Satire über evangelikale Christen
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In "Salvation Boulevard" (zu Deutsch etwa: "Prachtstraße der Erlösung") spielt Pierce Brosnan den charismatischen Pastor Daniel Day. Gutaussehend und erfolgreich verkörpert er vielleicht den Prototypen eines amerikanischen Fernsehpredigers, der von seiner geistlichen Tätigkeit auch im Weltlichen gut leben kann. Day will einen großen christlichen Park mit einer Glaskirche und einer eigenen Universität bauen – die "Stadt auf dem Hügel". In einer Debatte an einer Universität vor laufenden Kameras liefert er sich einen Streit mit dem Atheisten und Religionskritiker Dr. Paul Blaylock, gespielt von Ed Harris. Die Debatte verläuft in etwa so, wie man es aus der Realität von solchen Veranstaltungen erwarten würde. Der Atheist hält jede Religion für gefährlich und ursächlich für Tod und Verderben auf der ganzen Welt. Der telegene Pastor hält dem die Lebensgeschichte eines Schäfchens seiner Gemeinde entgegen, das von einem Weg des Verderbens in seine Gemeinde und damit auf den Weg des ewigen Lebens gefunden hat. Ein Gottesbeweis? Wohl kaum.
Bei dem Schäfchen handelt es sich um Carl Vanderveer (Greg Kinnear), ein schlichtes, aber doch durchweg sympathisches und irgendwie mitleiderregendes Mitglied der "Kirche des dritten Jahrtausends". Seine Bekehrungsgeschichte ist in Wirklichkeit weit weniger spektakulär, als es sein Pastor dem Fernsehpublikum glauben machen will. Carl wollte damals eigentlich nur zu einem Konzert der Rockband "Greatful Dead", landete aber aus Versehen in einem Gottesdienst.
"'Jesus, gib mir ein Zeichen!' Da wurde es grün!"
Natürlich zielt diese Komödie genüsslich auf Spleens von evangelikalen Christen ab. Vieles davon dürfte eher typisch für die amerikanische Gesellschaft sein, in vielem dürften sich aber auch deutschsprachige Christen, die gerne als "Fundamentalisten" bezeichnet werden, wiedererkennen. Im Grunde war es überfällig: Eine Parodie über die christlichen Megachurches in Amerika. Wir sehen christlichen Nippes im Alltag der Bibeltreuen – etwa eine Tasse mit dem Aufdruck "Bereit zur Entrückung" – aber auch die perfekt durchorganisierten Gotteshäuser, mit riesigem Parkplatz, einem angegliederten Schwimmbad für Taufen, mit Fitnesscenter und Kindergarten.
Es ist durchaus lustig, wenn gerade die fanatischsten Christen im Film mit der Bibel herumfuchteln, als sei es ein kleiner Dolch; oder wenn Pastor Daniel Day im Grunde die Dollarzeichen in den Augen hat, sobald er vom Bibelpark spricht, aber stets einen Bibelvers zur Hand hat, um das Mega-Projekt zu rechtfertigen. Es kann durchaus sein, dass sich manche Christen von "Salvation Boulevard" auf den Schlips getreten fühlen. Aber wirklich bissig wird der Film nicht, eher bleibt einem die meiste Zeit ein Grinsen im Gesicht haften, auch und vor allem aufgrund der sehr guten Arbeit der Schauspieler. Wirklich witzig ist der Film aber auch nicht.
Die Geschichte dreht sich um Pastor Daniel Day, der aus Versehen seinen Widersacher, den atheistischen Buchautor Blaylock, mit einer Pistole erschießt. Doch statt die Tat zu beichten, schiebt er den Unfall einfach auf sein treues Schäfchen Carl. Der verstrickt sich immer mehr in Widersprüche und gleichzeitig in nagende Zweifel an der Rechtgläubigkeit seines Pastors. Das Drehbuch basiert auf einem Roman von Larry Beinhart. Er ist Autor des Buches, das 1997 unter dem Titel "Wag the Dog" als Politsatire mit Dustin Hoffman und Robert De Niro verfilmt wurde.
