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"Radikale Freiheit": Käßmann ist Luther-Botschafterin

Margot Käßmann hat wieder ein Kirchenamt inne. Zwei Jahre nach ihrem Rücktritt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) führte ihr Nachfolger, Präses Nikolaus Schneider, sie am Freitag in Berlin als Luther-Botschafterin ein. In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche predigte Käßmann über die "radikale Freiheit" des Glaubens.


Nicht nur interessierte Kirchenbesucher, auch allerhand Prominenz war am Freitag zum Festgottesdienst in die nicht ganz voll besetzte Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gekommen, um Margot Käßmann in ihrem neuen Amt als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 willkommen zu heißen. Bundestagsabgeordnete wie Hermann Gröhe (CDU), Kerstin Griese (SPD) oder Katrin Göring-Eckardt (Grüne) lauschten der Einführung durch Schneider und der musikalischen Untermalung, unter anderem durch Sarah Kaiser und Band.

"Selbst denken!"

Käßmann fasste in ihrer Predigt die zentrale Botschaft der Reformation so zusammen: Glaube sei keine Moralinstanz, sondern als radikale Freiheit zur Einmischung in die Welt zu verstehen. Das biblische "Wort" stehe für Denken, Reflektieren, Fragen dürfen. "Fundamentalismus, ob jüdische, christlicher, muslimischer oder hinduistischer Prägung, mag Bildung und Aufklärung nicht", sagte Käßmann. "Selbst denken!", sei aber die Kernbotschaft Luthers. "Ich denke manchmal, 25 Jahre nach Einführung des Privatfernsehens ist das heute auch wieder revolutionär", erklärte sie weiter.

Schneider erläuterte, als Botschafterin solle Käßmann fortan nicht nur an ein "wichtiges geschichtliches Ereignis" erinnern, sondern auch die inhaltlichen Anliegen der Reformation "allem Volk" vergegenwärtigen. Dabei müsse sie daran erinnern, wie die Reformation manche Weichen für die heutige Demokratie in Deutschland gestellt habe. Andererseits dürfe sie auch die "Schattenseiten" nicht verschweigen, etwa die Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts.

Katrin Göring-Eckardt erklärte im Anschluss an den Gottesdienst in einem Grußwort: "Womöglich hätte Martin Luther sich auch nicht träumen lassen, dass einst ein Weib Reformations-Botschafterin würde." Doch es stehe der Kirche gut zu Gesicht, dass ihre Verkünderin "Rock trägt und Absatz". Die Schlüsselfrage für alle, die sich auf das Reformationsjubiläum vorbereiteten sei, wie das Evangelium heute verkündet werden könne, "so dass Menschen begreifen: das hat mit mir zu tun". Gerade Käßmann sei eine Frau, die das Evangelium in eine Sprache übersetze, die heute verstanden und gelesen werde. (pro)


VON: aw | 27.04.2012

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Kommentare [3] >>>

  • Theo | 06.05.2012 12:52:22

    Frau Käßmann leugnet die Jungfrauengeburt und wird Luther-Botschafterin. Was hätte ihr Martin Luther zu diesem Käß... wohl geantwortet?

  • Hartmut Elkemann-Reusch | 04.05.2012 10:14:07

    Wenn mir die Botschaft der Bibel begegnet, habe ich die große Chance, über das nachzudenken, was mir die Bibel sagen will. Ich muss -letztlich will ich- mich mit dieser Botschaft auseinander setzen und fragen, was hat diese Botschaft mit mir zu tun? Wenn mich diese Botschaft dann in meinem Inneren erreicht, dann erlebe ich, dass "das biblische "Wort" für Denken, Reflektieren und Fragen dürfen steht". Erst mein Denken stärkt meinen Glauben und erst mein Glaube, lenkt mein Denken! Und daraus erwächst dann die "Freiheit eines Christenmenschen"!

  • Marcus | 01.05.2012 20:26:04

    Wenn das "Wort" nicht als realität Gottes wahrgenommen wird, sondern der Definition von Frau Käßmann (wenn Sie das wirklich so gesagt hat) entspricht - möchte ich schon die Frage stellen, auf welchem Weg befinden sich die von der Reformation geprägten Kirchen - Quo Vadis EKD??

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