"Gottes Idee von einem guten Deutschen"
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"Herr, was dieser Tag auch bringt, dein Name sei gelobt." Es war an Weihnachten 1943, als Dietrich Bonhoeffer, Gefangener der Nazis, diese Worte niederschrieb. Im April 1945 wird er hingerichtet, wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Er mag sein Schicksal kommen gesehen haben, fest steht in jedem Fall, dass er es freiwillig gewählt hat. Genausogut hätte Bonhoeffer in Amerika Fuß fassen können, wo er 1939 eine Gastdozentur annehmen wollte. Schon in den USA angekommen entschied er sich zur Rückkehr ins für ihn als aufständischen Christen gefährliche Deutschland. Es sind die Worte seines Morgengebets, Ausdruck des Friedens in größter Bedrängnis, die Unions-Fraktionschef Volker Kauder wählte, um Bonhoeffer ein weiteres Mal aus den USA kommend in Deutschland zu begrüßen – nämlich als er das Werk "Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet" vorstellte. Das Buch steht derzeit auf Platz vier der "New York Times"-Bestsellerliste in der Kategorie "Print & E-Books".
Kirche sein – auch gegen den Zeitgeist
"Die ganze Welt muss wissen, dass Gottes Idee von einem guten Deutschen Bonhoeffer entspricht", erklärte Metaxas seine Motivation, ausgerechnet eine Bonhoeffer-Biografie zu veröffentlichen. Der Yale-Absolvent hat deutsche Wurzeln – und ist bekennender Christ. Auch deshalb habe die Geschichte des Widerständlers Bonhoeffer sein Herz und seinen Verstand "gefangengenommen", wie er sagte. Erst ein befreundeter Christ habe ihn in den 80er Jahren mit der Geschichte des Märtyrers bekannt gemacht. Metaxas fragte sich damals: "Warum habe ich diese Geschichte noch nie gehört?" Heute hofft er, dass nicht nur jeder Deutsche, sondern auch jeder Amerikaner sich mehr mit dem Leben des berühmten Theologen beschäftigt. Jeder solle erfahren, dass die Nazis antichristlich waren, auch wenn sie sich selbst als Christen dargestellt hätten. Bonhoeffer selbst habe immer klar und eindeutig zu seinem Glauben gestanden, kurz vor seinem Tod stärker denn je. "Ich bete, dass Bonhoeffers prophetische Stimme auch heute noch gehört wird", sagte Metaxas und rief die Kirchen zu mehr Selbstbewusstsein auf: Kirche müsse Kirche sein, auch jenseits der political correctness. Damals wie heute passe sich die Gemeinde zu sehr der Welt, der Gesellschaft und dem Zeitgeist an.
Kauder nannte Bonhoeffer schlicht "einen Helden". Metaxas Buch zeige seine "tiefe Gläubigkeit und Gottesergebenheit". Doch der Autor werfe auch einen neuen Blick auf Bonhoeffer. Erstmals verschaffe er durch spannende und eindrückliche Erzählweise einem neuen, größeren Publikum Zugang zu dem Geistlichen. Auch Kauder machte klar, dass Gott im Dritten Reich nicht einfach verschwunden sei: "Er wurde von den Nationalsozialisten aus der Zeit verbannt", sagte er. Stattdessen hätten die Nazis versucht, das Christentum zu instrumentalisieren. "Die Weimarer Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten gescheitert, sondern an zu wenigen Demokraten und Christen zu Grunde gegangen", sagte Kauder. Bonhoeffer habe gezeigt, dass das "Reden und Handeln" möglichst "nahe beieinander liegen soll". Er hoffe nun auf Erfolg des Buches in den USA, "weil es einen Deutschen vorstellt, auf den wir allen Grund haben, stolz zu sein". (pro)
Ein Interview mit Eric Metaxas finden Sie auch in der kommenden Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro, Ausgabe 5/2011, die am 13. Oktober erscheint. Bestellen Sie das Magazin kostenlos unter Tel. 06441/915151 via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder unter http://www.pro-medienmagazin.de/pro_bestellen.html.
Eric Metaxas, Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet. SCM Hänssler, 752 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-7751-5271-6
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Thomas Hofer | 16.10.2011 01:47:48
Als Oesterreich-Deutscher, der seit 1965 in den USA lebt, begruesse ich das Metaxas-Buch ueber Dietrich Bonhoeffer sehr. Ja, auch in den USA soll Dietrich Bonhoeffer bekannt sein, und es muss auch bekannt sein, dass das Hitler-Regime bei weitem nicht so harmlos war, wie das viele Leute hier in den USA glauben. Zwei Jahre nach meiner Einwanderung begann ich mein Studium am einem College hier im tiefen Sueden und traf wiederholt Rassisten, die mich mit Hitler gleichsetzten wollten. Ich lehnte diese Overtueren strikt ab. Dann traf ich die Frau eines Episkopal-Pfarrers, und sie fragte mich, ob ich von Dietrich Bonhoeffer wuesste. Ich antwortete, ja, gab ihr dann meine Kenntnisse ueber ihn weiter; dann erzaehlte ich ihr auch von Alfred Delp SJ und diversen anderen Widerstandskaempfern, auch von dem beruechtigten Roland Freisler und seinen unlauteren Gerichtsmethoden. Spaeter erfuhr ich, dass viele protestantische Geistliche hier in den USA im Seminar die Buecher und Schriften Bonhoeffers gelesen haben. Ich selbst bin Mitglied der Episkopalkirche, und unser Pfarrer mitsamt der Gemeinde gab mir vor kurzem eine gewidmete Augabe des Buches von Metaxas. Ich habe das Buch gelesen und empfehle se sehr.
markus | 21.09.2011 20:48:07
Bonhoeffer als evangelikal zu bezeichnen, halte ich auch für schwierig. Gab es damals schon diese Bezeichnung? Sicher stand er in einer evangelischen Tradition. Aber Bonhoeffer stand damals am Rand seiner Kirche, wie er selber schrieb. Er war keiner in der Mitte. Wie auch bei mehrheitlich "Deutschen Christen". Aber selbst innerhalb der Bekennenden Kirche stand Bonhoeffer am Rand. Zu anders war seine Art, den evangelischen Glauben zu leben und neu zu prägen. Er lässt sich nicht leicht vereinnahmen. Das würde ihn auch ungefährlich machen!! (Was leider - von mehreren Seiten - oft genug versucht wird.)
Ron | 20.09.2011 23:54:27
Metaxas neigt zur Vereinfachung und streckenweise sogar zur Entführung von B. Es gibt eine Reihe qualitativ hochwertiger Biographien zu B., darunter die seines Freundes Eberhard Bethge und die kürzere aber aktuellere von Ferdinand Schlingensiepen. Für Evangelikale sind die Bücher von Huntemann und Mayer bedeutsam, siehe dazu auch hier: http://www.theoblog.de/der-andere-bonhoeffer/15343/ Liebe Grüße, Ron
Stud.Theol Jérôme Denis Andre | 20.09.2011 18:28:09
‎"evangelikalen" ... ja aber sicher, vorallem das ... *epic facepalm* ... Im Ernst: Bonhoeffer war definitiv ein bewundernswerter Mensch; aber er war nicht evangelikal, zumindest nicht in der heutigen Konnotation des Wortes. - "Evangelisch" das ja, aber nicht "evangelikal".