Wolfgang Huber – Gesicht seiner Kirche
Für Gabriel ist Wolfgang Huber
die "Personifizierung der Kraft, die aus geistiger Arbeit
entstehen kann". Beeindruckt sei er von der Klarheit und dem
Denken Hubers – und das, obwohl seine Partei ein durchaus
"wechselvolles" Verhältnis zu den Kirchen habe. Huber habe
seiner Kirche in schwierigen Zeiten ein Gesicht gegeben und sogar in der
Politik zum Nachdenken angeregt: "Vielleicht werden wir jetzt
noch ein Quartett bei der Kanzlerkandidatur", fügte er mit
einem Augenzwinkern und dem Verweis auf die so genannte SPD-Troika,
bestehend aus ihm selbst, Peer Steinbrück und Frank-Walter
Steinmeier, hinzu.
Solch unverhohlen lobende Worte über
politisch relevante Persönlichkeiten hört man in Berlin eigentlich
nur zu zwei Anlässen: In Nachrufen und bei
Biografie-Veröffentlichungen. Bei Wolfgang Huber trifft
glücklicherweise das zweite zu. Gerade ist das nach ihm benannte
Buch mit dem Untertitel "Ein Leben für Protestantismus und
Politik" im "Kreuz Verlag" erschienen. Autor Gessler
hat sich für die Arbeit über Monate von seiner Redaktion
beurlauben lassen. Herausgekommen ist eine detaillierte Darstellung
des Schaffens Hubers, die durchaus auch kritisch sein will, wie der
Katholik Gessler betont.
Kirche und Staat – keine
getrennten Sphären
Huber zählt auch nach seinem
Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2009 zu den bekanntesten
Protestanten Deutschlands. Bis November 2009 war er Bischof der
Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Von
2003 bis 2009 bekleidete er das Amt des Ratsvorsitzenden der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Huber gilt bis heute als
Experte für ethische Fragestellungen und sitzt unter anderem im
Deutschen Ethikrat. So setzte er sich im vergangenen Jahr etwa
vehement für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID)
ein.
In Berlin stellte er am Donnerstag klar, dass er Kirche
und Staat nie als getrennte Sphären habe betrachten können. Zum
eine gebe es erhebliche personelle Überschneidungen, zum anderen
hätten ihm Ereignisse wie die Anschläge des 11. September 2001 klar
gemacht, dass auch die Politik einen "Ort des Gebetes"
benötige. Was die Kirche aber von der Politik unterscheide, sei die
Tatsache, dass dort grundlegende Überzeugungen gelebt, gefeiert und
vor Gott und die Menschen gebracht würden. Er habe sich trotz seiner
langjährigen Mitgliedschaft in der SPD immer als Kirchenmann
gesehen, weil er seine Grundüberzeugungen mit voller Kraft habe
einbringen wollen. Huber hatte sich 1993 gegen ein Bundestagsmandat für die SPD entschieden
und folgte stattdessen der Berufung zum Bischof. Seine SPD-Mitgliedschaft hat er wegen des Kirchenamtes aufgegeben. Zeit seines
Amtes habe er sich dann auch in "erhebliche Konflikte" mit
der einst eigenen Partei begeben. Kirchliche Leitungsämter, da ist
er sich sicher, sind mit politischen Parteizugehörigkeiten
unvereinbar.
Gabriel ließ im Rahmen der Buchvorstellung auch
ein wenig auf seine eigenen Glaubensüberzeugungen blicken. So
erklärte er, die Kirche müsse, ganz nach Vorbild Hubers, mit klaren
Worten Stellung beziehen, wenn notwendig auch gegen den Staat. Auf
die Frage aus dem Publikum, warum die Politik sich so selten auf
biblische Grundlagen berufe, antwortet er: "Klar bewegen wir
uns in dem, was wir tun, auch in dem, was die Zehn Gebote uns
mitteilen." Schließlich schlügen sich diese biblischen Werte
im Grundgesetz nieder. Er selbst bete eher in privaten Krisen als in politischen, gab er zu. An eine Ausnahme konnte er sich dennoch
erinnern: Den Besuch einer Trauerfeier für im Einsatz getötete
Bundeswehrsoldaten. "Da fühlen Sie Ihre eigene
Mitverantwortung", sagte er. (pro)
Philipp Gessler:
Wolfgang Huber – ein Leben für Protestantismus und Politik, Kreuz
Verlag, 19,99 Euro, ISBN 978-3-451-61110-0
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Buchfan | 14.06.2012 22:36:28
Klasse Buch... gerade bestellt: http://www.robinbook.ch/rb/product/buch/sachbuch/kulturgeschichte/wolfgang-huber/1/2664702