen und hat sich kein bequemes Leben gemacht" (!!). Herr S. betrachtet Schulpflicht als Mission auf dem Rücken der Kinder. Selbst hat er keine, seine Missionsvorstellungen sollen andere umsetzen.

  • Esra Nord | 28.01.2010 23:55:05

    Ich kann Familie Romeike für ihren gerichtlichen Erfolg nur von Herzen gratulieren. Den Bedenkenträgern unter meinen Mitkommentatoren würde ich gerne vieles mit auf den Weg geben, doch die dafür nötige Ausführlichkeit würde die Zahl der für einen Kommentar zulässigen Zeichen sprengen. Deshalb hier nur einige Stichworte: Bibel- und bekenntnisfeindliche Einstellung des Europarates - Gesellschaftliche Opfermentalität und Entmündigungstendenzen statt Stärkung der Eigenverantwortung - Christliche Schulen regional nur begrenzt verfügbar - Manche als Bekenntnisschulen gestartete Schulen wie die FEBB haben ihre biblisch-christlichen Gründungsgrundsätze inzwischen völlig über Bord geworfen - Konstruktivistische Didaktik und Erkenntnistheorie ist Feind der biblischen Wahrheit - Aktuelles gesellschaftliches Leitbild in D besitzt nur noch marginal Schnittmengen mit biblisch-christlicher Ethik.

  • Birgit B. | 28.01.2010 20:44:38

    @ Michael S. In Ihrem Kommentar bestehen Sie auf KINDESwohl, sagen aber gleichzeitig: "ICH möchte..." Um wessen Wohl geht es hier wirklich? Ich habe vor vielen Jahren meinen Sohn selbst zuhause unterrichtet. Damals lebten wir in Asien, ich habe ihn also nicht aus idealistischen Gründen daheim unterrichtet; heute würde ich das jedoch tun. Als wir zurückkamen und ich meinen Sohn hier wieder einschulte, war er gleich im ersten Halbjahr der Drittbeste seiner Klasse und hatte viele Freunde. Nach Gesprächen mit der Schulleitung, wo es genau darum ging, welche lernmäßigen und sozialen Auswirkungen diese zwei Heimschuljahre in meinem Sohn bewirkt hatten, kamen alle überein, dass sie ihm sogar sehr gut getan hatten. Anstatt Homeschooling einfach über den Tisch zu ziehen und in der Luft zu zerfleddern, sollte man sich erst objektive Erfahrungen anhören. Sie haben Recht: es geht tatsächlich um das Kindeswohl, aber das sehe ich inzwischen an unseren Schulen in vielerlei Hinsicht nicht mehr gegeben.

  • Michael S. | 28.01.2010 11:26:14

    @js176806: Was veranlasst Sie zu der Annahme, dass die Grundschule in Bietigheim Bissingen einen "pervertierten staatlichen Schulbetrieb" durchführt? Meine Schwägerin ist selber Grundschullehrerin und ich weiß, mit wie viel Liebe, Fürsorge und auch geistigem Einsatz sie ihren Unterricht vorbereitet und durchführt. Es ist einfach unerträglich, dass Sie das deutsche Schulwesen derart pauschaliert darstellen. Hat Jesus gesagt, dass wir der Welt entfliehen sollen? Floh er vor der Welt? Nein, er ist zu den Ausgestoßenen gegangen, er hat sich kein bequemens Leben gemacht! Sind Sie zu einer staatlichen Schule gegangen und sind Sie daran zerbrochen? Wer die Welt nicht kennt, der kann auch niemanden aus der Welt ansprechen und ihm den Weg zum Glauben führen. Daher ist das keine Evangelisation "auf dem Rücken der Kinder", sondern durch Heranwachsende, die die Welt kennen und bewusst wissen, woran sie glauben.

  • js176806 | 28.01.2010 10:52:12

    Lieber Micheal S. Die Kinder wurden nicht von den Eltern aus dem herausgerissen, was Sie ihre gewohnte Umgebung bezeichnen und damit die staatliche Schule meinen. Es war genau umgekehrt, die Kinder wurden in einer polizeilichen Blitzaktion aus ihrer Umgebung herausgerissen und zwangsweise in die staatliche Schule deportiert. Weiter sorgen Sie sich um das Wohl der Kinder wegen kultureller Unterschiede, die in der Realität weniger ins Gewicht fallen dürften als der Kulturschock, der ihnen durch den pervertierten staatlichen Schulbetrieb widerfahren dürfte und den Sie an anderer Stelle als zumutbar und sogar als wünschenswerte Chance zur Evangelisation auf dem Rücken der Kinder erachtet haben. Ebenso dürfte Ihnen entgangen sein, dass bereits im Jahr 2008 der UN-Menschenrechtsbeauftragte Munoz in seinem Bericht Deutschland eine Rüge erteilt hat und forderte, dass Deutschland Homeschooling nicht weiter diskriminieren dürfe.

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