"Es geht nicht nur um ein Kloster"
"Es geht nicht nur um ein Kloster,
es geht um viel viel mehr", sagte Granold am Donnerstag in
Berlin. Am Abend beschäftigt sich der Deutsche Bundestag auf Antrag
der FDP und Unions-Fraktion mit der Lage Mor Gabriels. Der Streit
zwischen türkischem Staat und religiöser Minderheit währt nun
schon Jahre. Er ist zum Stellvertreterkampf für die Christen in der
Türkei geworden. An ihm bemisst sich für viele auch, ob der Staat
bereit für einen EU-Beitritt ist.
Man wolle die Region frei
machen vom Christentum, erklärte Granold. Von 20 Prozent
christlichem Bevölkerungsanteil vor 60 Jahren seien heute in der
Türkei noch unter einem Prozent übrig, hieß es von Seiten der
Fraktion. Mor Gabriel kämpft seit vier Jahren um den Erhalt seines
Grund und Bodens und gegen seine Übereignung in Staatseigentum. Es
ist eines der ältesten Klöster der Christenheit.
Lage
hat sich "beständig verschärft"
Erika
Steinbach (CDU) erklärte in Berlin, die Lage des Klosters habe sich
"beständig verschärft". Erst vor zwei Tagen sei ein
Prozess zur Klärung der Besitzverhältnisse zum wiederholten Male
verschoben worden. Die Lage der religiösen Minderheit in der Türkei
habe sich verschlechtert. Freie Religionsausübung sei nur schwer
möglich. Steinbach sprach von einer "latenten Diskriminierung".
Gottesdienste bedürften etwa staatlicher Genehmigung. "Es muss
möglich sein, den Glauben zu leben", forderte Granold deshalb.
In einem Antrag haben unter anderem auch die
Fraktions-Vorsitzenden Volker Kauder (CDU) und Rainer Brüderle (FDP)
eine Beschäftigung der Bundesregierung mit dem Thema Mor Gabriel
gefordert. Die Lebensperspektive des Klosters müsse dauerhaft
garantiert werden, ebenso wie die Rechte der syrisch-orthodoxen
Minderheit im Land. Defizite im Bereich Religionsfreiheit in der
Türkei müssten verstärkt angesprochen werden.
"Trotz
einiger kleiner Fortschritte in den vergangenen Jahren ist die
Religionsfreiheit in der Türkei nach wie vor stark eingeschränkt.
Der Umgang mit nicht-muslimischen Minderheiten entspricht nicht den
Standards der Europäischen Union", heißt es in dem
Schriftstück. So sei es Christen nicht gestattet, ihren geistlichen
Nachwuchs auszubilden, die religiöse Zugehörigkeit werde in
Personaldokumenten festgehalten und biete Anlass für vielfältige
Diskriminierung im Alltag, und immer wieder komme es zu Gewalt gegen
Andersgläubige und ihre Gebetshäuser. Steinbach erklärte am
Donnerstag, sie wolle das Problem beständig ansprechen und hoffe,
dass dies zu einer "Bewusstseinsänderung" an den richtigen
Stellen führe. (pro)
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