"Wir sind der Puff Europas"
Mit dabei waren Vertreter teils
internationaler Organisationen aus Deutschland, den USA und Schweden.
Die Idee zum Treffen hatte Thorsten Riewesell vom christlichen
Jugend-Netzwerk "Jumpers". Für den Politiker Frank
Heinrich, selbst engagierter Christ, ist Menschenhandel ein
Schwerpunktthema seiner Arbeit im Menschenrechtsausschuss des
Deutschen Bundestages. Es könne nicht angehen, dass moderne
Sklaverei geduldet werde, sagt er im Gespräch mit pro. Der neue
Arbeitskreis soll Organisationen, die sich gegen Zwangsprostitution
stark machen, vernetzen und dabei helfen, ein öffentliches
Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. "Immerhin sind wir
der Puff Europas", beschreibt er die Lage in der Bundesrepublik.
Über Prostitutionsgesetz und Asylrecht diskutieren
Seit
2002 ist Prostitution in Deutschland als Dienstleistung rechtlich
anerkannt. Die Interessenvertretung für Prostituierte, "Hydra",
schätzt, dass hierzulande 400.000 Frauen anschaffen gehen. Rund die
Hälfte von ihnen soll aus dem Ausland stammen, die meisten aus
Osteuropa. 2010 kam es in Deutschland zu insgesamt 1.498 Fällen von
Menschenhandel, die gemeldet oder angezeigt wurden. Die Dunkelziffer
liegt weit höher.
Die Gruppe um Riewesell und Heinrich will
nun prüfen, welche politischen Initiativen künftig eingebracht
werden können. Das Prostitutionsgesetz müsse ebenso diskutiert
werden, wie das Asylrecht, sagt Heinrich. Obwohl die
Arbeitsgemeinschaft künftig auch mit säkularen Organisationen
zusammenarbeiten will, erachtet er das Thema besonders für Christen
als relevant: "Wir müssen gegen Sklaverei vorgehen, das sagt
schon die Bibel", erklärt er.
Menschenhandel ist
Thema – auch für Evangelikale
Einer der Teilnehmer des
Berliner Treffens war Gerhard Schönborn, Vorsitzender des Vereins
"Neustart". Die Organisation betreibt ein Café in der
Kurfürstenstraße, dem größten Berliner Straßenstrich.
Prostituierte erhalten bei Schönborn kostenlos etwas zu trinken und
zu essen. Doch die christlichen und größtenteils ehrenamtlichen
Mitarbeiter vermitteln die Frauen auch an Hilfseinrichtungen, die
ihnen den Ausstieg, Drogenentzug oder Therapien ermöglichen.
Schönborn empfindet es als "total motivierend", zu sehen,
dass sich immer mehr Christen für das Thema Zwangsprostitution
interessieren und dagegen vorgehen. Ein Grund dafür sei, dass es in
den Medien präsenter als noch vor drei oder vier Jahren behandelt
werde – gerade Evangelikale hätten sich lange Zeit gar nicht mit
den Hintergründen der Prostitution beschäftigt.
Das Treffen
im Bundestag könne dazu beitragen, dass engagierte Christen aus den
jeweiligen Erfahrungen des anderen lernten, sagt Schönborn. Gerade
in christlichen Gemeinden sieht er ein großes Potential: "Wenn
sich Gläubige diesem Thema annehmen, könnte das ein öffentlicher
Verstärker sein." Auch politisch könnte sich dann einiges
verändern. So hält er es für dringend notwendig, dass Berater in
Hilfsstellen ein Zeugnisverweigerungsrecht erhalten, sie also vor
Gericht nicht gegen die Prostituierten, die sie selbst beraten,
aussagen müssen. "Das würde das Vertrauensverhältnis
stärken", findet er. Außerdem wünscht sich Schönborn einen
Abschiebestop für Opfer von Zwangsprostitution. Gerade in
Deutschland sei das wichtig. Denn eines müsse klar sein: "Wir
leben hier an einem Umschlagplatz der Ausbeutung." (pro)
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Josef Raddy | 04.08.2012 13:13:08
Wenn ich sehe, wie in den Großstädten junge Mädchen (z.B. 14 Jahre) auf den Strich gehen (müssen), dann kommt in mir voll der Haß auf. Wenn ich das schon hasse, wie muß Gott das hassen? Verbündet euch, organisiert euch und kämpft dagegen, sonst wird sich Gott wegen eurer Untätigkeit selbst ausrotten, zumindest hat er das in der Bibel angedroht. Dann könnten wir auch 400 Jahre in "babylonische Gefangenschaft" geraten.