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Bonhoeffer: Wiedergeboren statt liberal

"Bonhoeffer war ein Evangelikaler." Das hat der amerikanische Autor Eric Metaxas im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro erklärt. Im September stellte er seine Biografie "Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet" in Berlin vor.
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Ausgerechnet ein Amerikaner hat eine Biografie über einen der größten deutschen Theologen verfasst – mit Erfolg. Eric Metaxas "Bonhoeffer" hat die New-York-Times-Bestsellerliste erklommen und verkaufte sich bisher über 300.000 Mal. Nun ist das Buch auch in Deutschland erschienen. Es zeigt den Märtyrer Dietrich Bonhoeffer als streitbaren Evangelikalen, der auch an der heutigen Kirche einiges auszusetzen hätte. Dazu erklärte Metaxas im Gespräch mit pro: "Ich wusste kaum etwas über Bonhoeffer als ich mit der Arbeit begonnen habe. Aber während ich seine Briefe, Tagebücher und Predigten las, sagte ich zu mir: Das ist ein wiedergeborener Gläubiger und kein liberaler Theologe."

Wegen seines Begriffs des "religionslosen Christentums" hätten sich in der Vergangenheit vermehrt Agnostiker auf Bonhoeffer bezogen, etwa der bekennende Atheist Christopher Hitchens. Metaxas aber ist der Auffassung: "Bonhoeffer wollte damit sagen, dass die deutsche Kirche versagt hat, weil sie nur religiös war, anstatt Jesus nachzufolgen. Religion ist tot. Wir brauchen einen lebendigen Glauben an Jesus Christus." (pro)

Heute wie auch zu Bonhoeffers Zeiten stehe die Kirche in der Gefahr, falschen Lehren anzuhängen, anstatt sich auf ihre Wurzeln zu berufen: "Die Bibel sagt immernoch dasselbe, wie vor 2.000 Jahren". Weil das im Dritten Reich missachtet worden sei, habe es überhaupt geschehen können, dass sich ein Teil der Kirche hinter Hitler stellte. Metaxas: "Bonhoeffer ruft die Kirche auf, Kirche zu sein. Sich nicht der Mode zu beugen, sondern die Wahrheit der Schrift zu verkünden. Heute würde er wohl fragen: Seid ihr wirklich Kirche, oder habt ihr es euch bequem gemacht?"

Eric Metaxas, Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet. SCM Hänssler, 752 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-7751-5271-6

Das vollständige Interview mit Eric Metaxas lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro, die am 20. Oktober erscheint.

Das Magazin erscheint derzeit in einer Auflage von 81.000 Exemplaren, ist kostenlos und kann unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online unter www.pro-medienmagazin.de bestellt werden. Bei redaktionellen Fragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an die angegebene Telefonnummer.


VON: aw | 14.10.2011

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Kommentare [7] >>>

  • Michael Böthel | 17.11.2011 13:12:59

    Die Biographie Bonhoeffers von Eric Metaxas, ist ein herausragendes Meisterwerk. Leider lernen die wenigsten Christen von solchen mutigen Widerstandskämpfern. Heute befindet sich die westliche Christenheit weitgehend auf einem ähnlichen (wegschauenden) Weg, wie zur Zeit des Endes der Weimarer Republik. Die Politische Correctness hat inzwischen auch große Teile des evangelikalen Flügels fest im Griff. www.michaelonair.com M.B. <><

  • Reinhold Weicker | 11.11.2011 12:05:42

    Es war eher Zufall, dass ich auf der Webseite von "Pro Medienmagazin" auf den Artikel "Bonhoeffer: Wiedergeboren statt liberal" stiess. Ich habe mich in den letzten Jahren etwas mit Bonhoeffer beschaeftigt, mein Eindruck: Man findet bei ihm eine eigenartige, eher seltene Mischung aus "fromm" (so nach ueblichen Kriterien: Zum Beispiel die Meditationen ueber die Texte der "Losungen" im Gefaengnis) und "revolutionaer, was die Kirche angeht" (zum Beispiel die Gefaengnis-Briefe aus der Zeit April - Oktober 1944, in denen das Stichwort "religionsloses Christentum" eine grosse Rolle spielt). Was die Nazi-Zeit angeht, so war da seine Haltung 1933/34 ganz klar: Gegen die, die damals sich als "fromm" bezeichneten (z.B. Frank Buchmann und seine Lausanne-/Oxford-Bewegung). Dass sich heutige Fundamentalisten (viele nennen sich auch "Evangelikale", im Sinne der heutigen Mehrheitsbedeutung von "evangelical") auf die "Bekennende Kirche" beziehen, ist doch einfach Anmassung: Bonhoeffer hat sich gegen die "Theologie der Schoepfungsordnung" ausgesprochen, ebenso wie sich heute Organisationen wie die Organisatoren der "Glaubenstage" (Sept. 2011) http://charismatismus.wordpress.com/2011/08/06/glaubenstage-in-sechs-stadten-am-24-9-2011/ fuer sie aussprechen. Damals bezog es sich auf Juden, heute auf Homosexuelle: Sie standen/stehen angeblich ausserhalb der "Schoepfungsordnung", beide Male eine kleine Minderheit innerhalb der Kirche. Bonhoeffer war gegenueber dem Schlagwort "Schoepfungsordnung" sehr skeptisch, er sagte mehrmals: Da entscheidet es sich, ob Kirche wirklich Kirche ist. Mit freundlichen Gruessen - Reinhold Weicker

  • Spiderman | 01.11.2011 09:51:53

    @ Gabriel Stängle Der Begriff "evangelikal" wurde erst in den 1960er Jahren in der deutschsprachigen Literatur eingeführt. D.h. man spricht nicht von Evangelikalen in der Zeit davor. Es gibt jedoch Literatur, welche die Stellung etwa der Baptisten oder des Gnadauer Verbandes oder der FeG zum Nationalsozialismus untersuchen. Railton untersucht dediziert die Haltung der Evangelischen Allianz (anhand der Veröffentlichungen im Allianzblatt) im Hitlerregime.

