Schirrmacher: Christenverfolgung wird ignoriert
Nicht der Islam als Religion sei das Problem, sondern die
Verbindung von Politik und Religion mache Schwierigkeiten, so Schirrmacher, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, bei
der Veranstaltung am Donnerstag. Der Islam als Gesetzesreligion müsse endlich
eine rechtstaatliche Tradition entwickeln und sich reformieren. Nicht nur
Christen, auch liberale Muslime würden derzeit massiv unterdrückt und sollten
von Europa besonders gefördert und unterstützt werden. In Europa sei das Thema
Christenverfolgung zu lange ausgeblendet
und ignoriert worden, zitiert die Akademie Schirrmacher. Auch in Europa gebe es
Drohungen gegen Konvertiten und Moslems, die aus dem Islam austreten wollen.
Das sei inakzeptabel. Die Religionsfreiheit sei unverhandelbar.
Neben Schirrmacher waren unter anderem Pater Athanasios,
Vorsitzender der Koptischen Gemeinde in Griechenland, Altphilologe Efrem Yildiz,
Herbert Rechberger vom Hilfswerk "Kirche in Not" oder Werner
Frühwirth, Generalsekretär von "Christian Solidarity International"
(CSI) in Österreich zu dem Themenabend angereist, der in Kooperation mit dem Österreichischen
Akademikerbund veranstaltet wurde. Im Mittelpunkt des Abends stand die Lage der
Christen im Vorderen Orient.
Genozid an Christen stoppen
Weltweit würden derzeit 250 Millionen Christen verfolgt,
heißt es in einer Mitteilung der Akademie, in neun Ländern stehe die
Todesstrafe auf ein Bekenntnis zum Christentum. Pater Athanasios erklärte, Christen
dürften sich nie daran gewöhnen, dass Kirchen brennen und Kinder im Orient
zwangsislamisiert werden. Muslime und Araber, denen das Konzept der Trinität
und die jüdisch-christliche Diversität fremd sei, müssten endlich den
kulturellen Genozid an den Christen stoppen. In Ägypten zerstöre der radikale
Islam die Essenz der christlichen Gemeinschaft. Zur Zeit kämpfe die christliche
Minderheit dort um Ihr Überleben.
Efrem Yildiz betonte, dass Christen seit Beginn ihres
Bekenntnisses der Verfolgung ausgesetzt seien und forderte eine historisch-kritische
Lesart für den Koran. Auch das Judentum und das Christentum hätten von solchen Texteditionen
profitiert. Wesentlich für ein Ende der Christenverfolgung sei, dass die
Muslime Christen verstehen. Heute sei der interkonfessionelle Dialog im
wesentlichen nur ein Monolog. Für einen ewigen Frieden brauche es aber Respekt
von beiden Seiten.
Herbert Rechberger von "Kirche in Not" wies auf
die dramatische Situation der christlichen Minderheiten im Irak, Iran und Saudi
Arabien hin. Dort würden Christen "getthoisiert", jede missionarische
Tätigkeit sei verboten. Noch schlimmer sei es um die Christen in Saudi Arabien
bestellt. Der Nachrichtendienst "Kath.web" zitiert Rechberger: Rund
800.000 Christen würden im Land leben, meist Gastarbeiter aus Indien, den
Philippinen oder dem Libanon. Private Gebetsversammlungen seien erlaubt, aber jede
öffentliche nichtmuslimische Religionsausübung stehe unter Strafe und werde
verfolgt. (pro)
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Helmut Zott | 20.11.2009 21:22:43
„Nicht der Islam als Religion sei das Problem, sondern die Verbindung von Politik und Religion mache Schwierigkeiten, so Schirrmacher, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, bei der Veranstaltung am Donnerstag.“ Die religiöse Seite des Islams, die mit den “fünf Säulen des Islams” umschrieben werden kann, ist untrennbar verbunden mit der politischen Seite, die im Bedarfsfalle mit rücksichtsloser Gewalt die Interessen gemäß der Scharia durchsetzt. Diese Verbindung ist essentiell und untrennbar. Es gibt nur einen Islam.