Interreligiöser Dialog: "Gespräche auf Augenhöhe"
Bild 1 von 2
Längere Durststrecke im Dialog
Die Muslime hatten in der Vergangenheit "oberlehrerhafte Aussagen der Kirche" bemängelt. Ein Kritikpunkt der Protestanten war das beleidigende Auftreten vieler Muslime in der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, verwies auf eine längere "Durststrecke im Dialog". Der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte sah die Aufgabe des Treffens darin, Differenzen und Missverständnisse zu klären sowie gemeinsame Themen anzugehen.
Grund für die Streitigkeiten waren oft der Bau von Moscheen oder die Debatte um die Verfassungstreue von Muslimen. 2006 veröffentlichte die EKD ein Grundsatzpapier, in dem sie den Muslimen ein Bekenntnis zum Grundgesetz einschließlich der Gleichheit der Frau und der Religionsfreiheit abverlangte. Muslimische Verbände sahen den Islam dadurch in eine falsche Ecke gedrängt. Angriffe auf den damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber waren die Folge.
Keine Instrumentalisierung von Religion
Huber fachte den Konflikt weiter an, als er 2007 von einer "groß angelegten Moscheebau-Initiative" sprach und dahinter "weitergehende Machtansprüche" vermutete. Die Kirche schärfe ihr Profil polemisch am Islam, konterte die Gegenseite. Am Donnerstag lehnten beide Seiten die Instrumentalisierung von Religion durch die Salafisten strikt ab. Falls Salafisten eine Koranverteilung benutzten, um "etwas Anderes" zu erreichen, dann fände das auch der Koordinationsrat "nicht lustig", schreibt das Nachrichtenportal "RP Online".
Klar sei auch, dass keine Religion die andere missionieren wolle. Der Glaube an den einen Gott vereine Christen und Muslime, sagte Schneider. Statt den direkten Dialog zu suchen, hätten sich beide Seiten "Scharmützel über die Medien" geliefert, ergänzt Mazyek. Um den drängenden Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen, seien beide Religionen gemeinsam gefragt. Schindehütte räumte ein, dass die muslimische Seite nicht über alle Positionen der EKD in der Vergangenheit glücklich gewesen sei: etwa bei Fragen der Menschenrechte oder der Bewertung von Gewalt und Toleranz. Vor allem die Etablierung islamischer Theologie an Universitäten sowie die Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts wirke sich auf die Rolle der Religionen in der Gesellschaft aus.
Im eigenen Glauben gefestigt
Der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban äußerte seine Bedenken zu dem Treffen: "Die EKD muss von den Muslimen einfordern, dass sie die theologischen Probleme in ihrer Religion klären." Beide Seiten einigten sich, dass es nun darum gehe, gemeinsam die gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Schneider sagte dazu, wer in seinem eigenen Glauben gefestigt sei, habe eine große Freiheit, mit anderen zu reden.
Zur weiteren Vorgehensweise: Protestanten und Muslime wollen jetzt in kleineren Gruppen klären, welche Themen vorangetrieben werden. Aus Schneiders Sicht stehe man am "Beginn des Beginns". Mazyek ergänzte, geplant sei ein gemeinsamer Leitfaden für Muslime und Christen: "Es besteht Bedarf an einem Knigge: Was muss ich beachten, wenn ich in die Kirche oder in die Moschee komme?" Das nächste Spitzentreffen ist für Ende Juni 2013 geplant – dann in Berlin, bei der EKD. (pro/dpa)
Kommentare [0] >>>
"Songtalent"-Gewinner im Interview
Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...
Kirchentag in 3 Minuten
Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...
Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower
Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...
© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de

