  • jeremy | 24.10.2011 21:33:56

    @Gabriel Stängle: Haben SIE die Nationalsozialisten verhindert? Ach, Sie haben damals noch nicht gelebt? Woher wissen Sie dann, wie das ging, und wie einfach das war? Die Evangelikalen haben zu wenig gegen die Nazis getan, sagen Sie? Und wie ist das mit den Bäckern, mit den Anglern, mit den 23- bis 31-Jährigen? Wissen Sie darüber etwas?

  • Gabriel Stängle | 23.10.2011 20:14:22

    Doch wo genau war dieser Bekenntnisevangelikalismus zu Bonhoeffers Zeiten und in der Zeit des Dritten Reiches? Historisch lässt sich feststellen, dass Bonheoffer und die Evangelikalen die beiden Pole des politischen Spektrums innerhalb des Protestantismus gegenüber der NS-Diktatur waren. Letzte Woche fiel mir beim Durchwühlen einer Bücherkiste die Geschichte des berühmten Pietismusforschers Erich Beyreuther „Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland“ in die Hände. Typisch für die Darstellung der zentralen Bewegung der Evangelikalen in Deutschland ist der Umfang, was es zum Thema der Bewegung in der Zeit der NS-Literatur zu sagen gibt: ganze 13 Seiten gibt es über die Zeit des Kirchenkampfes von 1933 bis 1937. Die Zeit von 1937-1945 wird auf ganzen zwei Seiten abgehandelt! Dementsprechend gibt es nur die Kapitel „Zwischen zwei Weltkriegen“ und „auf neuen Wegen nach 1945“. Einen Zweiten Weltkrieg mit der Vernichtung des europäischen Judentums hat es demnach nicht gegeben, oder die Evangelikalen waren in dieser Zeit in andere Sphären entrückt, bzw. erwiesen sich nicht als so streitbar wie Bonhoeffer, der für den Widerstand gegen Hitler mit dem Leben bezahlte. Noch peinlicher wird die Situation heute. Bei den meisten evangelikalen Einrichtungen hängt ein dickes Vorhängeschloss vor den Archiven, mit dem Vermerk: Aufarbeitung unerwünscht. Bis heute ist die evangelikale und pietistische Zeitgeschichte, insbesondere die Zeit des Dritten Reichs ist eine terra incognita – ein unerforschtes Gebiet. Es gibt Ausnahmen, die allesamt an einer Hand abzuzählen sind, wie das Standardwerk von Hartmut Lehmann (Pietismus und weltliche Obrigkeit 1969), sowie Railton (The German Evangelical Alliance and the Third Reich 1998). Dass im Jahr 2011 die letzten Institutionen unseres Landes, die eine historischen Erforschung ihrer Einrichtungen in der Zeit des Dritten Reiches entweder ignorieren, oder sich dessen widersetzen, evangelikale Einrichtungen sind, gibt zu denken. Vielmehr, dass in einer Bewegung, die sich gerne auf das „Erbe der Väter“ beruft, die historische Forschung außer Acht gelassen wird, wenn nicht sogar ablehnt wird, von hagiographischen Darstellungen abgesehen, kann als „Skandal des evangelikalen Gedächtnisses“ bezeichnet werden. Bevor man Bonhoeffer zum Evangelikalen mutieren lässt, sollte man erst seine Hausaufgaben in der Erforschung der eigenen Geschichte machen. Dann sollte man sich Bonhoeffers Bücher neu einer gründlichen Lektüre unterziehen.

  • Gabriel Stängle | 23.10.2011 20:12:15

    Eines der berühmtesten Zitate Dietrich Bonhoeffers lautet: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ Wenn man das auf die Evangelikalen anwendet, würde es nichts zu singen geben. Deshalb ist die Aussage, Bonhoeffer sei ein Evangelikaler gewesen, schlicht weg Unfug. Da ist zum einen der Begriff evangelical – das englische Wort kann im Deutschen mit „evangelisch“ wiedergegeben werden. So bezeichnen sich die ev. Kirchen wie bspw. die Württembergische selbst als „The Evangelical-Lutheren Church in Württemberg“. Die zweite mögliche Übersetzung „evangelikal“ wird aber seit den 1960er Jahren zunehmend zur Selbstbezeichnung des konservativen Protestantismus, in Abgrenzung zum Mainstream, der sich an der ökumenischen Bewegung orientiert. Nun ist der Evangelikalismus eine breite Strömung, die sehr heterogen ist, und in den nationalen Ausprägungen deutlich voneinander abhebt. So ist der britische völlig von einem US-amerikanischen zu unterscheiden, ebenso wie der deutsche von den südamerikanischen. Was in den letzten Jahren in der Publizistik der deutschen evangelikalen Leitmedien idea-Spektrum und PRO auffällt, dass sie massiv den Begriff evangelikal für ihre Definition eines Bekenntnisevangelikalismus reklamieren. Ende Teil 1

  • Thomas Hofer | 16.10.2011 01:21:35

    Dieses Interview ist grossartig, und Eric Metaxas gibt ein gutes Bild von Dietrich Bonhoeffer. Man merkt genau, dass er Bonhoeffer richtig verstanden hat. Hinzu kommt aber noch, dass Bonhoeffer merkte, wie Hitler antisemitisch wurde; Bonhoeffer hob hervor, dass Jesus ein Jude war und dass das Christentun aus dem Judentum stammte.

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