So ist "Salvation Boulevard" eine nette Kriminalkomödie mit Verwechslungskomik, und erst an zweiter Stelle eine Religionssatire. Der Film enthält natürlich auch bitterböse Seitenhiebe zum Verhalten von bibeltreuen Christen – aber wen sollte das stören? Vielmehr kann es für viele auch hilfreich sein, sich diesen Spiegel vorhalten zu lassen. In einem affektierten Zeugnis für einen Werbefilm der Gemeinde strahlt Carls Frau Gwen (Jennifer Connelly) etwa in die Kamera: "Ich stand an der Ampel und betete: Jesus, gib mir ein Zeichen. Und in dem Moment wurde es grün!" Ihre Tochter muss zum "Purity-Ball", auf dem in vielen amerikanischen Gemeinden junge Mädchen einen Eid ableisten, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten. So wirklich verinnerlicht hat die Tochter diese Zeremonie aber nicht. Auch einen typischen Gottesdienst der Mega-Kirche mit viel Lobpreis sehen wir, der auf Nichtchristen befremdlich wirken kann, wenn diese bisher lediglich Landeskirchengottesdienste gesehen haben.
Es ist wenig erstaunlich, dass niemand für "Salvation Boulevard" einen großen Erfolg auf dem europäischen Kinomarkt erwartet hat. Den einen ist er wahrscheinlich zu wenig witzig, die anderen können mit einer Parodie auf ein Sujet nicht viel anfangen, das ihnen nicht vertraut ist.
Am Ende verlässt Carl übrigens seine Gemeinde. Nach dem, was ihm dort angetan wurde, ist es nicht weiter verwunderlich. Des Mordes bezichtigt, permanent gegängelt und schließlich nur durch Glück einer Hinrichtung durch Gemeindebrüder entgangen, ist er auf dem besten Weg, sich doch lieber wieder den "Greatful Dead" zuzuwenden. Im Schlussbild trifft ihn ein Blitz aus dem Himmel, und dadurch wird er von seinen Fesseln befreit. Da hat dann wohl nach all den unsympathischen und fanatischen Christen zum Schluss doch noch jemand einen Kurzauftritt, der im ganzen Film bis dahin fehlte: Gott. (pro)
"Salvation Boulevard", deutscher Untertitel: "Wer's glaubt, wird selig", DVD, 12,99 Euro, Erscheinungstermin: 25. Mai 2012, WVG Medien GmbH,
Regie: George Ratliff, mit Pierce Brosnan, Jennifer Connelly, Greg Kinnear, Ed Harris, Marisa Tomei
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Weiterführende Links zu dem Thema
- "Salvation Boulevard" in der [Internet Movie Database]
- Trailer zum Film bei [Youtube]
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Chuck | 02.07.2012 22:53:46
Eben habe ich den Film gesehen. Ich fand ihn klasse! Und tatsächlich gut recherchiert - da erkennt man so manches an Gehabe und Sprache wieder. Ich werde ihn weiterempfehlen. @gegenDis...... Nun bleib mal locker. Wer es verlernt hat, über sich selbst zu lachen, sollte nicht erwarten von anderen ernst genommen zu werden ;-) Und konstruktive Kritik an Evangelikalen - von denen ich einer bin - ist mehr wie überfällig.
gegenDiskriminierung | 27.05.2012 15:30:41
Die Leute, die solche Filme produzieren, oder hier diesen Kommentar geschrieben haben haben kein Problem die religiösen Gefühle von Millionen von Christen zu beleidigen. Warum ist solch ein Film schon lange überfällig? Warum müssen sich Nicht Christen über den Glauben von Christen lustig machen? Noch unverständlicher wird das, wenn die Kritiker von mangelnder Toleranz von Christen gegenüber anderen sprechen. Toleranz bedeutet doch ALLE zu respektieren, auch Christen. Ich habe noch keinen einzigen satirischen Film über den Islam gesehen. Warum? Aus Angst? Oder um die religiösen Gefühle von Moslems nicht zu beleidigen? Die Kritik an den evangelikalen Christen ist im Grunde ein Spiegel der Kritiker selber....
hannes | 13.05.2012 18:57:48
toller film. das ist realsatire
SChn | 12.05.2012 15:31:59
Kurz um, ein LANGWEILER...