Fernsehen
ARD-Scientology-Film: Es geht um Macht
Angelehnt ist der Filmstoff an die Berichte mehrerer Scientology-Aussteiger. Dazu gehört auch die Lebensgeschichte Heiner von Rönns, die als Vorbild für die Umsetzung des Stoffes dient. "Die fiktive Geschichte kommt der Realität erschreckend nahe", verdeutlicht die bekannte Scientology-Expertin Ursula Caberta. Bei den Sektenanhängern stößt die Verfilmung erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe.
Getarnte Dreharbeiten
Wie geheim das 2,5 Millionen Euro teure Projekt war, beweist die Tatsache, dass auf den Drehbüchern und selbst auf der Regieklappe der Titel "Der Tote im Sund" als Tarnname stand. Die beiden Schauspieler Felix Klare, bekannt als Tatort-Kommissar, und Silke Bodenbender spielen ein junges Elternpaar, das in die Scientology-Organisation eintritt. Als die Verstrickungen seiner Frau immer tiefer werden, steigt der Mann aus. Damit verliert er den Kontakt und den Kampf um das Sorgerecht seiner kleinen Tochter, die ebenfalls in der Scientology-Ideologie unterrichtet wird.
Getarnte Dreharbeiten
Wie geheim das 2,5 Millionen Euro teure Projekt war, beweist die Tatsache, dass auf den Drehbüchern und selbst auf der Regieklappe der Titel "Der Tote im Sund" als Tarnname stand. Die beiden Schauspieler Felix Klare, bekannt als Tatort-Kommissar, und Silke Bodenbender spielen ein junges Elternpaar, das in die Scientology-Organisation eintritt. Als die Verstrickungen seiner Frau immer tiefer werden, steigt der Mann aus. Damit verliert er den Kontakt und den Kampf um das Sorgerecht seiner kleinen Tochter, die ebenfalls in der Scientology-Ideologie unterrichtet wird.
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Am 31. März sendet die ARD den SWR-Spielfilm "Bis nichts mehr bleibt" aus. Schon während der Dreharbeiten seien sie von Scientology beobachtet worden, berichten die Filmemacher.
Foto:
SWR/Christine Schroeder
Gegen Klagen gewappnet
Ausschlaggebend für den Fernsehfilmchef des Südwestdeutschen Rundfunks, Carl Bergengruen, ein solches Projekt umzusetzen, war die Bambi-Verleihung an das Scientology-Mitglied Tom Cruise. Gegenüber "Spiegel Online" verteidigt er die Geheimhaltung des Films. Über verschiedene Wege soll Scientology versucht haben, Details über das Filmprojekt herauszufinden. Laut "Spiegel Online"-Informationen, soll das Team des SWR durch einen Vertreter von Scientology beschattet worden sein. Hinzu kamen "permanente anonyme Anrufe" und aufgebrochene Autos. Scientology dementiert auf Anfrage des Hamburger Magazins die Vorwürfe. "Wir mussten befürchten, dass die Organisation alles tun würde, um mit juristischen Mitteln die Ausstrahlung des Films zu verhindern", erklärte Bergengruen. Man sei gegen Klagen gewappnet und habe den Film ein Jahr lang juristisch geprüft, so Mit-Produzent Nico Hofmann.
Eine etwas andere Sicht der Dinge vertritt Jürg Stettler, Pressesprecher der Scientology Kirche Deutschland. Den Film habe man zwar noch nicht sehen dürfen - trotzdem spricht Stettler von einer "beispiellosen Diskriminierungskampagne der ARD". Einer der Vorwürfe lautet die Filmemacher hätten schlecht recherchiert. Die Behauptungen der Filmemacher seien nichts als Panikmache, um den Film zu promoten.
In zwei bis drei Wochen will die Organisation einen eigenen Scientology-Sender im Internet starten und damit pünktlich zur Filmausstrahlung, "ihre Version der Geschichte zu verbreiten", zitiert die Nachrichtenagentur "News4Press". Einen positiven Aspekt kann Stettler der Sache dennoch abgewinnen. Der Film sei im Grunde genommen ein willkommener Anlass, dass in der deutschen Öffentlichkeit wieder über Scientology geredet werde.
Prominente als Werbeträger
In den letzten Jahren verzeichnet Scientology eine Austrittswelle prominenter Mitglieder. Wie die "Frankfurter Rundschau" in ihrer Ausgabe vom 8. Februar berichtet, hat kürzlich der Hollywood-Schauspieler Larry Anderson der Organisation den Rücken gekehrt. 33 Jahre und 270.000 Dollar hatte er in seine Mitgliedschaft investiert um die totale Freiheit zu erlangen, sagte er gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Anderson wirkte unter anderem in der TV-Serie "Desperate Housewives" und als Nebendarsteller in Kinofilmen wie "Star Trek" mit.
Vor drei Jahren hatten mit Geheimdienstleiter Mike Rinder und Finanzchef Mark Rahtbun zwei hochkarätige Mitglieder die Sekte verlassen. Im vergangen Jahr folgten die Schauspieler Jason Beghe und Regisseur Paul Haggis. "Je mehr Prominente gehen, desto mehr kommen die anderen ins Grübeln. Eine effektive Betreuung der Aussteiger wird dann nicht mehr möglich sein", sagte die Scientology-Beauftragte der Stadt Hamburg Ursula Canberta.
