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"Einmal mehr aufstehen als hinfallen"

Dass der querschnittsgelähmte Samuel Koch ein Buch über seinen Unfall und die anschließende Therapie veröffentlichen konnte, ist eine eigene Geschichte. Er brauchte dazu Menschen, denen er vertrauen kann und die sich auf eine ungewöhnliche Arbeitsweise einlassen. Das christliche Medienmagazin pro hat in Hannover mit Samuel Koch über die Entstehung von "Zwei Leben" gesprochen.
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"Als Turner habe ich gelernt, das Hindernis, das ich überspringen will, nicht aus den Augen zu lassen, bis ich es überwunden habe", sagt Samuel Koch. Die Videos von der Sendung zeigen anderes. Samuel schlug mit dem Hinterkopf auf der vorderen Kante des Audi-Dachs auf. "Ich habe gegen alles gehandelt, was ich 20 Jahre lang gelernt habe", sagt er. Und das, obwohl ihn in den Proben und Trainings schon kleinste Unregelmäßigkeiten zum Abbruch eines Sprungs brachten. "Im Nachhinein finde ich mich selber dumm", sagt er mit leiser Stimme. Lautes Sprechen fällt ihm seit dem Unfall schwer. Selbst zum Husten braucht Samuel Hilfe. Jemand muss ihm auf den Bauch drücken und so die Muskeln ersetzen.

Trotzdem hat er es geschafft, ein Buch zu schreiben: "Samuel Koch – Zwei Leben" ist seit Montag in den Buchhandlungen erhältlich. Weil er selbst nicht mal einen Stift halten kann, brauchte er dazu Hilfe. Er fand sie in dem Journalisten Christoph Fasel und der Lektorin Karoline Kuhn. Fasel hat für "Bild" und "Stern" geschrieben und war Chefredakteur von "Reader‘s Digest". Vor Samuels erstem TV-Auftritt nach dem Unfall, damals in der Sendung "Peter Hahne", hatte Fasel dem jungen Mann bereits Tipps für den Umgang mit der Presse gegeben. Auf die Frage, wer dieser Samuel Koch eigentlich ist, über den sich die Boulevard-Journalisten im vergangenen Jahr die Finger wund geschrieben haben, antwortet Fasel schnell und ohne nachzudenken: "Samuel ist ein unglaublicher Ausbund an Energie. Er ist stark, offen und geradeheraus. Er gibt nicht auf. Man kann wohl sagen: Er ist begnadet."

Nachdem Fasel Samuels Geschichte niedergeschrieben hatte, begann die Feinarbeit. Jede der über 200 Seiten ging Karoline Kuhn, Lektorin bei "adeo", mit Samuel durch. Per Beamer projizierte sie den Text von ihrem Computer aus an die Wand, so dass es für ihn einfacher war, die Stellen mitzulesen. Gemeinsam formulierten sie um, spitzten zu oder milderten ab. Manche Passagen wurden vertieft, andere fielen ganz heraus. Kuhn erinnert sich an die ungewöhnliche Zusammenarbeit: "Da Samuel ein sehr höflicher Mensch ist, fiel es ihm anfangs schwer, gleich zu meckern, wenn ihm etwas nicht gefallen hat. Ich habe aber schnell gelernt, dieses gewisse ‚Hmpf‘-Geräusch zu erkennen, das er immer ausstieß, wenn er etwas eigentlich nicht gut fand, es aber nicht direkt sagen wollte. Wir haben dann bald einen guten Groove gefunden."

Selten habe sie mit jemandem so viel gelacht. Sie habe Hochachtung vor diesem Menschen, der sein Leben trotz seines Schicksals meistere und dabei auch noch auf andere achte. So beschreibt sie eine typische Anekdote aus der Zusammenarbeit: "Eines Abends saßen wir wieder mal an der Arbeit. Er hatte so starke Schmerzen, dass er zitterte. Ich habe ihn gefragt: Sollen wir lieber aufhören? Worauf er völlig entgeistert meinte: Warum, bist du müde?"

Auch an diesem Nachmittag in Hannover lachen Samuel und Karoline Kuhn, die gerade zu Besuch ist, viel. Mit dem Buch wollen sie versuchen, aufzuklären und im besten Fall zum Nachdenken anregen, sagt Samuel. Nach seinem Unfall sprach ganz Deutschland  über das Beten. Justin Bieber, auch Gast in jener "Wetten, dass..?"-Sendung, hatte via Twitter zur Fürbitte für den Gestürzten aufgerufen. Thomas Gottschalk hatte im Hotelzimmer mit Familie Koch ein "Vater unser" gesprochen. "Dass Gott in dieser Zeit so viel erwähnt wurde, nimmt dem Unfall etwas an Sinnlosigkeit“", sagt Samuel, der eigentlich in der Sendung über seinen Glauben sprechen wollte. Doch er will nicht so tun, als könne er sich mit seinem Schicksal anfreunden. Gerade jetzt, wo der Kontakt zu den alten Studienkollegen wieder intensiver werde und er sehe, "was die alles Tolles machen", leide er stärker unter seiner Lähmung. "Mir liegt nicht mehr so viel an dieser schönen Welt", sagt Samuel in Momenten wie diesem. "Ich weiß nichts Schlaues mehr mit meinem Leben anzufangen, Gott, mach damit, was du willst", habe er kürzlich gebetet.

Doch Samuel Koch bewegt. "Ich gehe mit einer stark veränderten Wahrnehmung durch den Tag, bin mir sehr bewusst, dass ich mich bewegen kann, wann und wie ich will und dass das nicht so selbstverständlich ist, wie ich es bisher genommen habe", fasst Karoline Kuhn zusammen, was nach der gemeinsamen Arbeit am Buch bleibt. Christoph Fasel macht es kürzer: "Einmal mehr aufstehen als hinfallen, das habe ich von Samuel gelernt."

Lesen Sie die ganze Reportage über das neue Leben von Samuel Koch in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Diese kann kostenlos und unverbindlich bestellt werden unter der Telefonnummer 06441/915151 oder per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de.



VON: aw | 26.04.2012

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