Fernsehen | 04.03.2016

„heute-show“-Moderator Oliver Welke begann seine TV-Karriere als Sportmoderator bei Sat.1. Auch beim ZDF macht er nicht nur Comedy, sondern berichtet unter anderem über die Spiele der Champions-League und war bei der Fußball-WM 2014 im Einsatz.

„heute-show“-Moderator Oliver Welke begann seine TV-Karriere als Sportmoderator bei Sat.1. Auch beim ZDF macht er nicht nur Comedy, sondern berichtet unter anderem über die Spiele der Champions-League und war bei der Fußball-WM 2014 im Einsatz.
Foto: ZDF/Willi Weber

„heute-show“: Das Lachen bleibt im Halse stecken

Die „heute-show“ im ZDF gehört zu den beliebtesten Satiresendungen im deutschen Fernsehen. Besonders gern werden dort Konservative, Liberale und Christen veralbert. Kritiker sehen darin ein Problem – der Sender nicht. Eine Analyse von Moritz Breckner

Freitagabend in einem TV-Studio in Köln-Mühlheim: Oliver Welke, Moderator der „heute-show“, redet sich gegen die CSU in Rage. „Wie viele undurchführbare Schwachsinnsideen aus München müssen wir noch ertragen?“, ruft er. „Ich kann nicht mehr!“ Welke zeigt einen kurzen Filmausschnitt, in dem Horst Seehofer sagt, er sei sehr zufrieden, äfft dann dessen Lächeln und Atmen nach und erklärt, Seehofer sei so selbstzufrieden, das grenze an „Selbstzufriedigung“. Das soll wohl an „Selbstbefriedigung“ erinnern und deswegen lustig sein. Das Publikum honoriert den Gag und lacht.

Die „heute-show“ ist eine Satire im ZDF, die sich seit 2009 zu einer der prestigeträchtigsten Sendungen des Programms entwickelt hat. Über drei Millionen Zuschauer schalten ein, darunter viele junge Leute, die das ZDF sonst nur selten locken kann. Welke und sein Team haben 2010 den Adolf-Grimme-Preis für Unterhaltung gewonnen, in der Online-Mediathek des Senders gehört die jeweils aktuelle Folge zu den am meisten geklickten Videos der Woche. Szenen wie die eingangs beschriebene machen den Kern der Show aus, hinzu kommen ein paar Sketche mit Welkes Kollegen, darunter Lutz van der Horst, Carolin Kebekus und die Kunstfigur Gernot Hassknecht, der spezialisiert ist auf geschriene Wutreden.

Das ZDF verweist auf Nachfrage darauf, dass sich das Team der „heute-show“ über Politiker aller Parteien lustig macht, was auch stimmt, etwa dann, wenn die „Reporter“ die Parteitage von Grünen oder Linkspartei heimsuchen. Dennoch kommt es nicht von ungefähr, wenn die Tageszeitung Die Welt das Weltbild der Sendung so beschreibt: „Horst Seehofer ist schlimmer als Putin, Assad und Kim Jong-un zusammen, Amerika der wahre Feind der Menschheit, und der ‚Neoliberalismus‘ hat Griechenland auf dem Gewissen. Blutrünstiger Vollstrecker: Wolfgang Schäuble.“ Schuld am Elend in der Welt seien im politisch korrekten Kabarett im Zweifel immer „wir“, also der Westen, und vor allem „wir Deutsche“. Gerade in der Flüchtlingskrise ist die Marschrichtung der „heute-show“ klar: Wer die Parole „Refugees Welcome“ nicht vorbehaltlos teilt, ist mindstens ein halber Nazi und wird genüsslich als Dumpfbacke vorgeführt, egal ob Pegida-Demonstrant oder Bundestagsabgeordneter. Muten zuweilen schon die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie Erziehungsfernsehen an, werden Andersdenkende bei der „heute-show“ obendrein beleidigt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Wie die „Demo für alle“ vorgeführt wird

Dass sich Welke und sein Team grundsätzlich auf Konservative oder Liberale einschießen, um sie zu demütigen und mundtot zu machen, kritisierte der Ökonom Hans-Martin Esser im Weblog „Die Achse des Guten“. Gegenüber pro bekräftigt er seine Ablehnung der Show und erklärt, wie Reporter der Sendung etwa auf Demonstrationen arglose Opfer interviewen, um sie dann dem Publikum als dumm vorzuführen. „Kamera und Mikrofon in den Händen erfahrener Journalisten, wenn auch Zweitklassige ihrer Zunft, sind einschüchternd, und sollen dies auch sein“, erklärt er.

