"Radikale Freiheit": Käßmann ist Luther-Botschafterin
Nicht nur interessierte
Kirchenbesucher, auch allerhand Prominenz war am Freitag zum
Festgottesdienst in die nicht ganz voll besetzte Berliner
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gekommen, um Margot Käßmann in
ihrem neuen Amt als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017
willkommen zu heißen. Bundestagsabgeordnete wie Hermann Gröhe
(CDU), Kerstin Griese (SPD) oder Katrin Göring-Eckardt (Grüne)
lauschten der Einführung durch Schneider und der musikalischen
Untermalung, unter anderem durch Sarah Kaiser und Band.
"Selbst
denken!"
Käßmann fasste in ihrer Predigt die
zentrale Botschaft der Reformation so zusammen: Glaube sei keine
Moralinstanz, sondern als radikale Freiheit zur Einmischung in die
Welt zu verstehen. Das biblische "Wort" stehe für Denken,
Reflektieren, Fragen dürfen. "Fundamentalismus, ob jüdische,
christlicher, muslimischer oder hinduistischer Prägung, mag Bildung
und Aufklärung nicht", sagte Käßmann. "Selbst denken!",
sei aber die Kernbotschaft Luthers. "Ich denke manchmal, 25
Jahre nach Einführung des Privatfernsehens ist das heute auch wieder
revolutionär", erklärte sie weiter.
Schneider
erläuterte, als Botschafterin solle Käßmann fortan nicht nur an
ein "wichtiges geschichtliches Ereignis" erinnern, sondern
auch die inhaltlichen Anliegen der Reformation "allem Volk"
vergegenwärtigen. Dabei müsse sie daran erinnern, wie die
Reformation manche Weichen für die heutige Demokratie in Deutschland
gestellt habe. Andererseits dürfe sie auch die "Schattenseiten"
nicht verschweigen, etwa die Glaubenskriege des 16.
Jahrhunderts.
Katrin Göring-Eckardt erklärte im Anschluss an
den Gottesdienst in einem Grußwort: "Womöglich hätte Martin
Luther sich auch nicht träumen lassen, dass einst ein Weib
Reformations-Botschafterin würde." Doch es stehe der Kirche gut
zu Gesicht, dass ihre Verkünderin "Rock trägt und Absatz".
Die Schlüsselfrage für alle, die sich auf das Reformationsjubiläum
vorbereiteten sei, wie das Evangelium heute verkündet werden könne,
"so dass Menschen begreifen: das hat mit mir zu tun".
Gerade Käßmann sei eine Frau, die das Evangelium in eine Sprache
übersetze, die heute verstanden und gelesen werde. (pro)
Kommentare [3] >>>
"Songtalent"-Gewinner im Interview
Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...
Kirchentag in 3 Minuten
Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...
Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower
Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...
© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de
























Theo | 06.05.2012 12:52:22
Frau Käßmann leugnet die Jungfrauengeburt und wird Luther-Botschafterin. Was hätte ihr Martin Luther zu diesem Käß... wohl geantwortet?
Hartmut Elkemann-Reusch | 04.05.2012 10:14:07
Wenn mir die Botschaft der Bibel begegnet, habe ich die große Chance, über das nachzudenken, was mir die Bibel sagen will. Ich muss -letztlich will ich- mich mit dieser Botschaft auseinander setzen und fragen, was hat diese Botschaft mit mir zu tun? Wenn mich diese Botschaft dann in meinem Inneren erreicht, dann erlebe ich, dass "das biblische "Wort" für Denken, Reflektieren und Fragen dürfen steht". Erst mein Denken stärkt meinen Glauben und erst mein Glaube, lenkt mein Denken! Und daraus erwächst dann die "Freiheit eines Christenmenschen"!
Marcus | 01.05.2012 20:26:04
Wenn das "Wort" nicht als realität Gottes wahrgenommen wird, sondern der Definition von Frau Käßmann (wenn Sie das wirklich so gesagt hat) entspricht - möchte ich schon die Frage stellen, auf welchem Weg befinden sich die von der Reformation geprägten Kirchen - Quo Vadis EKD??