Inuit-Bibelübersetzung:
Wenn der Esel durch die Arktis reitet
Kein Wort für "Frieden"
Jesus reitet in der Welt der Eskimos nun auf "einem Tier, das lange Ohren hat" durch das Heilige Land. Einen Esel kennen weder die Eskimos noch deren Sprache. Nicht ganz so einfach war die Übersetzung bei den Gleichnissen: Weil die Eskimos Tiere zwar jagen, aber nicht hüten, wurde der "Gute Hirte" in einen "Babysitter für Schlittenhunde" übersetzt. Schäfchen werden als "Tiere mit gekräuseltem Haar" umschrieben. Beim "Kamel" und der "Palme" haben sich die Übersetzer für das englische Wort entschieden.
Die Kanadische Bibelgesellschaft und die Anglikanische Kirche haben das Projekt finanziert. Die Zahl der christlichen Eskimos, die in Kanada zu den fleißigsten Kirchgängern gehören, wird auf über 33.000 geschätzt, heißt es auf "sueddeutsche.de". Um so nah wie möglich an der Lebenswelt der Inuit zu sein, waren alle Übersetzer Inuit. Einer von ihnen ist der 65-jährige Priester Jonas Allooloo, der seit 1978 jedes Jahr mehrere Wochen an dem Projekt mitarbeitete.
Für "Frieden" etwa hätten Inuit überhaupt kein Wort. Der Priester übersetzte dies als Zustand ohne Krieg, "Gnade" mit "unverdientem Gefallen" und "Wunder" mit "etwas, das man nicht jeden Tag sieht". Manch anderer Ausdruck ist auch den deutschen Missionaren zu verdanken, die dort Teile der Bibel übersetzt haben. Gott heißt bis heute "guti", den Teufel nennen die Inuit "satanisi", die Hölle ist der "Ort, an dem man gequält wird" und das Paradies der "Ort, an dem man glücklich ist".
Erst seit dem 19. Jahrhundert eine Schriftsprache
Die Bibel ist mittlerweile in fast 2.500 Sprachen übersetzt, in 469 von ihnen komplett. Die Sprache der Inuit, das Inuktituk, war Jahrtausende lang zunächst nur eine mündliche Sprache. Erst der englische Missionar Edmund Peck verschriftlichte sie im Laufe des 19. Jahrhunderts. Das Neue Testament gibt es seit 1991 in der Sprache der Inuit in der 5. Auflage. Die Übersetzungsarbeit am Alten Testament nahm deswegen eine so lange Zeit in Anspruch, weil Allooloo gemeinsam mit dem englischen Bischof und Projektleiter Benjamin Arreak nur ein bis zwei Monate des Jahres damit verbracht haben. "Die christlichen Inuits haben sich nach einer solchen Bibel gesehnt", wird Arreak in der "Washington Post" kurz vor der Fertigstellung zitiert. Die Menschen vor Ort bräuchten die Übersetzung des gesamten Wortes Gottes als Richtschnur für ihr Leben. (pro)
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