Fernsehen
Debatte nach "Frontal 21" über Missionare
In der ZDF-Sendung lief der Beitrag über Missionare und Bibelschulen unter dem Titel "Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer". Moderatorin Hilke Petersen verglich in der Sendung etwa Christen mit Islamisten: "Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten."Zudem sagte die ZDF-Redakteurin in ihrer Anmoderation: "Jugendliche, die sich in Gefahr begeben: Da denkt man an Drogen oder ans Koma-Saufen - auf der Suche nach dem Kick. Doch den wollen häufig auch die, die nicht bloß aus Spaß unterwegs sind, sondern angetrieben von ihrer inneren Überzeugung: Missionare. Es gibt sie wirklich noch. Angeworben von evangelikalen Missionswerken wollen sie den rechten Glauben vor allem in solchen Weltgegenden verbreiten, die sie als 'unerreicht' beschreiben. Unerreicht von der Lehre Jesu: Und das sind weite Teile der Welt - Nordafrika, der Mittlere Osten, Asien. Willkommen sind die Verkünder des Gotteswortes dort nicht: Manche bezahlen ihr Missions-Abenteuer mit dem Leben."
In dem Beitrag kommen etwa Kursteilnehmer der Bibelschule Brake (Lemgo) zu Wort, die sich zur Gefahr äußern, denen Missionare insbesondere in muslimisch geprägten Ländern ausgesetzt sind. Im Gespräch mit der Redaktion sagt der Schweizer Theologe Georg Schmid, "aus Sicht junger freikirchlicher Menschen" sei das Martyrium "kein Nachteil". Schmid wird von der Redaktion als Vertreter des "Sekteninformationszentrums Zürich" vorgesellt, tatsächlich ist der Theologe Leiter einer kirchlichen Einrichtung, der Evangelischen Informationsstelle Kirchen-Sekten-Religionen. Die ist eine Arbeitsstelle der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und wird durch andere Kantonalkirchen der Deutschschweizerischen Kirchenkonferenz unterstützt.
Verdeckte Bild- und Tonaufnahmen
Neben der Akademie für Weltmission wurde in dem ZDF-Beitrag auch die Missionsgesellschaft "ReachAcross" thematisiert. Ein Mitarbeiter wurde von den ZDF-Reportern mit versteckter Kamera gefilmt und befragt. Wie der Direktor der Akademie in einer Programmbeschwerde an das ZDF schreibt, habe es von Seiten des ZDF im Vorfeld keinerlei Anfrage gegeben, "ob wir nicht vielleicht für ein Interview zur Verfügung stehen". Es sei zudem keine Drehgenehmigung für das Filmen in den Räumen angefragt worden. Die beiden Reporter "gaben sich als interessierte Studenten aus, die gerne selbst einen Einsatz im Ausland machen wollten und nun Informationen einholen wollten", so Hopp weiter.
Das Vorgehen der ZDF-Reporter, sich als interessierte Studenten auszugeben, bezeichnete Hopp als "zutiefst unanständig" und "absolut unnötig". Am gleichen Tag, als die ZDF-Reporter verdeckt in der Akademie tätig gewesen seien, hätten auch ein Journalist und ein Fotograf eines großen, überregionalen Magazins in der Akademie recherchiert. "Sie nahmen an Veranstaltungen teil, interviewten Studenten, Mitarbeiter und mich selbst", so Hopp. "Wir verweigern uns nicht dem 'öffentlichen Interesse' nach Information. Wir gehen auch nicht davon aus, dass eine Berichterstattung über Mission, evangelische Christen und eine entsprechende Bildungsarbeit nur wohlwollend und unkritisch sein werden."
Der Akademie-Direktor kündigte daher an, rechtliche Schritte gegen das ZDF zu prüfen, da laut Strafgesetzbuch verdeckte Bild- und Tonaufnahmen und deren öffentliche Verbreitung strafbar seien. Gleiches gelte für den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, der im Fall der ZDF-Reporter ebenfalls geprüft werde.
Verstoß gegen Paragraf 201 des Strafgesetzbuches?
Rechtliche Grundlage ist in diesem Fall Paragraf 201 des Strafgesetzbuches, der die "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" unter Strafe stellt. Demnach macht sich strafbar, wer "das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht". Paragraf 201a stellt zudem unter Strafe, wer "von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt". Eine "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" ist dann nicht gegeben, wenn "die öffentliche Mitteilung zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht wird" – wie es im Gesetzestext heißt.
Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP e.V., Wolfgang Baake, forderte in seiner Programmbeschwerde die "Frontal 21"-Redaktion auf, eine sachliche Richtigstellung zu veröffentlichen. Er warf der Redaktion vor, in dem Beitrag evangelikale Christen mit muslimischen, gewaltbereiten Fundamentalisten gleichgesetzt zu haben. "In dem Beitrag wurde bewusst der Versuch unternommen, christliche Märtyrer, die es auch heute noch gibt, zu diffamieren. Dass die christliche Kirche in ihrer 2.000-jährigen Geschichte Märtyrer hatte, wird verschwiegen. Allzu gern verweist man aber, wenn es ins politische Kalkül passt, auf Dietrich Bonhoeffer und Paul Schneider. Dass engagierte junge Christen in muslimischen Ländern wegen ihres diakonisch-caritativen Einsatzes, der aus ihrem christlichen Glauben motiviert ist, umgebracht werden, ist politisch nicht korrekt und wird deshalb auch so nicht dargestellt."
Brüdergemeinde Korntal: "Vorspiegelung falscher Tatsachen
Dieter Messner, Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, eine Mitgesellschafterin der Akademie für Weltmission, warf dem ZDF in einer Programmbeschwerde an ZDF-Intendant Markus Schächter eine "tendenziöse Berichterstattung" vor, "die Großteils durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommen ist". Die Autoren des Beitrages hätten sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zutritt ins Gebäude der Akademie für Weltmission verschafft und vorher weder um ein Interview noch eine Anfrage an den Leiter der Akademie gerichtet. "Stattdessen vermitteln sie mit einer versteckten Kamera den Eindruck, als ob man hier nur heimlich filmen könne und suggerieren damit, dass die AWM konspirativ und damit für die Gesellschaft gefährlich sei. Die Journalisten haben somit das Gastrecht der AWM sträflich missbraucht", so Messner in dem Schreiben an ZDF-Intendant Schächter.
Weiter heißt es: "Aus unserer Sicht liegt der Tatbestand des Hausfriedensbruchs vor, die Rechtsordnung wurde nachhaltig verletzt. Hier haben wir es mit einer gezielten Rufmordkampagne zu tun." Es sei "schade und sehr bedauerlich, dass sich das auch mit Gebühren vieler bewusster Christen finanzierte ZDF in die Phalanx der unkritischen und unausgewogenen Berichterstatter über die angeblich gefährlichen Evangelikalen einreiht."
Kommentare [16] >>>
Weiterführende Links zu dem Thema
- Den Beitrag sehen Sie hier im Internet: Frontal 21 [Frontal 21]
pro ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Kommentar
Was bewegt Terry Jones?
Terry Jones hat erreicht, was schon sehr lange sein Herzenswunsch war: weltweite Aufmerksamkeit. In nahezu allen Zeitungen ist sein Bild zu sehen, in aller Welt berichten Fernsehsender, überall wird sein Name genannt. Die amerikanische Außenministerin beschäftigt sich ebenso mit ihm wie die deutsche Kanzlerin und der Vatikan.
mehr ...
© 2005–2010 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de



























Charly61 | 22.08.2009 16:15:49
Möchte Tunsalle mit seinem Beitrag zum Ausdruck bringen, dass Evanglikale "Jugendliche bewußt in lebensgefährliche Situationen drängen"? Falls ja, wie ist dieser Eindruck entstanden, vielleicht durch den ZDF-Beitrag? Fakt ist, dass die in dem Beitrag zu Wort kommenden Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren weder an einem gefährlichen Missionseinsatz teilgenommen haben, noch dies auf absehbare Zeit planen. Die im Jemen ums Leben gekommenen Bibelschülerinnen hätten sich mit 24 bzw. 26 wohl als Erwachsene bezeichnet. Aber auch sie waren nicht als Missionare, sondern als Praktikanten unterwegs...
Tunsalle | 17.08.2009 01:19:27
Wie einiges in der Sendung dargestellt, verdreht und vermischt wurde, zeugt nicht von guter Recherche und unpartaischer Berichtserstattung. Aber das wurde ja schon in den anderen Beiträgen beklagt. Was ich bedenklich im christlichen und menschlichen Sinne finde, ist wenn Jugendliche bewußt in lebensgefährliche Situationen gedrängt werden. Auch wenn ihr Glaube fest ist, sonst würden sie es nicht freiwillig mitmachen, ist es meist noch nicht reif und tief. Durch demagogische Werbung sind die Jugendlichen leicht beeinflussbar und das ist das Gefährliche und Unverantwortliche daran und unchristlich obendrein. Man schickt nicht einen Erstklässler an die Uni und einen Berufsanfänger überhäuft man nicht mit Verantwortung. Erstmal soll man sich im Kleinen bewähren. Dass Gott ohne den riskanten Einsatz der Jugendlichen sein Reich aufbauen kann, müßte zum 1x1 der Mission gehören.
