Vorsicht vor der "digitalen Revolution"
Spitzer beklagt nicht nur die Folgen der Nutzung digitaler Medien für das Gehirn, indem diese die geistige Arbeit des Gehirns übernähmen. Aus seiner Sicht ist es ebenfalls problematisch, dass auch in Schule und Universität immer weniger verlangt werde, das Gedächtnis zu nutzen – etwa, indem Schüler heute weniger Gedichte auswendig lernten. Er sei kein Technikfeind, betont Spitzer, möchte aber zu einem vorsichtigen Umgang mit digitalen Medien raten.
Markt- und Suchtpotenzial
In diesem Sinne spricht er sich auch gegen das "Marktgeschrei von der digitale Revolution im Klassenzimmer" aus: Dahinter stünden Konzerne wie Apple oder Intel, denen es nicht um die Erziehung der Kinder, sondern um Gewinn gehe. Spitzer hält dem "Marktgeschrei" das Fazit einer PISA-Studie entgegen: "Ein Computer zuhause führt zu schlechten Schulleistungen".
Darüberhinaus hätten digitale Medien Suchtpotenzial. "Während der Konsum von Alkohol, Nikotin sowie weichen und harten illegalen Rauschdrogen rückläufig ist, steigen Computer- und Internetsucht dramatisch an." Etwa 250.000 der 14 bis 24-Jährigen gelten als internetabhängig, rund 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer, zitiert Spitzer den Jahresbericht des Suchtbeauftragten der Bundesregierung vom 22. Mai 2012.
Innerhalb von nur fünf Jahren habe sich die Spielsucht verdreifacht – betroffen seien vor allem arbeitslose junge Männer. Computerspielsüchtige und Internetabhängige behandelt er in der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm. "Das Leben dieser Patienten wurde durch digitale Medien völlig ruiniert", konstatiert er.
Spitzer ist seit 1998 ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Zuvor war er von 1990 bis 1997 als Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg tätig. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch eine Reihe populärwissenschaftlicher Bücher sowie der Fernsehreihe "Geist und Gehirn" auf "BR Alpha" bekannt, die sich mit Erkenntnissen aus der Gehirnforschung befasst.
Mit seinem Buch möchte Spitzer Aufklärung betreiben, damit "mehr Menschen das Problem überhaupt zur Kenntnis nehmen". Außerdem möchte er in dem Buch konkrete Vorschläge unterbreiten, "was jeder für sich und was man als Teil der Gesellschaft für alle tun könnte, um der digitalen Demenz Einhalt zu gebieten".
Manfred Spitzer, "Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen", Droemer-Verlag, 368 Seiten, 19,99 Euro.
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Martin Conrad | 15.08.2012 00:11:59
Leider ist Herr Spitzer ein Scharlatan. Seine Ausführungen fallen leider unter die Rubrik "Weltsichtbestätigungsliteratur". Und sein Umgang mit Daten und Studien fällt unter "Lügen mit Statistiken".
Henning Timcke | 04.08.2012 23:07:57
Fantastische Materialsammlung. Bedauerlicherweise ohne jegliche Vision.