Christlicher Sudanese bangt um Leben und Familie
Im Sudan sollte Khalil eigentlich gar nicht mehr sein. Der Englischlehrer war mit seiner Familie nach Ägypten geflohen. Denn nachdem er durch einen amerikanischen Pastor Jesus Christus kennengelernt und sich dem Christentum zugewandt hatte, machte ihm nicht nur die eigene Familie das Leben schwer – sein Vater drohte, ihn zu erschießen. Auch die Familie seiner Frau Manal Hassan setzte das Paar zunehmend unter Druck, als er auch sie in christliche Gottesdienste mitnahm.
Kampf um die Familie
Ägypten sollte die neue Heimat des Paares werden. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen erkannte sie als Flüchtlinge an, so dass sie in Ägypten bleiben durften. Die Wende kam dann im August vergangenen Jahres: Nach einem Besuch aus dem Sudan waren plötzlich auch seine Frau und die beiden Söhne weg. "Ohne mein Wissen nahm sie meine Frau und die Kinder mit zurück in den Sudan", erzählt Khalil.
Er erfuhr, dass seine Frau die Scheidung eingereicht hat und sich zum Islam bekennt. Ein sudanesisches Gericht sprach ihr das Sorgerecht für die Kinder zu. Gegen diesen Gerichtsbeschluss versucht Khalil nun zu kämpfen. "Ich bin aufgebracht gegen das Gericht, das einem verbietet, seine Kinder zu sehen." Ende vorigen Jahres reiste er in den Sudan, trotz des Risikos, dort wegen Apostasie verurteilt zu werden. Im April 2012 versuchte er, seine Kinder zu sehen. Doch die Familie Hassan drohte mit der Polizei.
Religiöse Kehrtwende
Khalil war ursprünglich selbst ein praktizierender Sufi-Muslim. Während eines zweijährigen Studienaufenthalts im ägyptischen Alexandria wurde er jedoch Atheist. Zurück im Sudan kam es zur Begegnung mit dem Christentum. Nach den Drohungen seines Vaters setzte er sich in die Vereinigten Arabischen Emirate ab. 2005 kehrte er jedoch in den Sudan zurück. Dort arbeitete Khalil als Englischlehrer und übersetzte Kirchenlieder und Bibelverse ins Nobiinsche, eine Sprache der Nubier im Sudan. 2007 lernte er seine Frau kennen.
In dem Weltverfolgungsindex von "Open Doors" befindet sich der Sudan auf Platz 16, im Vorjahr befand es sich noch auf Platz 35. Eine Ursache für die Verschlimmerung der Situation ist die friedliche Teilung des Landes seit dem 9. Juli 2009. Während im Süden Religionsfreiheit prinzipiell garantiert ist, unterstehen alle Bürger im Norden der Scharia. Zukünftig werde die Christenverfolgung weiter zunehmen, heißt es in dem Bericht von "Open Doors". (pro)
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