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Fernsehen

Spanien: Anklage wegen Jesus-Satire

Nägel entfernen, Kreuz abnehmen, würzen und ab in den Ofen: Ein spanischer Kurzfilm im Stile einer Kochsendung zeigt, wie Jesus zum Verzehr zuzubereiten ist. 2004 war er im spanischen Fernsehen zu sehen. Nun steht der Produzent Javier Krahe wegen Verletzung religiöser Gefühle vor Gericht.

Den 54-sekündigen Kurzfilm "Wie man Jesus kocht" hat Krahe, einer der bekanntesten Künstler Spaniens, bereits 1978 produziert. Laut der spanischen Tageszeitung "El País" war er jedoch erst im Jahr 2004 zum ersten und einzigen Mal im spanischen Fernsehen zu sehen, im Rahmen eines Fernsehgesprächs mit dem Künstler in der Sendung "Lo +" bei dem Sender "Canal +".

Der Film zeigt die "richtige Zubereitung" von Jesus, die eine Stimme aus dem Off erklärt. Nachdem Kreuz und Nägel von einem Crucifix entfernt sind und die Jesus-Figur gewaschen ist, kommen Butter und Gewürze hinzu. In einer Auflaufform brät sie im Ofen. Nach drei Tagen ist das "Gericht" fertig. Jesus findet auf wundersame Weise von alleine seinen Weg aus dem Ofen.

Es gab bereits zwei gescheiterte Versuche, Krahe wegen dieses Films gerichtlich zu belangen. Die aktuelle Anklage führt die christlich-konservative Organisation "Tomás Moro", die sich für christliche Werte in Recht und Gesellschaft einsetzt. Die Kaution für Krahe liegt bei 192.000 Euro. Am vergangenen Montag haben die mündlichen Verhandlungen angefangen.

Krahe: Anklage substanzlos

"Das ist Unsinn", sagte Krahe laut "El País". "Ich bin für eine Reihe von Dingen angeklagt, die ich nicht getan habe. Ich habe keinen Jesus im Fernsehen gekocht. Sie nehmen einen Film zum Anlass, in dem es um mich geht, aber wo ich nicht bestimme, was zu sehen ist." Hinsichtlich des Ausgangs des Prozesses ist Krahe zuversichtlich. "Wie soll bewiesen werden, dass religiöse Gefühle verletzt wurden?" Die meisten Christen, die den Film sähen, würden sich nicht beleidigt fühlen. "Es gibt eine 95-prozentige Chance, dass der Fall eingestellt wird."

Am Vorabend der Verhandlung haben 53 Künstler einen gemeinsamen Brief veröffentlicht, in dem sie sich für Krahe einsetzen. Sie sehen den Film als Kritik an der katholischen Kirche in Spanien. "Die katholische Kirche ist eine sehr wichtige Institution mit wirtschaftlicher Macht und Einfluss auf die Moral, Bildung und letztlich auch das Leben von Millionen", heißt es darin. "So ist sie auch Anlass zu Kritik. Mit allen Mitteln."

Der 68-jährige Krahe ist als gesellschaftskritischer Liedermacher bekannt und genießt Kultstatus in Spanien. Nachdem er bereits als Regieassistent und Schauspieler unterwegs war, begann er 1980 mit seiner Musiklaufbahn. 1986 zensierte der staatliche Rundfunk sein Lied "Cuervo ingenio" ("naive Krähe"), eine Satire auf die zweideutige Ideologie der "Spanische Sozialistischen Arbeiterpartei" (PSOE). (pro)






VON: df | 29.05.2012

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Kommentare [2] >>>

  • Peter Vogel | 31.05.2012 22:58:18

    Möge die spanische Justiz den rechten Weg für ein gerechtes Urteil finden... aber auch "Künstler" den Weg zur Vergebung für diese Verlästerung.

  • Jérôme | 30.05.2012 16:46:33

    „Die aktuelle Anklage führt die christlich-konservative Organisation "Tomás Moro", die sich für christliche Werte in Recht und Gesellschaft einsetzt.“ Es sind also christliche Werte, Leute wegen ihrer (vermeintlichen) Kunst zu verklagen? Sind das wirklich die Werte einer Religion, deren Hauptschrift sagt „Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch deine andere Backe hin“? Sind das wirklich die Werte einer Religion, deren wichtigstes Buch sagt „Und wenn dich jemand verklagen will, um deine Kleider als Pfand zu bekommen, dann gib ihm auch noch den Mantel dazu!“? Ich denke: Nein. Mir scheint diese Klage eher den Werten einer quasi franquistischen Gruppierung, denn den Werten des Christentums entsprungen. Wenn es in Spanien noch immer möglich ist, Leute wegen ihrer freien Meinung oder für Kunst hinter Gitter zu bringen, dann scheint mir der Klerikalfaschismus nicht so recht überwunden. Und dabei zählt es nicht, ob der Film nun tatsächlich „beleidigend“ ist, oder nicht ...

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