Ein Beispiel hierfür gibt es auf YouTube: „Reporter“ Lutz van der Horst besucht in Stuttgart die „Demo für alle“, eine von mehreren christlichen Initiativen organisierte Kundgebung gegen „Frühsexualisierung“ durch zu detailreichen Sexualkundeunterricht für zu junge Kinder. Geschickt lockt der Komiker die meist grauhaarigen Teilnehmer in die Falle, fragt sie nach Anal- und Oralverkehr, stellt alte Herren bloß, die fordern, in Kindergarten und Grundschule sollte nicht über Sex gesprochen werden. Das Publikum grölt aus dem Off. Satire darf zwar lustige Situationen herbeiführen, doch wird hier die oft mangelnde Medienkenntnis von Menschen ausgenutzt, um sie lächerlich zu machen.

Ähnliches machten Mitarbeiter der „heute-show“ 2014 beim „Marsch für das Leben“ in Berlin, einer Kundgebung gegen Abtreibung und Sterbehilfe. „Wen würden Sie denn heute gerne kreuzigen?“ oder „Welche Verhütungsmethoden können Sie empfehlen?“, fragten sie die Demonstranten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe roch den Braten und schritt ein, um die Interviewten zu warnen und ihnen zu erklären, dass sie für eine Comedysendung befragt werden. Nach Hüppes Darstellung wurde er vom Drehteam der „heute-show“ deswegen „körperlich angegangen, das heißt: weggestoßen“. Der Sender bestreitet dies, Mitglieder des Teams hätten nur versucht, den Dreh „abzuschirmen“, weil Hüppe die Interviews gestört habe.

Welke: Seehofer liefert verlässlich lustiges Material

Esser erklärt: „Man kann den Eindruck gewinnen, dass das ZDF, das einst besonders nah an den christlichen Kirchen stand, sich barsch von ihnen abwendet, gar einen Spaß daraus macht, Christen möglichst lächerlich darzustellen.“ Für ihn wirke dies wie ein Ausdruck pubertärer Reflexe und Komplexe, sich von den alten Wurzeln zu lösen. Fragt man den Mainzer Sender nach der politischen Linie seines Comedy-Flaggschiffs, verweist der auf ein Interview, das Oliver Welke Mitte Dezember dem Spiegel gegeben hat. Die Obsession seiner Sendung mit der CSU erklärt der Moderator dort damit, dass Horst Seehofer nun einmal zu denen gehöre, die verlässlich lustiges Material liefern. Zur Flüchtlingsdebatte fragen die Journalisten des Spiegel, warum diejenigen, die alles wunderbar finden und glauben, Deutschland werde von den Migranten nur profitieren, ungeschoren davonkommen. Welke erklärt, das Versagen der Großen Koalition bei dem Thema aufgegriffen zu haben. „Aber über das berühmte ‚Wir schaffen das‘ kann ich mich trotzdem nicht so aufregen wie viele Mitbürger“, erklärt er. „Wenn die Stimmung ohnehin emotional aufgeheizt ist, muss Politik doch erstmal mit Zuversicht dagegensteuern. Soll sie sagen: Springt alle aus dem Fenster, hat eh keinen Sinn?“ Welke weist den Vorwurf zurück, sozialdemokratisches Kabarett zu machen, und ergänzt: „Aber Pegida und die AfD, das sind Angstvampire, die wittern, dass jetzt ihre Stunde gekommen ist. Und da müssen Parteien, das sage ich jetzt privat, mit Fakten und von mir aus auch mit Zuversicht dagegensteuern.“

Auf die Frage, ob es denn seine Aufgabe sei, den „guten Deutschen“ den Rücken zu stärken, erklärt der Moderator: „Unsere Aufgabe ist, jeden Freitag möglichst gut zu unterhalten. Im Übrigen: Warum sollte ich mich in der Show lustig machen über Leute, die in ihrer Freizeit Flüchtlingen helfen?“ Welkes Antwort ist nachvollziehbar, doch bleibt dann die Frage offen: Warum macht sich Welke über Christen, die auf Demonstrationen demokratisch ihre Meinung kundtun, lustig? Ganz offenbar deswegen, weil in erster Linie diejenigen ihr Fett wegbekommen, die eine andere Meinung vertreten als die Macher der „heute-show“. (pro)

Dieser Artikel ist der Ausgabe 1/2016 des Christlichen Medienmagazins pro entnommen. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441 915 151 oder online.

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