Charly61 | 16.08.2009 23:24:02
Der Bericht des ZDF enthält gravierende Falschinformationen, die nichts mehr mit seriösem Journalismus zu tun haben: - Die drei auf dem Gelände der Bibelschule Brake befragten Mädchen waren Urlauber, und nicht wie behauptet "Mitschülerinnen der Getöteten". - Das reißerische Werbevideo von "Jugend mit einer Mission" stammt nicht von Evangelikalen und ist auch nicht typisch für sie. - Evangelikale sind nicht identisch mit Freikirche, ein großer Anteil ist in der EKD beheimatet. - Evangelikale töten weder sich selbst noch andere für die Erreichung ihrer Ziele, daher ist der Vergleich mit gewaltbereiten Islamisten vollkommen verfehlt. Immerhin hat das ZDF, ohne es zu wollen, die Mission unter Muslimen unterstützt :-). Wer Einblick in das Denken der nach Wahrheit suchenden Menschen aus dem Islam hat weiß, dass sie sich erheblich mehr von ernsthaften Zeugnissen für Jesus überzeugen lassen als von einem im Alltag nicht zum Ausdruck kommenden Sonntagsglauben.
Herbert Jacobi | 15.08.2009 01:33:40
Als ich den missglückten Fernsehbeitrag über die "evangelikalen Fundamentalisten" gesehen habe, hat es mir ein breites Grinsen aufs Antlitz gezaubert: Ob hier nicht ein "Sondergesandter des Himmels" (=Engel) eine erfolgreiche Intervention gelandet hat? - Ich könnte es mir sehr gut vorstellen!
Andreas | 11.08.2009 12:45:21
Was hat der Bericht denn gesagt? Das junge Menschen in Regionen geschickt werden, um dort zu missionieren, obwohl man weiß, dass dies unter Einsatz des eigenen Lebens geschehen kann. Missionsarbeit als "Abenteuertrip" zu verkaufen ist sicher grenzwertig zu sehen. Das darf doch wohl gesagt werden?
Kerstin Feilbach | 11.08.2009 10:56:26
Ich finde es gut, dass sich pro für eine objektive Berichterstattung einsetzt und bereit ist, die eigene Position zu vetreten. Ich habe eine Mail an die Redaktion von frontal 21 geschickt.
Fred Latsch | 09.08.2009 14:28:45
Kurz nach dem 7. August gab es eine Panne bei der heute-Sendung des ZDF im neuen heute-Studio, zu finden unter http://www.youtube.com/watch?v=eit_bOnimzI&feature=popular. Es sollte gerade ein Beitrag über fundamentale Christen gezeigt werden, nach der Ansage kam dann aber eine Panne, die später zum Abbruch der Sendung führte. Ich glaube nicht, dass das Zufall war: Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer...
Gina | 08.08.2009 21:36:47
Verdrehte Welt, wenn man Opfer zu Mördern macht und Menschen, die helfen und so Zeugnis von der Liebe Gottes geben wollen, als Extremisten verurteilt, statt Systeme, Länder und Menschen anzuprangern die Glaubens- und Gewissensfreiheit mit Füßen treten oder sogar mit dem Tod belohnen.
Brigitte Sauer | 08.08.2009 17:48:10
Ich schließe mich dem Bericht in proKompakt voll an. Auch ich war entsetzt, als ich den Bericht im ZDF sah. Da werden Tatsachen ganz bewusst verzerrt und in falsche Zusammenhänge gebracht. Während Islamisten ihre Ziele mit gutem Gewissen auch mit Gewalt zu erreichen versuchen, ist mir das von Missionaren nicht bekannt. Christliche Missionare "erzählen" von ihrem Glauben und laden ein. Das ist doch wohl ein großer Unterschied. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass zur Zeit im großen Maße Stimmung gegen aufrechte Christen gemacht wird und ganz bewusst - interessanterweise meistens von Menschen, die gar kein genaues Hintergrundwissen des christlichen Glaubens haben - der christliche Glaube in direkten Zusammenhang zum Fundamentalismus der Muslime gebracht wird.
Lucy F. | 07.08.2009 19:26:21
Also ich sehe das differenzierter. Nicht Christen als solche wurden in eine Ecke gedrängt, sondern die Evangelikalen, also Islamische Fundamentalisten verhalten sich zum Islam, wie Evangelikale zum Protestantismus. Ganz ehrlich, ich verstehe auch nicht warum die Leute in die Mission gehen, scheint mir eher eine Art gefährlicher, spiritueller, Selbstfindungstrip zu sein - immerhin können die ja nicht ernsthaft glauben, daß sie auch nur einen, einzigen Moslem bekehren wollen und wie würden wohl die Christen hierzulande reagieren wenn plötlzich Muslime ankämen, um sie zum Islam zu konvertieren. Na gut der Kopf wäre nicht gleich ab, aber gefallen lassen würden die sich das auch nicht. Außerdem setzen die Missionare nichtkonfessionellen Hilfsorganisationen damit der Gefahr aus, ebenfalls Ziel von Angriffen zu weden und das ist ganz und gar unschristlich und ich muß sagen auch ein Stück weit egoistisch.