Laut einer Analyse des Verfassungsschutzes hat die Organisation nichts an Gefährlichkeit eingebüßt. Viel spreche dafür, dass sie "sinnvollerweise auch und gerade mit geheimdienstlichen Mitteln beobachtet werden" müsse, urteilte das Verwaltungsgericht Köln. Der deutsche Verfassungsschutz warnte am Freitag zudem vor dem Scientology-Ableger "United for Human Rights", die sich laut Scientology für den Schutz von Menschenrechten einsetzt. Die im Internet aufwendig beworbene Aktion sei ein "dreistes Täuschungsmanöver", erklärte die Präsidentin des Landesamtes Baden-Württemberg, Beate Bube, dem Münchener Nachrichtenmagazin "Focus".
Kommentare [5] >>>
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Karin | 02.03.2010 14:12:55
Sehr geehrter Herr Kolpak! Und was passiert mit den jungen Menschen die keine differenzierte Einsicht und kein gesundes Unterscheidungsvermögen haben? Nicht jeder blickt durch die "dreisten Täuschungsmanöver", der Scientology-Organisation durch. Ich freue mich auf die kommende Sendung am 31. März 2010 über die Scientologen und bin dankbar, dass ich nie in deren Hände oder Machenschaften geraten bin.
Christina | 25.02.2010 00:46:03
Das ist unglaublich, was da gemacht wird. Ich kenne Heiner von Rönn und ich weiß, dass er mit seiner Frau schon lange nicht mehr zusammen war und in zweiter Ehe verheiratet war, als er selber noch aktives Mitglied war. Auch wenn gesagt wird, dass es fiktiv ist, wissen alle, dass es eine Verurteilung ist. 2,5 Millionen Euro, so ein Wahnsinn und ich als Scientologe bezahle das auch noch mit meinen eigenen Gebühren, die ich zahlen muss. In meinen Augen ist das die massivste Verurteilung und Diskriminierung, die es geben kann. Lügen werden ständig verbreitet und wer bitte schön, von diesen Leuten, die die Lügen verbreiten, hat wirklich je mit einem oder mehren Scientologen gesprochen? Warum wird den Scientologen der Mund verboten? Warum schneidet man alles ab, was positiv ist? Warum wird nicht bekannt gegeben, dass es über 50 Gerichtsurteile gibt, in Deutschland, die Scientology als Glaubensgemeinschaft bestätigen?
Karin | 18.02.2010 22:49:28
Ich freue mich auf den Film - da ich kein Fernsehen habe, muss ich mich noch irgendwo einladen. Sehr mutig von der ARD, diesen Film zu machen! Hut ab! Wer sich etwas mit Scientology beschäftigt hat, der weiß, dass die wegen jedem Pups klagen, einfach um mürbe zu machen. Die "Angst! vor Klagen ist also volkommen gerechtfertigt - nicht, weil die ARD was falsch gemacht habn muss, sondern weil jeder mit Klagen bombadiert wird, der über Scientology berichtet. Toll, liebes öffentlich-rechtliches Fernsehen, dass Ihr für sowas investiert! Es wäre wünschenswert, wenn diese Organisisation, die sich "Kirche" nennt, um hinter den Deckmäntelchen der Religionsfreiheit ihre Geschäfte zu machen und Menschen zu knechten, bald verboten werden könnte!
Hans Kolpak | 15.02.2010 19:49:21
Viele Organisationen vertreten totalitäre Ideologien. Oft verbinden sie diese mit einem Ausschließlichkeitsanspruch, der keine Toleranz kennt und Abweichler aus den eigenen Reihen disziplinarisch belangt, wobei die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ehrlicherweise ist die gesamte Menschheit als Grauzone anzusehen, egal welche Kultur, welche Religion oder welche Politik gepflegt wird. Für junge unerfahrene Menschen ist selten offensichtlich, welche finanziellen Interessen und welche Machtansprüche hinter einem Namen stehen. Dianetik ist genauso ein Köder für Scientology, wie das Christentum ein Köder für Religionen oder Demokratie ein Köder für politische Parteien ist. Maßgebend sind nicht göttliche Instanzen oder menschliche Phropheten, sondern jetzt lebende Diktatoren mit Machtansprüchen und Geldansprüchen. Junge Menschen mit differenzierter Einsicht und mit Unterscheidungsvermögen wissen, wann sie einen Bogen um welche Diktatoren machen müssen - auch ohne Schützenhilfe vom Verfassungsschutz.
Mark | 12.02.2010 20:10:24
Die Programmrichtlinien der ARD besagen u.a. folgendes: Eine „freie, umfassende und wahrheitsgemäße Meinungsbildung“ muss sichergestellt werden. Die „Toleranz im Sinne der Achtung von Glauben, Meinung und Überzeugung der Mitmenschen“ ist zu fördern. „Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten.“ Da die Scientology Kirche im Vorfeld des Spielfilmes nicht gefragt wurde liegt die Vermutung nahe, dass gegen die eigenen Programmrichtlinien verstoßen wird. Ganz offensichtlich wurde hier nur in eine Richtung recherchiert. Wenn es solche Befürchtungen vor rechtlichen Auseinandersetzungen gibt muss man doch die Frage stellen wovor die ARD wirklich Angst hat. Was gibt es hier zu verbergen? Das alle möglichen Klischees nun in einen Spielfilm gepackt wurden und man sich vielleicht selber nicht so wohl in seiner Haut fühlt? Wenn bereits 5 Anrufe seitens der Scientology Kirche bei der Produktionsgesellschaft als Bedrohung aufgefasst werden dann wird diese Sache doch schon bald komisch.